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Neuer Mercedes-e-SUV : 408 PS und in 40 Minuten geladen

Ein der A-Klasse nicht unähnlicher SUV mit Elektroantrieb: der neue Mercedes „EQC“ Bild: EPA

Es ist zwar nicht der Elektro-Erstling von Mercedes. Schon 1972 gab es einen Kleinbus als Prototypen, 35 Jahre später kam der Smart auf den Markt. Aber der nun vorgestellte SUV mit zwei Elektromotoren verspricht mehr.

          Das mit Spannung erwartete 4,76 Meter lange SUV ist der erste von zehn Stromern, die Daimler bis 2022 auf den Markt bringen will. Gebaut wird er in Bremen – und später auch in Peking. Der Kunde dürfe sich auf einen echten Mercedes freuen, versprechen die Verantwortlichen, es gebe keinerlei Abstriche im Vergleich mit einem konventionellen Fahrzeug, eher im Gegenteil.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zwei Elektromotoren treiben je eine Achse an, ein ausgeklügeltes Management sorge dafür, dass die Leistung, die maximal 300 kW (408 PS) beträgt, immer dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Dabei beträgt die Höchstgeschwindigkeit mit Rücksicht auf die Reichweite 180 km/h.

          Die Batterie liegt im Unterboden und hat eine Kapazität von 80 kWh, der EQC ist ein vollwertiger Fünfsitzer mit einem Kofferraumvolumen von 510 Liter. Geladen sind die Akkus an einer entsprechenden Ladesäule in nur 40 Minuten zu 80 Prozent, geladen werden kann mit bis zu 110 kW. Die Reichweite beträgt nach der alten NEFZ-Norm 450 Kilometer, nach dem neuen WLTP-Standard, der auch für E-Fahrzeuge gilt, sind es noch 400 Kilometer. Dass rein rechnerisch die offiziellen 22,2 kWh Stromverbrauch auf 100 Kilometer nicht für 450 Kilometer reichen, liegt daran, dass dieser Wert auch die unabdingbaren Ladeverluste mit einkalkuliert. Diese Verluste, die bei einem induktiven (berührungslosen) Laden noch größer werden, haben die Mercedes-Benz-Ingenieure veranlasst, induktives Laden vorerst nicht anzubieten. Ganz abgesehen von den zusätzlichen Kosten.

          Die Batterie ist flüssigkeitsgekühlt, sie kann im Winter auch beheizt werden und sie hat 384 Zellen, von denen jede einzelne separat überwacht wird. Fällt eine aus, streikt die gesamte Batterie. Satte 600 Kilo wiegt sie, weitere 50 Kilo entfallen auf einen Hilfsrahmen und Deformationselemente, die dem Schutz der Batterie bei einem schweren Crash dienen. Auch die Front der Batterie ist gesondert geschützt, so dass auf der Straße liegende und hochgewirbelte Äste oder Werkzeug, möglichst keinen Schaden verursachen. Sollte doch ein mechanischer Defekt auftreten, ist die Batterie sofort „vom Netz“ und von ihr gehe keine Gefahr mehr aus, heißt es.

          Qualifiziert als Zugfahrzeug

          Wie bei jedem Elektro-Auto liegt das maximale Drehmoment sofort an, es beträgt 765 Newtonmeter, und damit qualifiziert sich der EQC als Zugfahrzeug. Ergo gibt es auch eine Anhängerkupplung als Sonderausstattung, und an den Haken dürfen 1,8 Tonnen. In Stuttgart glaubt man aber weniger an eine Karriere des EQC als Zugfahrzeug, sondern man denkt eher an die vielen Fahrradfahrer, die ihr Bike mitnehmen wollen und dafür einen Träger auf die Anhängerkupplung setzen.

          Daimler-Chef Dieter Zetsche vor dem neuen e-SUV von Mercedes

          Die Elektromotoren arbeiten asynchron, theoretisch und praktisch könnte einer allein das Fahrzeug antreiben, sollte einer ausfallen. Wenn trotz aller Intelligenz, die Mercedes-Benz in den Wagen gepackt hat, das SUV einmal ohne Saft liegen bleibt, kann er ohne weiteres abgeschleppt werden. Doch soweit soll es nie kommen. Das Energie-Management ist auf höchstmögliche Effizienz ausgelegt, das Rekuperieren, also das Zurückspeisen der Energie bergab oder beim Bremsen, kann in fünf Stufen verstellt werden. In der niedrigsten Stufe muss in der Regel nicht mehr gebremst werden, so stark verzögert der Wagen dann.

          Das Design bietet auf den ersten Blick keine großen Überraschungen, wenn auch die Designer vollmundig vom ersten Elektro-Fahrzeug mit einem eigenen Design-Ausdruck sprechen. Doch das ist ein wenig übertrieben. Der EQC ist ein hübsch gezeichnetes SUV mit einem Hauch SUC (Sport Utility Coupé). Die Front ist noch das außergewöhnlichste, es dominiert eine große schwarze Fläche (neudeutsch Black Panel), die beiden Scheinwerfer sind mit einem Lichtband verbunden (die Heckleuchten ebenfalls), und es gibt noch einen Grill. Das sei eine bewusste Entscheidung  gewesen, weil ein Auto ein Gesicht brauche. Das Beleuchten des großen Mercedes-Sterns in der Front  mag für manchen zu viel des Guten sei – vor allem im Dunkeln.

          19 bis 21 Zoll große Räder sorgen außerdem für einen entsprechenden Auftritt. Im Innenraum erinnert vieles an die brandneue A-Klasse, es gibt also auch hier den riesigen Widescreen, ein klassischen Armaturenbrett wäre wohl auch völlig fehl am Platz. Die Lüftungsdüsen sind aber nicht rund, sondern eckig, alles wirkt sehr hochwertig und wie heute üblich wird viel mit indirekter Beleuchtung gespielt.

          Selbstverständlich bietet der EQC alle gängigen Assistenzsysteme und das neue MBUX-System an. Letzteres erlaubt unter anderem, direkt mit dem Wagen zu sprechen. „Scheibenwischer an“ zum Beispiel oder „Lade die Batterie so, dass Sie bis 8 Uhr morgens zu 80 Prozent voll ist“. Nur darf man dann das Einstecken des Kabels nicht vergessen.

          Zum Preis machte Mercedes-Benz noch keine Angaben, es ist aber gewiss mit 80.000 Euro zu rechnen. Bis die ersten Autos in den Handel kommen, dauert es aber noch bis Sommer 2019. Auch bestellt werden kann noch nicht. Es ist also Geduld gefragt.

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