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Akku-Verbrauch : Smartphones müssen lernen

  • -Aktualisiert am

Das Telefonieren kostet noch an wenigsten Akku Bild: dpa

Die Akku-Laufzeit eines Smartphones wird immer wichtiger. Um sie zu verlängern, müsste gerade bei den Prozessoren viel passieren. Denn die verbrauchen zu viel Strom.

          Die Akku-Laufzeit ist in der Smartphone-Branche zum wichtigsten Wettbewerbsfaktor geworden. „Unsere Kunden wollen, dass ihr Gerät drei Tage durchhält, bevor es an die Steckdose muss“, sagt Rodrigo Del Prado vom spanischen Smartphone- und Tablet-Hersteller BQ. Doch die Drei-Tage-Frist liegt derzeit für die meisten Handy-Besitzer noch in weiter Ferne. Bisher muss ein gut ausgelastetes Smartphone spätestens nach 24 Stunden wieder aufgeladen werden.

          „Am Akku können wir nicht mehr viel machen“, meint Del Prado und ergänzt: „Deshalb müssen wir eine effizientere Maschine haben.“ Bei den Prozessoren müsste also viel passieren. Denn die verbrauchen zu viel Strom, weil sie zu früh aufgerufen werden oder zu lange laufen. Smartphones sind inzwischen Hochleistungscomputer, mit denen man auch telefonieren kann. Die Anforderungen zahlreicher Apps an die Grafikeigenschaften sind enorm gestiegen. Mit hochwertigen Smartphone-Kameras wollen die Handy-Besitzer Videos drehen und auf dem Gerät bearbeiten.

          Anschließend werden die Videos per Facebook, Twitter oder Youtube veröffentlicht und mit hoher Übertragungsleistung auf die Server gefunkt. All das erfordert Rechenleistung. Dabei setzen die Smartphone-Hersteller auf denselben Technologieansatz wie die Entwickler von Supercomputern. Sie arbeiten mit mehreren Prozessorkernen. Bei einer Anwendung mit hoher Prozessorleistung werden mehr Kerne hinzugeschaltet. Bei einer Anwendung mit weniger Leistung werden weniger Kerne genutzt.

          Kognitive Technologien direkt ins Chipset

          Damit konnte die Batterielaufzeit schon verbessert werden. Aber das reicht noch nicht aus. Einen weitaus erheblicheren Optimierungseffekt versprechen sich die Gerätehersteller von einer Prognose-Software. Das Smartphone muss vorhersehen, welche Anwendungen sein Anwender demnächst aufruft, um entsprechenden Speicher und vor allen Dingen Prozessorleistung just in time bereitzustellen.

          Eloy Fustero hat mit seinem Team eine Anwendung entwickelt, mit der kognitive Technologien direkt in das Chipset integriert werden können. So lernt der Chip, was der Anwender gerade macht. Mit seinem Wissen um das typische Nutzerverhalten seines Besitzers kann der Chip dann seinen Stromverbrauch optimieren. Die Lern-Software muss dafür jede Aktivität des Smartphone-Besitzers aufzeichnen. Sind entsprechend viele Daten über die individuelle Smartphone-Nutzung gesammelt worden, werden Muster gebildet und Wahrscheinlichkeitsbeziehungen berechnet. Auf dieser Grundlage kann die Vorhersage-Software bestimmen, wann welche Prozessorleistung benötigt wird. Ein Teil der benötigten Rechenleistung kommt dann von Spezialprozessoren, zum Beispiel vom Grafikchip oder einem Audioprozessor.

          Aber die Daten, die von der Lern-Software des Smartphones gesammelt werden, die Musterberechnungen, die für die Prognose-Software mit diesen Daten angestellt werden, betreffen sowohl sehr persönliche Lebensbereiche als auch Firmengeheimnisse von Diensthandy-Besitzern. Geheimdienste werden frohlocken. Denn das könnte ihre Arbeit ungemein erleichtern. Deshalb müssen solche energieoptimierten Smartphones mit eingebauter kognitiver Technik auch unbedingt zu Hochsicherheitsgeräten aufgerüstet werden.

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