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CES : Mysteriöser Autohersteller trägt dick auf

Von hinten sieht der FF91 gut aus, aber hält er später auch, was seine Macher heute versprechen? Bild: dpa

Trotz einer Serie von Negativschlagzeilen hat Faraday in Las Vegas abermals die große Bühne gesucht. Der Autobauer zeigte ein elektrisch betriebenes Luxusauto. Doch bei der Präsentation ging etwas schief.

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          Faraday Future legte vor einem Jahr ohne Zweifel den großmäuligsten Auftritt auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas hin. Das kalifornische Unternehmen kam wie aus dem Nirgendwo und erhob bei einer aufwendig inszenierten Pressekonferenz den Anspruch, mit seinen Elektrofahrzeugen den Automarkt aufmischen zu wollen. Es wurde der Eindruck erweckt, als ob Faraday es schon bald mit dem amerikanischen Elektroautohersteller Tesla Motors aufnehmen könnte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Veranstaltung von Faraday war mit Spannung erwartet worden, zumal es das Unternehmen geschafft hatte, Mitarbeiter von Tesla und anderen Herstellern wie BMW abzuwerben. Aber dann hatte Faraday außer vollmundigen Ansagen nicht allzu viel zu bieten. Es wurde ein Rennauto gezeigt, das zwar sehr schick aussah, aber noch weit von einem funktionsfähigen Fahrzeug entfernt war. Das Publikum konnte sich mit Recht die Frage stellen, ob es sich bei Faraday nur um Schaumschläger handelt.

          Eine große Inszenierung

          Nach einer Serie von Negativschlagzeilen in den vergangenen Monaten gibt es dafür im Moment womöglich sogar mehr Anlass denn je. Das hat Faraday aber nicht davon abgehalten, in diesem Jahr in Las Vegas abermals die große Bühne zu suchen und zur Enthüllung eines Autos einzuladen. Man werde die Zweifler auf der CES dazu bringen, an das Unternehmen zu glauben, hieß es im Vorfeld.

          Tatsächlich war es wieder eine große Inszenierung, diesmal aber mit einem Auto, das wirklich produziert werden soll. Faraday stellte am Dienstagabend in einer eineinhalbstündigen Präsentation ein elektrisch betriebenes Luxusauto mit dem Namen „FF91“ vor, das vom kommenden Jahr an ausgeliefert werden soll. Wie viel das Auto genau kosten soll, wurde nicht verraten, das Unternehmen sagte lediglich, es solle sich um ein „Premium-Flaggschiff“ handeln. In der Branche kursieren Spekulationen, wonach es 180.000 Dollar kosten könnte. Damit würde Faraday weit über den Modellen des ebenfalls nicht gerade billigen Rivalen Tesla liegen. Interessenten können das Auto schon jetzt gegen eine Anzahlung von 5000 Dollar reservieren. Faraday hat in der Vergangenheit gesagt, eine br6eite Palette verschiedener Modelle herstellen zu wollen.

          Angeblich mehr als 600 Kilometer Reichweite

          Der für Forschung und Entwicklung verantwortliche Nick Sampson trug gewohnt dick auf und sagte, das Auto sei „eine neue Spezies“ und stehe für „eine neue Ära der Mobilität“. Faraday werde „das Unmögliche möglich machen“. Das Fahrzeug hat die Form eines sportlichen Geländewagens und kommt auf 1050 PS. Es soll von null auf sechzig Meilen (knapp 100 Stundenkilometer) in 2,4 Sekunden beschleunigen. Es soll mit einer aufgeladenen Batterie mehr als 600 Kilometer fahren können und würde mit dieser Reichweite die Modelle von Tesla klar hinter sich lassen.

          Das Auto soll sich ohne Schlüssel über Gesichtserkennung öffnen lassen. Es soll mit autonomen Funktionen ausgestattet sein und zum Beispiel selbstständig parken können. Genau das schien aber bei der Präsentation nicht so richtig zu funktionieren. Als dem Publikum gesagt wurde, das Auto werde sich jetzt selbst parken, blieb es zunächst stehen und fuhr erst beim zweiten Versuch los.

          Der FF91 soll von 2018 an ausgeliefert werden.

          Faraday hat einige turbulente Monate hinter sich. Im November hat das Unternehmen seine Arbeit an einer Fertigungsstätte in der Nähe von Las Vegas vorerst gestoppt. Lokalpolitiker sagten, Faraday habe Rechnungen seines Bauunternehmens nicht bezahlt, und werteten dies als Zeichen für finanzielle Schwierigkeiten. Das Werk soll angeblich eine Milliarde Dollar kosten, und der Bundesstaat Nevada, in dem Las Vegas liegt, hat mehrere hundert Millionen Dollar Subventionen zugesagt. In den vergangenen Wochen hat eine ganze Reihe von ranghohen Führungskräften Faraday verlassen, darunter ein Manager, der erst wenige Monate vorher von Volkswagen kam.

          Auch die Verbindung zum chinesischen Unternehmer Jia Yueting, der als wichtigster Investor von Faraday gilt, sorgt für Unsicherheit. Yueting ist Gründer und Vorstandsvorsitzender des chinesischen Konglomerats Le Eco, das Fernseher und Smartphones herstellt und einen Videodienst nach dem Vorbild des amerikanischen Anbieters Netflix betreibt. Le Eco hat auch selbst Ambitionen im Automarkt und hat kürzlich einen Prototypen für ein Elektrofahrzeug vorgestellt. Beobachter fragen sich somit, ob Faraday innerhalb des Imperiums von Yueting Konkurrenz bekommen könnte. Es gibt zudem auch Sorgen um die finanzielle Verfassung von Le Eco, nachdem Yueting unlängst in einem Schreiben an seine Mitarbeiter zugegeben hat, sein Unternehmen habe zu schnell expandiert.

          Fiat Chrysler präsentiert elektrischen Minivan

          Etwas Futuristisches kam derweil auch von einem traditionellen Vertreter der Autoindustrie. Der amerikanisch-italienische Hersteller Fiat Chrysler Automobiles (FCA) präsentierte eine Studie für einen elektrisch betriebenen Minivan. Der „Chrysler Portal“ richtet sich an die junge Millennial-Generation. Seine Türen öffnen sich wie ein Fahrstuhl und haben ein integriertes Lichtband, das seine Farbe verändern kann. Anstelle eines traditionellen Lenkrads hat das Auto eine Art Steuerknüppel, und es erlaubt teilautonomes Fahren.

          Ob der elektrisch betriebene Minivan jemals produktionsreif wird, lässt Fiat Chrysler offen.

          Ob das Fahrzeug in dieser oder ähnlicher Form jemals produktionsreif wird, ließ der Hersteller offen. Es ist aber immerhin ein öffentlichkeitswirksamer Vorstoß auf dem Gebiet der Elektromobilität, das FCA bislang weniger forciert hat als amerikanische Wettbewerber wie General Motors oder Ford. Bemerkenswert ist auch, dass das Unternehmen für die Vorstellung des Modells die CES gewählt hat und nicht die Auto Show in Detroit in der nächsten Woche. Denn dort will FCA diesmal angeblich kein einziges neues Modell zeigen.

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