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Computer „Surface“ : Windows 7 ist vom Tisch

Bild: Hersteller

Der „Surface“ von Microsoft und Samsung ist so etwas wie ein Riesen-Tablet-PC auf vier Beinen. Der Computertisch soll Ärzte, Hoteliers oder Verkäufer verführen. Faszinierend ist er schon.

          3 Min.

          Diese Koproduktion von Microsoft und Samsung sieht aus, als hätte jemand an einen riesigen Tablet-PC vier Beine montiert und ihn auf die Füße gestellt. Und so etwas ist der „Surface“ auch: Ein Tisch mit einer Oberfläche, die aus einem berührungsempfindlichen LCD-Bildschirm in HD-Auflösung besteht. Zweifelsohne fasziniert der Samsung SUR 40 für Microsoft Surface 2.0 bei der ersten Betrachtung. Doch dieser anfänglichen Begeisterung folgt schnell die nüchterne Überlegung: Wozu braucht man so einen Tischcomputer?

          Im Gegensatz zu gängigen berührungsempfindlichen Bildschirmen können mehrere Menschen auf der 40 Zoll großen Fläche gleichzeitig Objekte verschieben, vergrößern, drehen oder entwerfen. Bis zu fünf Nutzer können mit allen zehn Fingern gleichzeitig den Surface bedienen, die Software erkennt somit bis zu 50 Berührungen. Diese Menge ist zwar möglich und die Funktion im Vergleich zu anderen bekannten Geräten somit viel komplexer. Doch bei den Anwendungen, die verschiedene Softwareunternehmen bei der Präsentation des Surface in München vorgestellt haben, sieht man selten mehr als zwei Menschen, die mit wenigen Fingern Fensterchen und Symbole über den Bildschirm bewegen.

          Die „Pixelsense“ genannte Technik kann noch mehr. Der Surface erkennt die individuelle Form von Gegenständen, sofern die Software sie vorher „gesehen“ hat. Legt ein Nutzer ein bestimmtes Objekt auf die Oberfläche, erkennt das System dieses und kann, je nach Anwendung, einen Befehl auslösen. Die Gegenstände können Gläser, Schlüssel oder Münzen sein. Vorstellbar ist auch ein Würfelspiel, bei dem der Tischcomputer erkennt, welche Zahl der Spieler gewürfelt hat. Etwas anspruchsvoller ist die Erkennung sogenannter Tags. Das sind Muster auf Plastikchips oder Kartonkärtchen, die eine Art QR-Code auf der Vorderseite haben. Diese verschlüsselte Information kann die Software dann auslesen, wenn ein Nutzer die „getaggte“ Karte irgendwo auf die Oberfläche legt. Solche Tags können Anwender etwa verwenden, um sich an dem System anzumelden und ihre eigene Konfiguration aufzurufen. Das könnte zum Beispiel ein Verkäufer bei einem Beratungsgespräch sein.

          Wie funktioniert das? Unter der Glasplatte, dem LCD-Panel und weiteren Ebenen befindet sich ganz unten eine Schicht mit LED-Backlight. Der Trick an der Pixelsense-Technik sind die dort eingebauten Sensoren, die Infrarotlicht ausstrahlen und das reflektierte aufnehmen. Jeder achte der etwas mehr als zwei Millionen Pixel, also knapp 260.000, sind im Surface für die Erkennung der Gesten auf der Oberfläche zuständig. Sie reichen das Infrarotlicht ungebrochen zur Oberfläche weiter. Der Sensor registriert das von Fingern, Gegenständen oder Tags reflektierte Licht. Die Software verwertet diese Informationen und ändert entsprechend die Darstellung der Oberfläche. Mit seiner Software könnte der Samsung sogar bis zu 75Gesten wahrnehmen, doch das würde die Hardware zu stark belasten.

          Komponenten eines handelsüblichen PC

          Während die erste Version des Surface noch ausschließlich von Microsoft produziert wurde, überlässt das Unternehmen nun die Herstellung der Hardware Samsung. Die Grundausstattung des Surface sind die Komponenten eines handelsüblichen PC. Für die Verarbeitung der Daten sind zuständig ein AMD Athlon II X2 2,9 Gigahertz Dual-Core-Prozessor, 4 Gigabyte Arbeitsspeicher, eine Festplatte mit 320 Gigabyte Speichervermögen und eine Radeon-Grafikkarte HD 6570M. Neben USB- und HDMI-Anschlüssen lassen sich eine Wlan-, Bluetooth- und Ethernet-Schnittstelle für die Datenübertragung nutzen. Als Betriebssystem läuft Windows 7 Professional 64 Bit, dem ein spezieller Surface-Mode übergestülpt wurde.

          Wer eine Anwendung für den SUR40 programmieren will, kann kostenlos auf das Surface 2.0 Software Developer Kit zugreifen. Es laufen zudem Umgebungen wie .NET oder XNA 4.0. Somit entscheidet sich Microsoft für ein offenes System. Diese Einladung an Softwarefirmen ist notwendig, um Anwendungen für den Surface zu programmieren und ihn damit attraktiv zu machen. Denn an eindrucksvollen Beispielen, wie man den Tischcomputer mit seiner Pixelsense-Technik ausreizt, fehlte es bei der Präsentation.

          Wozu also dieser Tisch? Endkunden werden vermutlich nicht Schlange stehen, der Surface 2.0 kostet immerhin 8999 Euro. Zudem müsste sich der Heimanwender erst einmal eine Anwendung einfallen und diese programmieren lassen. Samsung und Microsoft umwerben eher Unternehmen, die den Tisch für ihre Kunden- und Markenkommunikation kaufen sollen. Die Beispiele klingen verführerisch: Der Surface in der Hotellobby, beim Arzt, am Verkaufstresen, als Pokertisch, für das Autohaus oder am Messestand. Er wird den Kunden sicherlich gefallen, dieser nicht ganz gewöhnliche Tisch.

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