https://www.faz.net/-gy9-9nux5
Frank-Holger Appel (hap.)

Elektromobilität : Tod der günstigen Autos

  • -Aktualisiert am

Wenn die Politik die Automobilität mit Macht in Richtung Elektro treibt, dann muss jedem Kunden klar sein oder klargemacht werden, was das bedeutet. Die unteren Fahrzeugklassen sterben aus.

          1 Min.

          Die SPD zerlegt sich, die große Koalition wankt. Und die Grünen kommen in Umfragen auf 25 Prozent. Sie haben freilich eine komfortable Position, im Bund können sie aus der Opposition Maximalforderungen stellen, ohne liefern zu müssen und sich um die Kosten zu scheren. Was heute en vogue ist und verfängt, muss nämlich morgen jemand bezahlen. Oder, um es an der Urne festzumachen: Am Sonntag wählen und am Montag die Konsequenzen ignorieren, das klappt nicht.

          Wenn die Politik die Automobilität mit Macht in Richtung Elektro treibt, dann muss jedem Kunden klar sein oder klargemacht werden, was das bedeutet. Die unteren Fahrzeugklassen sterben aus. Immer rigidere Abgasvorschriften und auch die bisweilen nicht minder überzogen anmutenden Vorgaben für Assistenzsysteme machen Einstiegsmodelle vom Schlage eines VW Up, Renault Twingo, Fiat 500 oder Peugeot 108 unrentabel. Opel mit dem Adam und Smart mit seinem Offenbarungseid haben schon kapituliert. Womöglich erwischt es sogar eine Klasse darüber, in der VW Polo oder Ford Fiesta zu Hause sind. Stattdessen werden elektrische Modelle ins Angebot rücken (müssen), was an sich eine gute Nachricht ist, denn wo, wenn nicht in der Stadt, entfaltet Elektromobilität ihren Sinn?

          Nur hat der Weg seinen Preis. Gerade hat Opel angekündigt, den elektrischen Corsa im Frühjahr 2020 zu bringen, von 29.900 Euro an. Der verstromte Peugeot 208 wird ebenso viel kosten. Der Volkswagen-Konzern stellt elektrische Varianten von VW Up, Škoda Citigo und Seat Mii für 2020 in Aussicht, die Kleinstwagen werden wohl um 20.000 Euro kosten. Jeweils zuzüglich erforderlicher Wallbox für etwa 2000 Euro und minus staatlicher Förderung. Zum Vergleich: Mit Benzinmotor ist der VW Up von 11.000 Euro an zu haben. Man mag Ölverbrauch herausrechnen und das Akkuleben rein, genau kriegt man das nicht hin. Unzweifelhaft wird der Start in die neue Mobilität deutlich teurer.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Toyota RAV4 Video-Seite öffnen

          F.A.Z. Fahrbericht : Toyota RAV4

          Der 1994 vorgestellte RAV 4 hatte permanenten Allradantrieb mit einem Differential in der Mitte. Damit wurde er zur Mutter der SUV‘s. Was das neueste Modell zu bieten hat zeigt unser Fahrbericht.

          Topmeldungen

          Corona-Teststation auf der Insel Ibiza

          Neues Corona-Medikament : Die Herbstzeitlose gibt Hoffnung

          In einer großen Covid-19-Studie soll der Pflanzenwirkstoff Colchicin überzeugt haben. Mit ihm wäre ein leicht verfügbares und preiswertes Mittel im Kampf gegen die schweren Krankheitsverläufe gefunden.
          Apple-Chef Tim Cook (links) und Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Die beiden Konzerne liefern sich zurzeit einen Streit über die mögliche Nachverfolgung von Nutzern (Tracking).

          Gewinner der Corona-Krise : Starkes Wachstum bei Apple und Facebook

          Apple übertrifft dank neuer iPhones alle Erwartungen, am stärksten legte allerdings ein anderes Produkt zu. Auch Facebook beschleunigt sein Wachstum, spricht jedoch von „erheblicher Unsicherheit“. Und Mark Zuckerberg leistet sich Seitenhiebe auf Apple.
          Tesla-Chef Elon Musk

          Bilanz der Tech-Konzerne : Gemischtes Bild bei Tesla

          Zwar weist Tesla erstmals in seiner Geschichte einen Jahresgewinn aus, dennoch bleibt der Elektroautohersteller – anders als Apple und Facebook – hinter den Erwartungen zurück. Für das kommende Jahr hat der Konzern große Pläne.

          Vendée Globe : Herrmann kollidiert mit Fischerboot – Dalin als Erster im Ziel

          Bei der härtesten Segelregatta der Welt überfährt Charlie Dalin als Erster die Ziellinie. Und dennoch ist der Franzose wohl nicht Sieger der Vendée Globe. Boris Herrmann entgeht auf der Jagd nach dem Podium nur knapp einer Katastrophe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.