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Debatte : Datenverlust

  • -Aktualisiert am

Der Einzelne hat die Hoheit über seine Daten verloren. Das Bauchgefühl war richtig, ebenso das Misstrauen gegenüber Big Data und den Praktiken von Google und Facebook.

          In der Debatte über den Datenschutz gab es bislang zwei Fraktionen. Die einen, die ein wenig alarmistisch und oft viel zu laut den Finger in vermeintliche Wunden legten. Und die anderen, die beschwichtigten und als Stimme der Vernunft auftraten. Klagten die einen, dass eine App unverhältnismäßig viele Zugriffe auf die Daten der Kunden einfordere, erklärten die anderen, warum man diese Rechte zwingend benötige. Meist hörte sich das alles sehr plausibel an, Aufklärung statt Panikmache und Bauchgefühl.

          Zumindest beim Thema Datenschutz wendet sich nun das Blatt. Jeden Tag ein neuer Skandal. Und der Tenor ist stets: Wo Daten abgegriffen werden, werden sie auch genutzt. Nicht im Sinne der Kunden, sondern heimlich, missbräuchlich. Der versprochene Nutzwert mancher Software ist nur eine Fassade. Tatsächlich geht es um die Datensammlung und -aufbereitung sowie deren Verkauf und Monetarisierung. Nun stellt sich außerdem die gebetsmühlenartig vorgetragene Meinung, dass dieser oder jene Dienst die Daten nur anonymisiert und zu statistischen Zwecken weitergebe, als plumpe Schutzbehauptung heraus: Schon mit drei, vier Merkmalen gelingt die De-Anonymisierung, also die Zuordnung zu einer einzelnen konkreten Person.

          Die Fraktion der Schönredner steht dumm da. Sie hat jahrelang das Credo einer dubiosen Industrie nachgeplappert, deren Tun zumindest in Deutschland rechtswidrig ist. Deshalb wird von vornherein aus dem Ausland operiert. Das Aufbrechen dieser Strukturen scheint indes kaum noch möglich. Auch sind individuelle Ratschläge zur Datensparsamkeit meist nur gut gemeint. Schon hat der Einzelne die Hoheit über seine Daten verloren. Das Bauchgefühl war richtig, ebenso das Misstrauen gegenüber Big Data und den Praktiken von Google und Facebook. Die digitale Welt muss bunt, frei und pluralistisch bleiben. Sie wird jedoch zunehmend schwarz.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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