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72 Regierungen, Firmen und Einrichtungen betroffen : Bislang größte Serie von Hacker-Angriffen entdeckt

  • Aktualisiert am

Serie von Hacker-Angriffen entdeckt: Cyber-Abwehrzentrum des amerikanischen Heimatschutzministeriums Bild: Reuters

Die amerikanische Firma McAfee hat die größte Serie von Hacker-Angriffen aufgedeckt. Opfer sind Regierungen, Organisationen und Unternehmen. Sicherheitsexperten veröffentlichten einen Bericht über 72 Fälle. Auch deutsche Wirtschaftsprüfer sind betroffen.

          Sicherheitsexperten haben die bisher größte Serie von Hacker-Angriffen auf Regierungen, Konzerne und Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) aufgedeckt. Auch ein deutsches Wirtschaftsprüfer-Unternehmen zähle zu den 72 Opfern der vergangenen fünf Jahre, teilte die Sicherheitsfirma McAfee am Mittwoch mit. Hinter den Attacken, die sich mit 49 Fällen vor allem gegen amerikanische Ziele richteten, stecke vermutlich ein Staat. McAfee benannte das verdächtige Land zwar nicht, Sicherheitsexperten spekulierten jedoch über China als Drahtzieher. Das Land ist in der Internet-Spionage sehr aktiv.

          Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn erklärte, es prüfe den Bericht. Zugleich warnte es private Nutzer erneut vor den Gefahren des Identitätsdiebstahls im Internet. Es riet dazu, Firewalls und Virenschutz-Software einzusetzen und regelmäßig zu aktualisieren. Der Branchenverband Bitkom forderte, die staatlichen Stellen müssten künftig noch enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten. Das kürzlich eröffnete Cyber-Abwehrzentrum müsse schnell ausgebaut werden, um im Krisenfall selbst eingreifen und umfassende Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

          „Entsetzt über die Dreistigkeit der Angreifer“

          McAfee erklärte, zu den Opfern des Langzeit-Angriffs zählten die Regierungen der Vereinigten Staaten, Taiwans, Indiens, Südkoreas, Vietnams und Kanadas. Außerdem hätten sich die Attacken gegen das UN-Sekretariat in Genf, die Organisation Südostasiatischer Staaten das Internationale Olympische Komitee und die Welt-Anti-Dopingbehörde gerichtet. Auch Unternehmen von Militär-Dienstleistern bis hin zu High-Tech-Firmen seien betroffen. Im Fall der Vereinten Nationen seien die Täter 2008 in das Computersystem der Organisation in Genf eingebrochen, hätten sich dort zwei Jahre lang verborgen gehalten und in aller Ruhe riesige Mengen geheimer Daten durchkämmt.

          „Sogar wir waren überrascht von der ungeheuren Vielfalt der Opfer und entsetzt über die Dreistigkeit der Angreifer“, schrieb der Vize-Präsident von McAfee für die Bedrohungsanalyse, Dmtri Alperovitch, in seinem 14-seitigen Bericht. Was mit den ganzen Daten geschehe, sei unklar. „Sollte allerdings nur ein Bruchteil davon genutzt werden, um bessere Konkurrenzprodukte zu bauen oder einen Wettbewerber bei Verhandlungen zu schlagen, dann bedeutet der Verlust einen massive wirtschaftliche Bedrohung“.

          Erste Angriffe reichen bis 2006 zurück

          McAfee deckte das Ausmaß des Angriffs im März auf, als Mitarbeiter bei der Untersuchung eines zentralen Steuerungsservers Protokolle der Attacken fanden. Auf den Server war das Unternehmen 2009 bei Ermittlungen zu einem Hacker-Angriff auf Rüstungsunternehmen gestoßen. McAfee taufte den Großangriff „Operation Shady RAT“, wobei RAT für „Remote Access Tool“ steht - eine Software, die aus der Ferne auf Computer-Netzwerke zugreifen kann. Die ersten Zugriffe reichen nach Angaben von McAfee zurück bis Mitte 2006. Einige Angriffe hätten lediglich einen Monat gedauert, der längste mit Unterbrechungen 28 Monate. Ziel sei das Olympische Komitee eines asiatischen Staates gewesen. Die Attacke auf das nicht näher bezeichnete deutsche Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen habe im September 2009 begonnen und mit Unterbrechungen zehn Monate gedauert.

          „Unternehmen und staatliche Behörden werden jeden Tag geplündert, sie verlieren wirtschaftliche Vorteile und Staatsgeheimnisse an skrupellose Konkurrenten“, sagte Alperovitch Reuters. „Dies ist der größte Vermögenstransfer in Form von geistigem Eigentum in der Geschichte. ... Das Ausmaß ist wirklich sehr, sehr erschreckend“. Alle 72 Opfer der Angriffe seien informiert worden, die Behörden ermittelten. Zu Details wollte sich Alperovitch nicht äußern.

          Kaum eine Firma entdeckt die Eindringlinge

          „Ich bin überzeugt, dass jede große Firma in jeder denkbaren Branche, die im Besitz wertvollen geistigen Eigentums und Geschäftsgeheimnissen ist, bereits erfolgreich angegriffen wurde oder bald wird“, sagte er. Kaum eine Firma entdecke jedoch die Eindringlinge oder den Schaden.

          Cyber-Experte Jim Lewis vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien vermutet China hinter den Attacken. Die Computersysteme des IOC und mehrerer nationaler olympischer Komitees seien im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking angegriffen worden, sagte er. McAfee, das seit diesem Jahr zu Intel gehört, wollte sich zur Frage des Täters nicht äußern. Das Unternehmen veröffentlichte den Bericht zum Start der „Black Hat“-Konferenz in Las Vegas, wo Sicherheitsexperten und Hacker, die sich die Sicherheit des Internets auf die Fahnen geschrieben haben, einmal im Jahr austauschen. Thema dieses Jahr dürften die jüngsten Angriffe auf Lockheed Martin, den Internationalen Währungsfonds, Citigroup und Sony sein.

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