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CES 2016 : Ford will sich nicht zurück an die Werkbank degradieren lassen

Spekulationen über eine Partnerschaft mit Google konnte Mark Fields nicht bestätigen. Bild: Reuters

Technologiekonzerne wie Google und Apple machen sich im Revier der Autoindustrie breit. Das schafft Konfliktpotential. Ford-Vorstandschef Mark Fields rüstet sein Unternehmen für eine neue Wettbewerbslandschaft.

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          Der amerikanische Autohersteller Ford Motor Co. hat auf der Elektronikmesse CES Allianzen mit einigen prominenten Unternehmen verkündet. Dazu gehörte der Online-Händler Amazon.com, mit dessen digitalem Assistenten Echo Ford sein Informations- und Unterhaltungssystem Sync verknüpfen will. Das soll es zum Beispiel erlauben, das Auto von der Küche aus zu starten, oder umgekehrt vom Auto aus das Licht im Haus anzumachen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Mit dem Drohnenhersteller DJI will Ford Wege entwickeln, Autos und Fluggeräte miteinander kommunizieren zu lassen. Ein anderer prominenter Name fehlte unter diesen neuen Partnern. Im Vorfeld der Messe gab es Spekulationen über eine Kooperation zwischen Ford und dem Internetkonzern Google. Es wurde berichtet, dass Ford zum Auftragshersteller für die nächste Generation selbstfahrender Fahrzeuge von Google werden könnte. Davon war nun in Las Vegas aber nicht die Rede, wobei Vorstandsvorsitzender Mark Fields eine solche Verbindung auch nicht ausschließen wollte. „Wir sprechen immer mit vielen verschiedenen Unternehmen,“ sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung auf der Messe.

          Google als Rivale für traditionellen Hersteller

          Eine Allianz mit Google hätte für Ford einigen Zündstoff. Denn anders als etwa Amazon oder DJI wird Google zunehmend zu einem Rivalen für die traditionellen Autohersteller. Und Google ist nur eines von vielen Unternehmen, die für eine ganz neue Wettbewerbslandschaft im Autogeschäft sorgen. Auch der Elektronikkonzern Apple arbeitet offenbar an einem Autoprojekt, junge Elektroautospezialisten wie Tesla Motors oder Faraday Future sorgen für Furore, und neue Mobilitätskonzepte wie der Fahrdienst Uber werfen die Frage auf, wie wichtig es künftig überhaupt noch sein wird, ein eigenes Auto zu besitzen.

          Fields machte klar, dass er sich inmitten dieses veränderten Umfeldes nicht auf eine Rolle als Lieferant für Technologieunternehmen beschränken will. „Wie wollen nicht wie ein Handyhersteller enden,“ sagte er in Anspielung an Auftragsfertiger wie Foxconn, die für Unternehmen wie Apple elektronische Geräte produzieren. Denn das würde nach Befürchtung von Fields dazu führen, im Laufe der Zeit „marginalisiert“ zu werden.

          Der Ford-Chef will Zukunftsfelder selbst besetzen. So kündigte er auf der Messe an, die gegenwärtige Testflotte selbstfahrender Autos des Modells Fusion auf 30 Fahrzeuge zu verdreifachen. Schon im Dezember gab Ford bekannt, 4,5 Milliarden Dollar in die Elektromobilität zu investieren. Ziel ist es, bis zum Ende des Jahrzehnts 13 neue Elektroautos zu entwickeln.

          Ein Fuß in der Zukunft

          Im vergangenen Jahr startete Ford die Initiative „Smart Mobility“ als Experimentierfeld für Transportlösungen der Zukunft. Das Unternehmen hat mittlerweile einige Pilotprojekte für sogenannte Carsharing-Angebote für das Anmieten von Autos. „Einen Fuß in der Gegenwart, einen in der Zukunft,“ nennt Fields seine Strategie. Ford sei einerseits „sehr stolz, ein Autohersteller zu sein“ und werde weiter viel Geld in die Entwicklung von Autos investieren. Andererseits wolle Ford aber auch stärker zu einem Anbieter von Dienstleistungen werden. Schon heute seien Transportdienste ein größerer Markt als die eigentlichen Autos, und Ford habe daran bislang so gut wie keinen Anteil. Fields geht es mit seiner Präsenz in Segmenten wie Carsharing nach eigener Aussage auch darum, die Nutzer für die Marke Ford zu erwärmen, wenn sie später vielleicht doch einmal ein eigenes Auto kaufen.

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