50 Jahre Taschenrechner : Vorbote des Persönlichen Computers
- -Aktualisiert am
Ein Meilenstein: Gut erhaltener und funktionstüchtiger HP-35 im Museum des Informatikinstituts der Universität Stuttgart Bild: Verena Müller
Ohne Operator, ohne Lochkarten: Vor 50 Jahren kam der erste wissenschaftliche Taschenrechner auf den Markt. Er ist ein Meilenstein der Elektronik und Vorbote des Persönlichen Computers.
Zu den spannendsten Momenten der Technikgeschichte gehören jene Episoden, in denen die Tatkraft und Entschlossenheit des Einzelnen etwas auf den Weg bringt, was alle Welt für unmöglich oder nicht erfolgversprechend hält. Als Steve Jobs 2007 das erste iPhone präsentierte, behaupteten damalige Mitbewerber, ein solches Gerät könne nicht funktionieren. Sie meinten die Darstellung von Websites auf einem kleinen Display und die geschmeidige Bedienung mit der Fingerspitze. Die Geschichte ist bekanntlich anders ausgegangen.
Jahre zuvor spielte eine ähnliche Erfolgsgeschichte: Im eigenen Haus wollte man das Gerät nicht haben, das Marketing stellte sich quer und sprach von einem „Spielzeug“. Fachleute an der Universität rieten ebenfalls ab, aber der umtriebige Unternehmenschef setzte sich über alle Bedenken hinweg und brachte vor 50 Jahren den ersten wissenschaftlichen Taschenrechner auf den Markt, den HP-35. Das vermeintlich chancenlose Gerät wurde ein spektakulärer Erfolg und Meilenstein. Es berechnete Logarithmus, Exponentialfunktionen und trigonometrische Funktionen. Und das alles mit den Maßen von exakt 5,8 amerikanischen Zoll in der Länge und 3,2 Zoll in der Breite, das waren die Maße der Hemdentaschen von Bill Hewlett, und daher resultiert die Bezeichnung Taschenrechner.
Bill Hewlett, geboren 1913, gründete 1939 mit David Packard die Firma Hewlett-Packard, die zunächst zu einem der größten Hersteller von Test- und Messinstrumenten wurde. Den Taschenrechnern folgten Personalcomputer und Drucker.
Von Schreibmaschine zu Taschenrechner in nur vier Jahren
Der HP-35 ersetzte Rechentafeln und Rechenschieber sowie größere Computer wie etwa den wissenschaftlichen Rechner HP-9100A. Das war der erste Bolide, der 1968 als Personal Computer bezeichnet wurde, obwohl er mit einem PC im heutigen Sinne nichts gemeinsam hat. Die Bezeichnung resultierte daher, dass man an diesem Modell in der Größe einer Schreibmaschine erstmals direkt auf die Recheneinheit zugreifen konnte und nicht auf Umwegen über Lochkarten, die man zunächst dem Operator in einem Rechenzentrum übergab. Es arbeitete mit einem Magnetkernspeicher und konnte drei Zahlenreihen anzeigen, 1968 waren rund 4900 Dollar zu bezahlen.
Vier Jahre später hatten die Ingenieure von Hewlett-Packard das Gerät von der Schreibmaschinengröße auf ein Zehntel und damit aufs Taschenrechnerformat reduziert. Und nicht nur das: Auch die Geschwindigkeit wurde verzehnfacht und gleichzeitig die Herstellungskosten auf ein Zehntel gedrückt.
Der HP-35, die Ziffer im Namen ist die Zahl der Tasten, startete in den Vereinigten Staaten für 395 Dollar und kam noch 1972 nach Deutschland, er kostete rund 2000 Mark, in etwa ein damaliges Bruttomonatsgehalt. Direkt nach der Ankündigung begann der Ansturm auf das Gerät. Allein General Electric bestellte auf einen Schlag 20.000 Exemplare. Wider Erwarten war der HP-35 sofort ein Erfolg, und 1973 war der HP-35 der erste wissenschaftliche Taschenrechner, der im Weltall benutzt wurde, nämlich auf der amerikanischen Skylab-Weltraumstation.