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Schlusslicht : Der Markt ist closed

Mini hat diese Woche seine Vision mobiler Zukunft gezeigt, eine Art rollender Toaster mit Bionade-Bar. Bild: BMW

Der Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik muss umgewidmet werden. Und auch die Stiftung Deutsche Sprache sollte endlich with the time gehen.

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          Der nächste Ludwig-Erhard-Preis wird aufgeteilt werden müssen, auf die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg und die Bundesregierung. Anfang der Woche ließen die Banker wissen, der Aufschwung des Elektroautos sei erfreulich, verfehle ohne weitere Staatshilfe aber die politisch verordneten CO2-Ziele. Also müsse die im Vergleich zu Benzin niedrigere Steuer auf Diesel – vulgo: Dieselsubvention – erhöht werden. Das Geld wird gebraucht, laut LBBW soll es in öffentliche Ladesäulen gesteckt werden. An die Dieselsteuer traut sich die Regierung noch nicht, vermutlich wegen der Versorgung des Volks durch Lastwagen, aber auf den Ausbau der Ladepunkte und die Verlängerung der Kaufprämie stimmte sie Mitte der Woche ein, und so entsteht Europas schönstes Elektroautoparadies. Anschaffung des Autos: 10.000 Euro Zuschuss. Die Ladestation daheim: 900 Euro Zuschuss. Ladestation an der Straße: aus der öffentlichen Hand. Es soll Menschen geben, die glauben, Deutschland habe seinen Wohlstand so weit erfolgreich auf der Sozialen Marktwirtschaft aufgebaut. Markt? Hat der nicht eh zu? Wenn Roland Koch das Amt in der Erhard-Stiftung antritt, muss er den Preis halt umwidmen für Verdienste um die soziale Staatswirtschaft.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Apropos Preis, der Jacob Grimm Kulturpreis Deutsche Sprache kann nur an die Marketingfachkräfte von Mini gehen. Der Autohersteller hat diese Woche seine Vision mobiler Zukunft gezeigt, eine Art rollender Toaster mit Bionade-Bar. Die Strategen lassen zum Urbanaut genannten Gefährt wissen, „Mini steht seit jeher für Clever Use of Space“, der hier „durch konsequente Purpose built-Auslegung“ besonders zur Geltung komme, weil „die Grundfläche im Innenraum in Relation zum Footprint komplett neu“ gedacht sei. Der Fahrerbereich werde „zum sogenannten Daybed“ und „die im Stand nach oben öffnende Frontscheibe ein Street Balcony“. Dahinter befinde sich die „Cosy Corner“, bedienen lasse sich das alles wunderbar über „dezente User-Interface-Lösungen“.

          Wollen wir jetzt etwa noch über Fußball reden? Lieber nicht, es soll ja ein schöner Sonntag bleiben.

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