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Die Tücken der Elektroräder : Manchmal piepst es, manchmal nicht

  • -Aktualisiert am

Bild: Hans-Jörg Brehm

Ein Elektrofahrrad ist nicht bloß ein Fahrrad, dem ein Elektromotor angebaut wurde. Das müssen nicht nur die Benutzer lernen, sondern auch die Händler.

          8 Min.

          Es heißt, ein Elektrofahrrad zaubere seinem Benutzer ein Lächeln ins Gesicht. Dieser Allgemeinplatz war zwar ursprünglich Werbung, aber es ist schon etwas Wahres an ihm dran. Vor allem die Kerngruppe der Käufer von E-Bikes - das sind über einen breiten Altersquerschnitt hinweg Nicht- oder genauer gesagt Nicht-mehr-Radfahrer - reagiert erfreut, um nicht zu sagen euphorisch auf den motorischen Anschub. Nach Jahren der Abstinenz erleben sie eine neue, nicht für möglich gehaltenes Leichtigkeit des Radelns.

          Das ist die gute Nachricht, auf deren Grundlage in diesem Jahr in Deutschland wahrscheinlich mehr als eine Viertelmillion Elektrofahrräder verkauft werden. Die meisten davon sind mit dem Kunstwort „Pedelec“ klassifizierbar: Sie sind zulassungsfrei und haben einen Motor mit einer Nennleistung von 0,25 kW; mit maximal dieser unterstützen sie den nicht zum Tragen eines Helms verpflichteten e-Mobilisten bis zu einer Grenzgeschwindigkeit von 25 km/h. Unterstützen heißt: Tritt der Elektroradfahrer nicht in die Pedale oder überschreitet das Fahrzeug die Grenzgeschwindigkeit mit Muskelkraft, darf der Motor sich nicht (oder nicht mehr) einschalten.

          Chinesische Billigräder aus dem Baumarkt

          Prinzipiell ist das Gesagte zwar richtig, aber tatsächlich ist es eine ungeheuerliche Versimpelung. Es gibt nicht nur wesentlich stärker motorisierte E-Bikes, die schneller sind und mit Versicherungskennzeichen wie ein Ölfahnen-Moped dies auch sein dürfen, sondern auch solche, die ganz ohne Muskelkraft fahren können. Kenntnisreiche Käufer beschäftigen mehr als die Vielfalt von Front-, Mittel oder Hinterradnabenmotor zum Beispiel Fragen wie diese: Setzt die Unterstützung des E-Motors ein, sobald ein Sensor (egal, wo er sich befinden mag, am Tretlager oder an der Hinterachse) Druck auf einem Pedal erspürt? Oder müssen sich Räder und/oder Pedale lediglich wie kraftlos ohne Kettenzug bewegt drehen? Und wenn ja, wie schnell, damit der Motor sich meldet, und wie, bitte schön, tut er das dann? Mit sportlichem Bumms oder so sanft wie der ebenfalls zum Topos einspuriger e-Mobilität gewordene „eingebaute Rückenwind“?

          Ungefähr an dieser Stelle wird die erste schlechte Nachricht in Umrissen erkennbar: Es gibt nicht das Elektrorad, und es gibt nicht nur verschiedene Kategorien von Elektrorädern, sondern innerhalb dieser Fahrzeugklassen gibt es alles Mögliche, aber auch eher Unmögliches. Da wären etwa die Offerten im Baumarkt, die mit unter 700 Euro für ein Elektrorad aus China die für einheimische Produkte gängigen Preise um zwei Drittel unterbieten. Da sind dann schon mal Akkus mit Koaxialsteckerbuchsen zum Laden dran. Die kann man mit ziemlich unangenehmen Folgen kurzschließen, wenn man im Dunkeln mit dem Schlüssel an der falschen Stelle herumprobiert.

          Liebloser Umgang wie beim simplen Fahrrad

          Es gibt auch schlicht Widersinniges: Ein als Fahrrad zulassungsfreies Pedelec muss den deutschen Vorschriften entsprechend einen Dynamo für die Beleuchtungsanlage haben. Praktisch bedeutet das beispielsweise, dass im Falle eines Frontmotors im Vorderrad an das knapp zweitausend Euro teure Fahrzeug ein kreischender Seitenläufer mit all seinen Nachteilen geschraubt werden muss. Dass im Akku genug Strom fürs Licht auch dann noch verbleibt, wenn die Steuerungselektronik den Motor abschaltet, um den Akku nicht zu stark zu entladen, tut nichts zur Sache. Man könne das Rad schließlich auch ohne Akku und Motor mit Muskelkraft fahren, wird argumentiert. Richtig, aber genau dasselbe ist auch bei einem als Leichtkraftrad mit elektrischem Antrieb (Fahrzeugklsse L1e) zugelassenen schnellen E-Bike mit Versicherungskennzeichen der Fall. Doch das erlangt seine Zulassung ohne Dynamo, schließlich haben Leichtkrafträder mit Verbrennungsmotor auch keinen, sondern bauartbedingt eine Lichtmaschine an Bord.

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