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Der Jurist antwortet : Dürfen Radfahrer eigentlich alles?

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Dürfen Radfahrer nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie auf der Straße fahren?

Grundsätzlich ja, es sei denn, der Radweg ist mit einem der blauen Schilder beschildert. Dann muss ihn der Radfahrer laut § 2 Abs. 4 Satz 2 der StVO auch benutzen. Wer trotzdem auf der Straße erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 15 Euro rechnen. Kommt eine Behinderung hinzu, sogar mit 20, bei Sachbeschädigung noch einmal zehn mehr.

Ein Autofahrer kommt aus einer Ausfahrt und übersieht einen Radfahrer, der entgegen der Fahrtrichtung auf dem Radweg unterwegs ist. Es kommt zum Zusammenstoß. Wer ist schuld?

Wer als Radfahrer in entgegengesetzter Richtung auf einem neben der Straße verlaufenden Radweg fährt, den trifft beim Unfall erhebliches Mitverschulden. Das entschied das Saarländische Oberlandesgericht Saarbrücken (Az.: 3 U 244/03-25). Diese Fahrweise sei jedenfalls dann als grober Verkehrsverstoß zu werten, wenn sich auf der anderen Fahrbahnseite ein eigener Radweg für die entgegengesetzte Fahrtrichtung befinde, begründeten die Richter ihr Urteil.

Ein Autofahrer steht mit der Hälfte seines Wagens auf einem Radweg, um jemanden aussteigen zu lassen. Ist das erlaubt?

Nein. Die Benutzung eines Radwegs ist Autofahrern verboten. Es kommt dabei nicht darauf an, ob man darauf gefahren ist, kurz angehalten oder sogar geparkt hat. Das Verwarnungsgeld beträgt nach Nr. 140 BKatV 10 Euro. Wer auf einem Radweg parkt, muss immer damit rechnen, abgeschleppt zu werden. Dies ist selbst dann möglich, wenn keine wirkliche Behinderung vorliegt und die Radfahrer ohne Verlassen des Weges am Hindernis vorbeifahren können. Es reicht aus, dass bei schlechter Sicht oder in nahender Abenddämmerung bei einem Überholmanöver eines Fahrradfahrers ein Unfall passieren könnte, entschied das Verwaltungsgericht Berlin (A 40/99).

Ein Autofahrer nähert sich einem Zebrastreifen. Kein Fußgänger ist zu sehen, plötzlich überquert ein Fahrradfahrer auf dem Zebrastreifen. Ist das erlaubt?

Laut Straßenverkehrsordnung sind nur Fußgänger und Rollstuhlfahrer am Fußgängerüberweg bevorrechtigt. Fußgänger sind aber auch Personen, die ihr Fahrrad schieben oder wie einen Roller benutzen, urteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf (5 Ss (OWi) 39/98). Auf dem Fahrrad fahrend ist man auf dem Zebrastreifen nicht bevorrechtigt, entschied das Oberlandesgericht Hamm (13 U 219/91).

Ein Autofahrer biegt rechts ab und schneidet dabei einen Radfahrer. Welche Konsequenzen drohen?

Abbiegen, ohne zuvor auf den nachfolgenden Verkehr geachtet zu haben (Nr. 35 BKatV), zieht ein Verwarnungsgeld von 10 Euro nach sich, im Falle einer Gefährdung 30 Euro, bei Sachbeschädigung 35 Euro.

Ein Fahrradfahrer schlängelt sich durch einen Stau und zerkratzt dabei mit dem Pedal den Kotflügel eines Autos. Wer haftet für den Schaden?

Der Fahrradfahrer. Derjenige, der einen Unfall verursacht hat, ist dem anderen zum Schadenersatz verpflichtet. Zu 100 Prozent erhält man den Schaden aber nur dann ersetzt, wenn der Unfall ein sogenanntes unabwendbares Ereignis darstellt. Dieses liegt immer dann vor, wenn der Unfall für einen sogenannten Idealfahrer, der mit äußerster Sorgfalt und Umsicht fährt, nicht zu verhindern war.

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