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Schlusslicht : Der Kampf ist eröffnet

„Klimafreundliche Verkehrsmittel müssen klar bevorzugt werden.“ Bild: dpa

Alle Welt ist verrückt nach Fahrrad: 2700 Kilometer zusätzliche Radwege in unseren Städten - das ist doch toll. Zwar nicht für jeden, aber für die Verkehrswende müssen Opfer gebracht werden.

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          Komische Zufälle entscheiden manchmal über das Zustandekommen eines Schlusslichts. Da radelt doch, beim Blick durchs Fenster hinunter auf die Straße, während das Mahlwerk des Kaffeeautomaten krächzt, ein Mann mittleren Alters ins Bild, sehr aufrecht sitzend. Zum sandfarbenen Anzug trägt er ein rosafarbenes Hemd, rehbraune Schuhe, kunterbunt gestreifte Socken und einen Strohhut. Donnerwetter, geht es einem durch den Kopf, ein ganz besonderer Radfahrer.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Was soll daran besonders sein?, fragen Sie jetzt vielleicht. Nun, der Mann radelte auf der richtigen Straßenseite, hatte kein Smartphone in der Hand, stoppte an der roten Ampel und gab beim Abbiegen ein Handzeichen. Da staunen Sie, was?

          Das sieht man nicht alle Tage. Neulich meldete sich mal wieder der „Automobilclub Mobil in Deutschland“ zu Wort, eine Organisation, die alles durch die Autofahrerbrille zu betrachten scheint, und teilte mit, er schätze die Zahl der Rotlichtverstöße durch Radfahrer in Deutschland auf 25.000 täglich. Uns scheint die Zahl völlig aus der Luft gegriffen zu sein. Dass es so wenige sind, können wir uns nicht vorstellen.

          Greenpeace, keine Organisation, die zur Betrachtung durch die Autofahrerbrille neigt, kann sich vorstellen, bis 2024 in 30 deutschen Städten insgesamt 2747 Kilometer Autospuren in geschützte Radwege umzuwandeln. Das koste nur rund eine Million je Kilometer, heißt es in einer Studie, die unter Ankündigung weiterer Demonstrationen veröffentlicht wurde: „Klimafreundliche Verkehrsmittel müssen klar bevorzugt werden.“

          Ob unfreundliches Klima, das uns in den kommenden Monaten bevorsteht, die allgemeine Radfahrbegeisterung vorübergehend etwas abkühlen wird? Vielleicht, vielleicht nicht. Wir jedenfalls, versprochen, werden berufspendelnd den Winter durchradeln. Wie seit 20 Jahren. Aber der mit dem Hut muss sich bald etwas anderes zum Anziehen besorgen.

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