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Michael Spehr (misp.)

Kommentar : Das Problem mit den Elektro-Tretrollern

  • -Aktualisiert am

Wer gern sportlich unterwegs ist, sieht beim Fahrradhändler seines Vertrauens neuerdings einen elektrischen Tretroller neben dem anderen. Darf man damit einfach so fahren?

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          Wie sich der Mensch in der Großstadt bewegt, das meinen Stadtplaner seit vielen Jahrzehnten ganz genau zu wissen: nicht mehr mit dem Auto, sondern mit Bus und Bahn. Deshalb gibt es in Neubaugebieten kaum noch Parkplätze. Dass Realität und Wirklichkeit auseinanderdriften, irritiert die Planer nicht im mindesten. Aber seit je wollen die Menschen individuell mobil sein. Das ist gelebte Freiheit. Wer nach neuen Wegen sucht und gern sportlich unterwegs ist, sieht beim Fahrradhändler seines Vertrauens neuerdings einen elektrischen Tretroller neben dem anderen, meist asiatischer Provenienz. Sie sind klein und leicht, Kostenpunkt: 300 bis 600 Euro. Klappt man Lenkergabel und Trittbrett zusammen, lassen sie sich bequem transportieren. So scheint es jedenfalls.

          Auf den ersten Blick ist ein solcher Elektroscooter kaum vom Kinderroller zu unterscheiden, wenngleich die Gabel deutlich voluminöser gerät, denn in ihrem Innern steckt der Akku. Auch das Gewicht verdient Beachtung. Wiegt ein herkömmlicher Radelrutsch fürs Kind keine drei Kilogramm, sind die Elektroflitzer kaum unter zehn Kilogramm zu haben. Die Idee, mit dem motorisierten Flachbrett irgendwohin zu düsen, um es dann auf den letzten Metern lässig auf der Schulter oder in der Hand zu transportieren, hat sich damit schon erledigt.

          Dass die kleinen Elektroroller bis zu 30 Kilometer weit und bis zu 20 km/h schnell fahren, wird man gern glauben. Die Tücke liegt jedoch im Detail: Es ist die fehlende Straßenzulassung. Eine solche Zulassung sei „nicht nötig“, schreibt uns ein deutscher Importeur, „da die Scooter bei 25 km/h abriegeln und somit keine behördliche Relevanz besteht.“ Der Roller könne „wie ein Fahrrad genutzt werden“.

          Das alles ist leider falsch. Ohne Zulassung keine Fahrt auf öffentlichen Straßen. Es gibt Elektro-Tretroller mit einer solchen Zulassung. Die haben aber mit den Kinderrollern wirklich nichts mehr gemeinsam, sind groß, wuchtig, schwer, haben zwei Rückspiegel, Beleuchtung samt Bremslicht und natürlich eine Hupe. Sicherheit geht vor. Es fehlt ihnen aber der Charme der Leichtigkeit.

          Was bleibt? Die Idee, dass ein kleiner Elektroscooter lange Fußwege verkürzt und damit die Mobilität in der Stadt ein bisschen einfacher macht, ist faszinierend. Viel Unfug kann man mit diesen Leichtgewichten nicht anstellen. Aber Polizisten reagieren auf solche Gefährte zunehmend sensibel, wie es heißt. Die Polizei kann den Roller sicherstellen und unbrauchbar machen. Der fehlende Versicherungsschutz kann als Straftat verfolgt werden. So bleibt die Freude am Fahren auf den privaten Grund beschränkt. Wer ein großzügiges Anwesen sein eigen nennt, kann zu Hause immerhin mit dem Elektroscooter die Sonntagszeitung vom Briefkasten holen.

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          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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