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DAB+ : Das Inselradio

  • -Aktualisiert am

Digitalradio-Empfang: Ausbau des Sendernetzes Bild: F.A.Z.

Das Digitalradio ist mit einer neuen Plus-Version gestartet. Wieder einmal soll das alte UKW-System abgelöst werden. Aber es gibt Zweifel.

          5 Min.

          Die ganze Medienwelt tickt heute digital. Die ganze? Nicht wirklich: Eine resistente kleine Analog-Insel trotzt wacker der Modernisierung. Sie hört auf den Namen UKW-Radio und erblickte im Jahr 1951 als „Welle der Freude“ das Licht der deutschen Medienlandschaft. Aber nun soll eine digitale Alternative dem angejahrten Dampfradio ernsthaft Konkurrenz machen, es in absehbarer Zeit sogar ersetzen. Sein Technik-Kürzel DAB+ steht für handfeste Vorteile; eine konzertierte Anstrengung der Sender soll dem Übertragungsverfahren zum Durchbruch verhelfen. Hat die Initiative Aussicht auf Erfolg? Lohnt es sich, in passende Empfangsgeräte zu investieren?

          Michael Spehr
          (misp.), Technik & Motor, Wirtschaft

          Dass viele Branchenbeobachter da so ihre Zweifel hegen, kann man ihnen nicht verdenken. Denn alle bisherigen Versuche, den Hörfunk zu digitalisieren, hatten den Charme von Pleiten, Pech und Pannen. Dabei fing alles so schwungvoll an: Kaum hatte sich die CD als erstes digitales Medienformat etabliert, setzten die Rundfunktechniker nach. In der europäischen Forschungsinitiative „Eureka 147“ begannen sie im Jahr 1987, die Grundlagen für die digitale Übertragung zu entwickeln.

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          Dabei schufen sie Bahnbrechendes: Aus den Entwicklungsarbeiten für effiziente digitale Tonkodierungen ging auch jenes Verfahren hervor, das später als MP3 eine Weltkarriere hinlegte. Und das Funk-Modulationsverfahren OFDM, technisch ein Kernelement des digitalen Radios, zählt heute auch zu den Schlüsselingredienzen von DVB-T, W-Lan, Mobilfunk, Bluetooth und sogar vom DSL-Datenverkehr. Denn OFDM verteilt die digitale Information wie ein Salzstreuer auf eine Vielzahl sehr schmaler Frequenzbänder, damit Übertragungsstörungen möglichst nur einen kleinen, mathematisch reparablen Abteil des gesamten Datenstroms betreffen. Das macht das Verfahren besonders robust.

          Aber der Weg von der schönen Theorie zur gelebten Medienpraxis erwies sich im Fall des Hörfunks als steinig. Als das digitale Radio, damals hieß es noch DAB (Digital Audio Broadcasting), 1997 an den Start ging, gab es nur eine homöopathische Anzahl von Empfangsgeräten zu prohibitiven Preisen, und im Sendernetz klafften mächtige Lücken. Das Fatale: Daran änderte sich über ein Jahrzehnt lang nicht allzu viel. Einzig die digitalfreudigen Bayern setzten sich von Anfang an für ein dichtes Sendernetz und ein attraktives Programmangebot ein; in anderen Regionen gingen Digitalsender sogar wieder vom Äther. So zeichnete sich für DAB nur noch die Alternative ab: aussterben oder wieder durchstarten.

          Ein harter Kern der deutschen Hörfunker, angeführt von Deutschlandradio, engagierte sich für den Neustart. Am 1. August 2011 meldeten die Initiatoren Vollzug: Erstmals ging ein in ganz Deutschland verbreiteter Radio-Multiplex, so heißen digital verschnürte Programmbündel in der Fachsprache, auf Sendung. Seither kann man Deutschlandradio mit drei Programmen, begleitet von 10 weiteren Angeboten privater Sender, darunter das Fußball-Radio 90elf und das wohltemperierte Klassik Radio, zwischen Nordsee und Alpen empfangen - jedenfalls überall dort, wo der Netzausbau es schon zulässt. Die DAB-Technik wurde um eine modernere, noch effizientere Tonkodierung namens HE AAC ergänzt und damit zu DAB+ geadelt, um Platz für ein breiteres Programmangebot zu schaffen.

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