https://www.faz.net/-gy9-8c3tz

Virtuelle Realität : Einfach mal die Welt hinter sich lassen

Bild: F.A.Z., Marco Dettweiler

Die Gelegenheit, die VR-Brillen von Sony, Oculus, Samsung oder HTC auszuprobieren, sollte man sich auf der CES in Las Vegas auf keinen Fall entgehen lassen. Ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

          3 Min.

          Oculus macht einfach gutes Marketing. Am ersten Messetag der CES in Las Vegas hat das amerikanischen Unternehmen bekannt gegeben, dass ihre VR-Brille „Rift“ ab sofort vorbestellt werden kann. Es ist die erste Variante, die für Endkonsumenten verfügbar ist. Bisher war sie eher für Entwickler gedacht, die erst entsprechende Inhalte und Anwendungen programmieren und entwerfen mussten. 699 Euro kostet das Produkt.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass Oculus damit die Aufmerksamkeit – nicht nur in Las Vegas – erst einmal auf sich gezogen hat, geht in Ordnung. Denn als Palmer Luckey vor knapp vier Jahren den Prototypen vorstellte, hat der Gründer mit seinem Team überhaupt erst die Virtuelle Realität für viele Forscher und Entwickler erfahrbar gemacht. Seither findet man in der ganzen Welt unterschiedlichste Anwendungen. Der Name „Oculus Rift“ steht bis heute stellvertretend für die Gerätegattung der VR-Brillen.

          Samsungs Gear VR unübersehbar

          Doch in den letzten Jahren hat sich auf diesem Markt einiges getan, was auch der CES nicht immer so leicht zu sehen ist. Unübersehbar ist zunächst die Gear VR von Samsung. Ermöglicht hat dieses Produkt übrigens auch Oculus, die mit Samsung zusammenarbeiten. Am Stand der Koreaner sitzen reihenweise Messebesucher mit der weiß-schwarzen Taucherbrille auf dem Kopf nebeneinander auf Stühlen und starren vor sich hin, wenn sie nicht gerade ruckartig den Kopf hin- und herreißen. Samsung hatte die Gear VR ursprünglich gar nicht für den Massenmarkt geplant und wollte erst einmal beobachten, wie das Produkt läuft.

          Nach etwas über einem Jahr können die Koreaner ein erfolgreiches Produkt vorweisen, das mit knapp 100 Euro und einer ausgereiften Technik ein attraktives Gadget geworden ist. Voraussetzung ist allerdings, dass man im Besitz eines Galaxy-Smartphone der sechsten Generation oder dem Note 4 ist, denn dieses wird in das Gehäuse eingesetzt und übernimmt die meisten Funktionen. Im Gehäuse der Gear VR sitzen letztlich „nur“ zwei Linsen und ein Annäherungssensor. Was sich am meisten weiterentwickelt hat, ist das Angebot der Inhalte. Hier auf der CES konnten wir kurz in eine Folge von „The Walking Dead“ schauen oder das Shooter-Spiel „Gunjack“ mit einem Controller spielen. Die Auswahl an Filmen, 360-Grad-Videos oder Spielen kann sich mittlerweile sehen lassen.

          Keine Serienreife bei Sony und HTC

          Kaum Inhalte, keine Serienreife und aufwendige Technik findet man bei den VR-Brillen von Sony und HTC. Dafür wird man das Erlebnis so schnell nicht vergessen, wenn man sie mal ausprobieren durfte. Sony schleppt schon seit Jahren sein „Project Morpheus“, das seit dieser CES nun „Playstation VR“ heißt, mit auf Messen herum, um für wenige Tage den Besuchern auf ihre Art zu zeigen, was Virtuelle Realität bedeutet. Sonys Pfund ist die Erfahrung und das Angebot der Playstation. Denn die perfekte Anwendung für Virtuelle Realität bleibt immer noch das Computerspiel. Und so haben wir für zehn Minuten „The London Heist“ auf der Playstation VR von Sony gespielt – und waren fasziniert. Man taucht sofort in eine andere Welt ab, man ist Teil des Spiels.

          Staunen in Las Vegas mit der neuen Gear VR von Samsung. Bilderstrecke
          Staunen in Las Vegas mit der neuen Gear VR von Samsung. :

          Noch seltener als Sonys Playstation der nächsten Dimension findet man das VR-Konzept von HTC. Die Vive Pre ist sogar schon die zweite Generation dieser Brille, die man dennoch nur an ausgewählten Orten testen darf. Wir sind dafür schon nach Paris geflogen, im Umfeld der Ifa in Berlin wurde sie dann erstmals offiziell gezeigt und jetzt hat HTC hier in Las Vegas im Wynn-Hotel einen Raum gemietet, in dem mehrere Vive-Demo-Plätze aufgebaut sind.

          HTC muss sich nicht verstecken

          Dabei muss sich HTC alles andere als verstecken. Die Vive gilt bei vielen als die intensivste Erfahrbarkeit der Virtuellen Realität. Der entscheidende Unterschied zu Modellen wie der Gear VR von Samsung ist das räumliche Tracking. Man kann dann nicht nur den Kopf bewegen, sondern auch sich selbst im Raum bewegen und sieht die Übersetzung in der virtuellen Welt. Und so lässt HTC die Besucher in Las Vegas durch einen imaginären Raum von zirka 14 Quadratmetern gehen, um einen Roboter zu reparieren, ein Büro aufzuräumen oder auf ein gesunkenes Schiff zu entdecken.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          An der Vive hat sich nicht allzuviel geändert. Nach wie vor braucht HTC einen äußerst leistungsstarken Rechner, Lasermodule an den Wänden und Kabel für den großen Datenstrom. Die Brille selbst wurde verbessert. Sie sitzt besser und hat eine kleine Kamera, um „echte“ Gegenstände erkennen zu können. Damit ermöglicht HTC Anwendungen der Augmented Reality. Die Darstellung wirkt heller und schärfer. Wo etwa bei VR-Brillen wie der Gear VR noch keine Verwechslungsgefahr mit der echten Realität besteht, weil die Darstellung nach wie vor leicht pixelig ist, muss man bei den Anwendungen von HTC schon sehr genau hinschauen, um die Künstlichkeit der Darstellung zu erkennen. Was HTC noch fehlt, ist eine ebenso deutlich überzeugende Anwendung wie Sonys Spiel „The London Heist“. Doch das dürfte nur eine Frage der Zeit sein. HTC hat von Anfang an das Unternehmen Valve als Partner. Dieses beschäftigt sich mit nichts anderem als Spielen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          
              Will eine Impfpflicht einführen: Olaf Scholz kommt zum Bund-Länder-Treffen im Bundeskanzleramt an

          Corona-Politik : SPD und Union gehen getrennte Wege

          Noch regiert die große Koalition. Bei den Verhandlungen über neue Corona-Maßnahmen zeigen beide Partner den Willen zu einer allgemeinen Impfpflicht. Doch es wird auch klar, dass sie sich in Kürze trennen.
          Holz in einem Mecklenburger Wald

          Holz als Geldanlage : Helden des Klimawandels

          Bäume sind nicht nur gut für das Klima, sondern können auch das eigene Portfolio grüner machen. Dieser Überblick zeigt, wie das gelingen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.