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CES 2015 : Bitte Lächeln für ein „Dronie“

Die Drohne „Inspire 1“ der Firma DJI soll künftig ein Massenprodukt sein. Bild: dpa

Die Hersteller auf der CES sind sich sicher, dass sie auf dem Weg zum Massenprodukt ist. Der neuste Trend ist allen Sicherheits- und Datenschutzsorgen zum Trotz die Drohne.

          Den Ausstellern auf der CES in Las Vegas geht es üblicherweise darum, ihre Geräte möglichst prominent in Szene zu setzen. Es gibt aber auch einen Teil des Kongresszentrums, in dem die Geräte hinter einem Schutznetz oder sogar einem abgeschlossenen Raum bleiben müssen, jedenfalls dann, wenn sie in Aktion sind. Es ist die Sonderausstellung für Drohnen. Solche unbemannten Fluggeräte sind hier in etlichen Ausführungen zu sehen, von der Miniversion, die kaum größer ist als eine Handfläche, bis hin zur Riesendrohne, die aussieht wie ein mutiertes Insekt aus einem Horrorfilm. Wer an diesen Ständen vorbeigeht, wird von einem surrenden Geräusch umgeben, das sich bedrohlich nach einem Bienenschwarm anhört.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Es ist das erste Mal, dass die CES den Drohnenherstellern einen gesonderten Platz einräumt. Die Geräte sind in kürzester Zeit zu einem Trendartikel in der Elektronikbranche geworden und gehörten zu den Verkaufsrennern im vergangenen Weihnachtsgeschäft. Wie groß das Interesse an Drohnen ist, lässt sich erkennen, wenn man auf der amerikanischen Version der Suchmaschine Google die Worte „I want to buy a“ eingibt, also eine Kaufabsicht kundtut. Die automatische Vervollständigungsfunktion von Google schlägt schon an vierter Stelle eine Drohne vor, hinter Haus, Hund und Auto.

          Begeisterte Drohnennutzer schließen sich zu Vereinen zusammen, etwa der „New York City Drone User Group“, deren Mitgliederzahl sich nach den Worten ihres Organisators Steve Cohen innerhalb von weniger als einem Jahr verdoppelt hat. Die Gruppe veranstaltet sogenannte „Fly-Ins“, bei denen die Mitglieder ihre Drohnen fliegen lassen. Selbst in den populären Sprachschatz haben es die Geräte schon geschafft – mit dem „Dronie“, einem Selfie aus der Luft. Denn die Drohnen werden besonders oft zum Fotografieren eingesetzt.

          „Bis zum Ende des Jahrzehnts wird jeder eine Drohne haben“

          „Bringt Eure Selfies in neue Höhen“, heißt es zum Beispiel auf dem Stand von Torquing, einem Unternehmen aus Wales, das auf der Messe die wohl kleinsten Drohnen präsentiert. Die Geräte mit dem Namen „Zano“ wiegen nur 60 Gramm und werden mit einem Smartphone bedient. Sie fliegen dahin in der Luft, wo der Nutzer mit seinem Handy zeigt, können ihn aber auch verfolgen, zum Beispiel wenn er Sport macht. Marketing-Chef Reece Crowther sieht aber auch Anwendungen jenseits von Selfies. So könnten sie im Haus als fliegende Kameras agieren. Crowther zeigt sich überzeugt, dass sich solche Drohnen für den Privatgebrauch auf breiter Front durchsetzen werden: „Bis zum Ende des Jahrzehnts wird jeder eine Drohne haben.“ Die Mini-Drohne von Torquing soll 275 Dollar kosten, wenn sie vom Mai an verkauft wird. Wie mehrere Aussteller auf der CES ist Torquing noch ein sehr junges Unternehmen und wird in diesem Jahr seine ersten Produkte auf den Markt bringen.

          Während sich Torquing klar an Endverbraucher richtet, konzentrieren sich andere Aussteller in Las Vegas allein auf den professionellen Einsatz. Die Drohnen des drei Jahre alten chinesischen Unternehmens Harwar zum Beispiel sind für Anwendungen in der Ölindustrie, der Landwirtschaft und der Filmbranche gedacht. Das billigste Modell kostet 15000 Dollar, das teuerste 120000 Dollar.

          Ebenfalls in Las Vegas vertreten ist DJI, der aus China stammende Marktführer im Drohnengeschäft, der vor allem für seine „Phantom“-Fluggeräte bekannt ist. Die „Phantom“-Drohnen, die je nach Ausstattung zwischen 680 und 1370 Dollar kosten, werden vor allem von Amateurfotografen genutzt, wie DJI-Manager Randy Braun erzählt. Aber sie kommen auch für kommerzielle Zwecke etwa von Immobilienmaklern zum Einsatz.

          Drohnen sind freilich kontrovers diskutierte Produkte, und das nicht nur, weil sie manche Menschen an militärische Einsätze denken lassen könnten. Drohnen können zu einer Sicherheitsgefahr werden, wenn sie zum Beispiel in der Nähe von Flughäfen auftauchen, oder zu einem Vehikel für kriminelle Aktivitäten, etwa wenn sie auf abgesperrten Arealen wie Gefängnissen oder Kraftwerken geflogen werden. Der Umstand, dass Drohnen meist mit Kameras ausgestattet sind, macht die Geräte auch für Datenschützer zu einem Albtraum.

          Der kommerzielle Einsatz ist mit wenigen Ausnahmen verboten

          Der Unterschied zwischen privater und professioneller Nutzung ist in Amerika von großem Gewicht, denn davon hängt ab, ob die Drohnen überhaupt geflogen werden dürfen. Privatpersonen ist das Fliegen von Drohnen gestattet, wenn sie sich an bestimmte Regeln halten und zum Beispiel unter einer gewissen Höhe bleiben. Der kommerzielle Einsatz wiederum ist bisher von der Flugaufsicht FAA mit wenigen Ausnahmen verboten. Das erschwert zum Beispiel auch die Drohnenprojekte von Unternehmen wie Amazon oder Google. Amazon etwa plant, manche Waren künftig per Drohne zuzustellen. Die Aufsichtsbehörde arbeitet an neuen Regeln, die einen kommerziellen Einsatz erleichtern könnten. In der Zwischenzeit wird ihr Drohnenverbot aber offenbar regelmäßig ignoriert. DJI-Manager Braun erzählt, dass er oft Drohnenfotos sieht, die von Immobilienmaklern geschossen wurden. „Geahndet wird das aber nie.“

          Der Messeveranstalter Consumer Electronics Association sieht in den Drohnen jedenfalls einen Wachstumsmarkt. Er sagt voraus, dass in diesem Jahr auf der ganzen Welt 400.000 Drohnen an Endverbraucher verkauft werden. In fünf Jahren soll der Drohnenmarkt ein Umsatzvolumen von einer Milliarde Dollar erreichen.

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