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Consumer Electronics Show 2017 : Wenn der Sound zur Schau wird

Der schwebende Lautsprecher PJ9 von LG Bild: Marco Dettweiler

Neben Bild ist auch der Ton ein wichtiges Thema auf der CES. Doch nicht nur die Großen wie Samsung, Sony oder LG haben sich einiges einfallen lassen. Echter High-End-Sound kommt aus Heilbronn.

          Es ist unerhört laut in den Messehallen auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas. Das liegt natürlich an den vielen Besuchern und deren manchmal vergeblichen Versuchen, durch noch lauteres Reden dem Gegenüber die Worte verständlich zu übermitteln. Andererseits sind es Hersteller von meist unbedeutenden Soundprodukten, die wie jedes Jahr nach dem Motto handeln: Laut hilft viel.

          Nur aus diesem Grund war es eigentlich ganz sinnvoll, dass Samsung, Sony oder LG interessante Exponate an den Ständen präsentierten, die Besucher zwar bewundern, aber deren Sound nicht bestaunen konnten, weil schlichtweg kein Ton aus ihnen kam. Man könnte den Sound aufgrund der Umgebungsgeräusche sowieso nicht beurteilen. Zum anderen waren manche Produkte noch im Prototypenstatus. In diesem Fall sollte man sich als Hersteller allerdings überlegen, ob man solche Geräte überhaupt mitbringt in die Wüste nach Las Vegas.

          Wenn der Bildschirm die Welle macht

          Am Stand von Sony tat die Erkenntnis, dass das Vorzeigeprodukt stumm bleibt, am meisten weh. Denn der Grad der Innovation ist sehr hoch. Sony hat nicht nur sein neues TV-Flaggschiff mit Oled-Technik versehen, was an sich schon eine überraschende Neuigkeit ist. Der Fernseher Bravia A1 erzeugt auch auf besondere Art und Weise den Sound und löst damit ein eigentlich unlösbares Problem. Weil die Premiumprodukte der Hersteller immer dünner werden – LG etwa ist bei einer „Dicke“ von 2,5 Millimetern angelangt – fehlt jeglicher Platz für Lautsprecher am Gehäuse. Also hat sich die Soundbar als Zusatzprodukt etabliert, die diese Aufgabe übernimmt.

          Der Bildschirm schwingt und macht den Sound: Sonys Fernseher Bravia A1

          Sony hat eine andere Idee. Beim Bravia A1 erzeugt der Bildschirm den Sound. Auf der Rückseite ist ein Mechanismus angebracht, der das Display in Schwingung versetzt, sodass dadurch Schallwellen wie bei einer Lautsprechermembran erzeugt werden. Weil damit nur ein bestimmtes Frequenzspektrum abgebildet werden kann, braucht Sony noch mehr Hub für die tiefen Töne. Die Japaner haben dafür auf der Rückseite entlang des Ständers einen Subwoofer aufgesetzt. Es sieht aus, als hätte der Ständer ein breites Polster auf dem Rücken.

          Man sollte Sony auf jeden Fall glauben, dass das funktioniert. Die Idee, Glas und ähnliche Materialien in Schwingung zu bringen, ist nicht neu und wurde bereits eingesetzt. Doch wie es klingt, hätten wir doch allzu gerne gewusst und gehört. Spätestens im Frühjahr 2017 wird es ernst, dann soll das neue Flaggschiff auf den Markt kommen.

          Der Sound schwebt über allem

          Nicht weniger spektakulär, dafür viel kleiner, ist ein neues Gadget von LG, das schon im Vorfeld der CES für Ankündigungen sorgte. Der kabellose Bluetooth-Lautsprecher PJ9 besteht aus zwei Teilen: einer Basis, in dem der Subwoofer steckt und einem leicht eiförmigen Gebilde, das die restlichen Frequenzen erzeugt. Eigentlich erinnert es im Aussehen mehr an ein Thermostat eines Heizkörpers.

          Der schwebende Lautsprecher PJ9 von LG

          Der Clou: Das Ei schwebt über der Basis, indem in dieser ein Magnetfeld erzeugt wird. Dieses ist von LG so ausgetüftelt, dass der obere Teil nicht kippt – auch wenn man ihn etwas zur Seite bewegt – und sich zudem drehen lässt. Die Musik kommt per Streaming auf das Gerät. Nach zehn Stunden Musik muss es wieder aufgeladen werden. Auch hier gilt: Wie der 360-Grad-Sound klingt, weiß keiner der Fachbesucher. Der PJ9 ist in einer Glasvitrine vor Zugriffen geschützt.

          Minimalistisches Design mit Potential

          Bei Samsung geht die Soundshow ohne Klang weiter. Dort am Stand steht der kabellose Lautsprecher H7: zwei Membrangitter, zwei große Drehregler und eine quaderförmige Form. Mehr ist nicht zu sehen oder gar zu hören. Dennoch könnte dieser Prototyp viel Potential haben. Samsung hat vor einigen Jahren in der Nähe von Los Angeles ein Audiolab gegründet, das Samsungs Position im Audiobereich nicht nur stärken, sondern als Marktführer etablieren soll. Aus dem Lab kamen schon einige sehr gute Produkte wie etwa die Dolby-Atmos-Soundbar HW-K950. Ebenso vielversprechend ist die Soundbar MS750, die auf der CES (mit Hörprobe!) vorgestellt wurde.

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