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5-G-Netz : ARD und ZDF wollen im Mobilfunk mitmischen

  • -Aktualisiert am

Fallen zusätzlich zu den Rundfunkgebühren Übertragungskosten nach Mobilfunk-Tarifen an? Bild: dpa

Jenseits der Grundversorgung planen die öffentlich-rechtlich Anstalten eine erweiterte Übertragung im 5-G-Netz. Dadurch soll nicht nur ein nahtloser Übergang zwischen mobilem und stationärem Bildschirm ermöglicht werden.

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          Stammplatz Fernsehsessel, um 20 Uhr gongt die Tagesschau, eine Viertelstunde später legt der „Tatort“ los. Die Älteren unter uns kennen solche Fernsehgewohnheiten seit anno dazumal und pflegen sie manchmal sogar noch heute. Für die Jüngeren sind solche Rituale höchstens noch ein fernes Echo aus einer Zeit vor der digitalen Medienepoche. Mediatheken emanzipieren vom linearen Zeitraster nach Sendeplan, mobile Bildschirme machen dem stationären Großkaliber Konkurrenz, unterschiedliche Netze laufen in einem Endgerät zusammen.

          Deren Kombination probieren die Rundfunkanbieter vorerst nur mit Teillösungen aus – mit dem HbbTV-Standard etwa, der einfaches Umschalten zwischen klassischer Rundfunkübertragung und Web-Inhalten ermöglicht. Oder nach dem Vorbild des Abo-Senders Sky, dessen im Rundfunk-Modus ausgestrahlte Programme sich auf Tastendruck in die Pausenfunktion begeben, um anschließend, gespeist aus einer Internet-Verbindung, die Übertragung im gewünschten zeitlichen Abstand fortzusetzen.

          Dies alles wirkt archaisch im Vergleich zu Szenarien, an denen Medien-Infrastrukturplaner schon seit geraumer Zeit tüfteln. 5G, die nächste Generation des Mobilfunks, soll weit elegantere Übergänge zwischen linear übertragenen und interaktiven Inhalten oder zwischen mobilem und stationärem Bildschirm erlauben – am besten so, dass der Wechsel völlig nahtlos klappt und, sofern er auf demselben Bildschirm stattfindet, überhaupt nicht auffällt.

          Luxusbespaßung auf fahrerlosen Autobahnen?

          Medienanbieter jeglicher Provenienz, darunter auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wirken bereits in Standardisierungsorganisationen wie der 3GPP mit, um einen Teil dieser Zukunfts-Infrastruktur auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden, berichtet das Digitalmagazin c’t in seiner aktuellen Ausgabe und beruft sich auf Roland Beutler, der beim SWR das Fachressort Medientechnik und Programmverbreitung verantwortet. Beutler hat nicht nur den klassischen Fernseher, sondern auch das autonom fahrende Auto der Zukunft im Auge: Reisezeit in solchen rollenden Kabinen wird dann zur Freizeit – verfügbar für entspannten Medienkonsum über eingebaute Bildschirme. Wenn ein Netflix mit solchen Szenarien jongliert, erscheint das nur allzu plausibel.

          Der öffentlich-rechtliche Rundfunk aber leitet die Legitimation zur Eintreibung seiner steuerähnlichen Finanzierung aus einem Auftrag ab, der heute ohnehin schon anachronistisch wirkt: der Grundversorgung der Gesamtbevölkerung mit Nachrichten und Unterhaltung. Umfasst diese Mission nun auch die Mitgestaltung künftiger Digitalnetze und die Luxusbespaßung auf fahrerlosen Autobahnen? Die Medienregulierung wird noch reichlich Gelegenheit haben, zu diesen Fragen Positionen zu entwickeln. Vorschnelle Urteile aber sind nicht hilfreich, denn man muss wissen: 5G ist nicht einfach eine neue Mobilfunk-Variante, die nun für Rundfunkmedien als weiterer Übertragungsweg angepeilt wird – zusätzlich zur Verbreitung von Programmen über terrestrisches DVB-T2, Kabel und Satellit.

          5G steht für eine umfassende digitale Infrastruktur, die auch Broadcast-Funktionen einschließt, also die gleichzeitige Verbreitung von Inhalten an viele Empfänger neben individuellen, interaktiven Unicast-Verbindungen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen: Was heute noch terrestrisches Fernsehen heißt, wird in absehbarer Zeit Teil der 5-G-Welt sein. Die aktuellen Zuteilungen der DVB-T2-Freqzenzen haben eine Laufzeit bis 2030. Diese Ressourcen werden dann voraussichtlich für den 5-G-Betrieb umgewidmet. Einen Innovationspfad, der DVB-T2 zu einem DVB-T3 weiterentwickeln würde, kann sich derzeit niemand vorstellen. Wer aber kontrolliert dann die Netze? Wie bisher vor allem die großen Mobilfunkunternehmen? Und wie sehen dann Geschäftsmodelle aus, fallen dann zusätzlich zu den Rundfunkgebühren Übertragungskosten nach Mobilfunk-Tarifen an?

          Das wäre eine Vorstellung, die sich aus gegenwärtigen Usancen speist. In der 5-G-Zukunft werden auch Verticals eine bedeutende Rolle als Betreiber spielen – das sind Industriegruppen mit gemeinsamer Wertschöpfungskette ebenso wie Medienhäuser. Denkbar ist zum Beispiel, dass der Rundfunk eigene 5-G-Infrastrukturen betreibt, ähnlich, wie er es heute schon im Mix mit privat betriebenen Netzen tut. Testläufe für solche Szenarien gibt es schon, und dabei wird es nicht bleiben.

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