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Phil Carmack im Gespräch : „Intel raubt mir nicht den Schlaf“

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„Man kann einen Marktführer nicht über Nacht ablösen“: Phil Carmack Bild: Nvidia

Phil Carmack, Chef der Mobilsparte des Chipkonzerns Nvidia, spricht im F.A.Z.-Interview über die große Dynamik seiner Branche im mobilen Zeitalter und den überraschenden Einstieg von Nvidia in das Geschäft mit Videospielekonsolen.

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          Herr Carmack, Nvidia ist bekannt für Halbleiter in Computern und mobilen Geräten wie Tablets und Handys. Jetzt wollen Sie auf einmal mit ihrer Konsole „Project Shield“ in das Geschäft mit Videospielen einsteigen. Wie passt das zusammen?

          Zugegeben, das ist ein Richtungswechsel. Es ist das erste Mal, dass wir für Endverbraucher ein komplettes Gerät anbieten. Aber wir haben uns immer als viel mehr verstanden als ein reiner Lieferant von Komponenten. Wir bieten ein Erlebnis, zum Beispiel mit unseren Grafikkarten, die aufwendige Videospiele auf Computern möglich machen. Viele Verbraucher wissen das auch.

          Die Konsole richtet sich vor allem an die traditionelle Kerngruppe eingefleischter Nutzer von Videospielen?

          Das werden wohl diejenigen sein, die sich zuerst angesprochen fühlen. Aber ich sehe auch darüber hinaus einen Markt.

          Die Anbieter von Konsolen kämpfen mit der Konkurrenz billiger oder kostenloser Spiele für Smartphones oder Tablets. Ist das nicht der falsche Zeitpunkt, eine ganz neue Konsole herauszubringen?

          Ganz klar: nein. Videospiele sind noch immer ein phantastisches Geschäft. Sehen Sie sich nur den Erfolg von „Call of Duty“ an: Das Spiel hat am ersten Tag einen Umsatz von 500 Millionen Dollar eingebracht. Das schafft kein Hollywood-Film. Das klassische Geschäft mit Konsolen und Spielen ist noch immer robust.

          In der Branche wird erwartet, dass Microsoft und Sony neue Versionen ihrer Konsolen Xbox und Play Station auf den Markt bringen. Wird Ihre Konsole vorher am Markt sein?

          Der Zeitplan der Konkurrenz interessiert mich nicht. Aber unsere Planung ist realistisch, und wir erwarten eine Einführung in Nordamerika im zweiten Quartal. Wann es woanders so weit sein wird, kann ich nicht sagen.

          Was wird Ihre Konsole kosten?

          Wir wollen auf jeden Fall wettbewerbsfähig sein.

          Sie haben vor zehn Jahren die Mobilsparte aufgebaut, die für Nvidia neben dem Geschäft mit Personal-Computer-Grafikchips heute ein wichtiges Standbein geworden ist. Ihre „Tegra“-Chips sind in vielen Tablets, bei Smartphones liegen Sie aber noch weit hinter Qualcomm. Warum machen Sie nicht schneller Fortschritte?

          Man kann einen Marktführer nicht über Nacht ablösen, und Qualcomm ist ein sehr starker Wettbewerber. Aber wir glauben, dass uns der neue Chip Tegra 4, den wir hier vorstellen, voranbringen wird. Dies ist die erste Version unseres Tegra-Chips, die mit dem LTE-Mobilfunkstandard der vierten Generation arbeitet.

          Der Chipgigant Intel versucht mit aller Macht, seine Chips neben PCs auch stärker auf Smartphones und Tablets zu etablieren. Sehen Sie das als Bedrohung?

          Intel gehört nicht zu den Wettbewerbern, die mir den Schlaf rauben. Ich nehme Intel in dem Markt noch nicht als besonders präsent wahr. Bislang fehlt der Beweis, dass ihre Chiparchitektur sich für mobile Geräte eignet, wo es viel mehr auf den Batterieverbrauch ankommt.

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          Aber Intel hat erhebliche Ressourcen und wird sicher nicht lockerlassen.

          Wir werden das noch sehen. Aber wenn eine etablierte Industrie von einer neuen bedroht wird, wie jetzt Personal-Computer von mobilen Geräten, ist es für die Vertreter des alten Reviers nie leicht, den Sprung in das neue Zeitalter zu schaffen. Das ist vielleicht nur einer Handvoll von Unternehmen jemals gelungen, und wir zählen uns dazu.

          Kann das dem ebenfalls in der Personal-Computer-Ära verwurzelten Softwarekonzern Microsoft gelingen, der ein wichtiger Partner von Ihnen ist?

          Ich denke, das Urteil darüber steht noch aus.

          Das Microsoft-Tablet Surface, in dem Sie mit Ihren Tegra-Chips vertreten sind, scheint bisher nicht gerade einen Ansturm von Kunden auszulösen.

          Es ist auch noch nicht lange auf dem Markt. Aber ich denke, es hat die besten Tage noch vor sich. Vielen Leuten ist noch nicht klar, was man alles mit dem Gerät machen kann.

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