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Ärger mit Apples MacBook Pro : Ruhe mit der Festplatte!

Die „laute” Festplatte von Hitachi Bild: Hersteller

Meiers lautes MacBook Pro ist leise geworden! Die Lösung hat ein kompetenter Mitarbeiter eines Apple-Fachhändlers gefunden. Weder der Hersteller selbst noch der verantwortliche Händler konnten helfen. Dabei wäre alles so einfach gewesen.

          3 Min.

          Wir leben im digitalen Zeitalter. Das tun wir schon länger. Deswegen sind zum Beispiel Notebooks keine geheimnisvollen, mythischen Gegenstände, sondern alltägliche Dinge, die Nutzer einfach bedienen und Fachleute reparieren können sollten. Denoch gibt es Händler, die Computer verkaufen, ohne sich mit ihnen hinreichend auszukennen. Leider versuchen vermeintliche Experten ihr fehlendes Wissen dadurch zu entschuldigen, dass sie bestimmte Defekte als „normal“ bezeichnen. So geschehen in einer Gravis-Filiale.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Meier hatte zwölf Stunden nach Kauf seines MacBook Pros dieses zurückgebracht, weil er der Meinung war, es sei zu laut. (FAZ.NET berichtete: ) Daraufhin nahm ein Gravis-Mitarbeiter das Gerät an sich, um es seinen Kollegen aus der Technik zur Überprüfung zu geben. Eine Stunde später bekam Meier sein Gerät wieder zurück. Die Techniker könnten in Sachen Lautstärke keinen Unterschied zu den anderen Modellen gleicher Bauart feststellen. Das Brummen sei „normal“: Der Lüfter müsse nun mal ständig laufen, weil der Prozessor so stark sei. Ein Telefongespräch mit Apple hätte ergeben, dass das Geräusch völlig in der Norm liege.

          Meier wollte aber seine Ruhe haben und wandte sich direkt an Apple. Dort erfuhr er, dass man generell keine Aussage über die Norm von Geräuschen mache. Die Aussage des Gravis-Mitarbeiters stimmte also nicht mit der von Apple überein. Also erklärte Meier der Apple-Hotline, dass in unterschiedlichsten Testberichten die minimale Lautstärke der MacBook Pros festgestellt wurde, dass sein altes Apple-Notebook auch nicht zu hören war und dass das MacBook eines Freundes ebenfalls leiser ist. Apple nahm den Fall auf.

          Die „leise” Festplatte von Samsung
          Die „leise” Festplatte von Samsung : Bild: Hersteller

          „Was haben sie denn für eine Festplatte drin?“

          Apple schickte Meier zu einem „autorisierten Service Provider“ in seiner Nähe. Eigentlich eine absurde Maßnahme, denn Gravis ist ebenfalls ein „ASP“. Doch die Mitarbeiter machen wohl den Unterschied aus. Meier musste in dem neuen Laden nur sagen: „Mein MacBook Pro ist zu laut.“ Die Frage des Fachmanns traf den Punkt: „Was haben sie denn für eine Festplatte drin?“. Es stellte sich heraus, dass es eine Hitachi war mit 200 Gigabyte und 5400 rpm. Die seien von Haus aus laut, meinte der Mitarbeiter, und packte eine Festplatte von Samsung aus, weil diese in der Regel leiser seien.

          Eine kleine Vorführung konnte Meier überzeugen. Der Mitarbeiter steckte nacheinander die nackten Festplatten in eine Art Dockingstation. Es war deutlich zu hören, dass die Samsung-Festplatte wesentlich leiser war als die Hitachi-Festplatte. Natürlich war das kein Garantiefall, schließlich gibt es ja bei Apple keine Norm für die Lautstärke des Notebooks. Deshalb ließ sich Meier seine Ruhe 160 Euro kosten. 100 Euro für die neue Festplatte, die dann auch noch 120 Gigabyte mehr Platz hatte, und 60 Euro fürs Einbauen.

          Lüfter oder Festplatte?

          Das Brummen des MacBook Pros ist auch ein Thema in Internet-Foren. Dort wird häufiger bemängelt, dass die neuen Apple-Notebooks zu laut seien. Letztlich werden immer zwei Gründe dafür genannt: Lüfter und Festplatte. Ein Forumsmitglied schreibt: „Lüfter laufen mit 2000 rpm. Vielleicht ist es auch die Festplatte.“ In einem anderen Forum ist man der Lösung schon näher gekommen: „Es hat sich herausgestellt, dass es ein Problem mit der Festplatte war!“

          Eines ist klar: Festplatten machen Geräusche. „Der Grad der Lautstärke ist sicherlich kein Qualitätsmerkmal“, sagt Helmut Timmermanns, IT-Fachmann vom Forschungszentrum Jülich. Aber die Hersteller hätten ein „Akustik-Management“, also einen Bereich, der sich um den Sound der Platte kümmere. Es gebe eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Lautstärke zu reduzieren. Dies sei nicht immer notwendig. „Jedes Summen eines Festplattenrekorders, der in einem Wohnzimmer steht, ist ärgerlich“, sagt Timmermanns. Doch bei Festplatten in Serversystemen könne man berechtigterweise die Lautstärke vernachlässigen.

          Dass zwei Festplatten mit der gleichen Drehzahl unterschiedlich laut seien, erklärt Timmermanns mit unterschiedlichen Ursachen für das Geräusch. Das Brummen oder Rauschen einer Festplatte kommt zunächst daher, dass sich die Platte nun mal drehe - in einem Notebook in der Regel mit 5400 Umdrehungen pro Minute. Auch wenn das Drehgeräusch hinreichend gedämpft ist, könne es dennoch zu Fiepen oder Surren kommen, wenn aufgrund des Gehäuses ein Resonanzraum entsteht. Wechselt nun Apple innerhalb einer Notebook-Serie den Festplatten-Hersteller, kann das dazu führen, dass sich die Lautstärke ändert. Doch der Qualitätskontrolle bei Apple sollte diese auffallen, sagt der Jülicher IT-Experte.

          Gravis bedauert den Vorfall

          Abermals mit dem Fall konfrontiert, zeigte Gravis Reue. Der Filialleiter bedauert den Vorfall. Es täte ihm leid, dass sein Mitarbeiter nicht angeboten habe, die Festplatte zu tauschen. Ein Grund für den fehlenden Hinweis könne sein, dass der Mitarbeiter nur kostenfreie Lösungen hätte anbieten wollen. Da eine laute Festplatte von Apple nicht als Garantiefall bewertet wird, hätte Meier auch bei Gravis das Samsung-Produkt bezahlen müssen. Allerdings hätte man ihm keine Arbeitszeit berechnet.

          Letztlich bleibt Kunden, die auf ein leises Notebook Wert legen, nur der Test im Laden. Sie müssen sich vor Ort das Notebook anschauen und -hören. Das empfiehlt sich schon, um auch Pixelfehler des Displays und andere Fehler vor dem Kauf zu entdecken. Und nach wie vor gilt: Kauft sich Meier das MacBook Pro bei einem Onlinehändler, kann er es aufgrund des Rückgabe- und Widerrufrechts ohne Angabe von Gründen zurückschicken. Dann kehrt das Geld und die Ruhe zurück.

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