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CES 2014 : Das Auto als ultimativer mobiler Computer

  • -Aktualisiert am

Jen-Hsun Huang, Vorstandsvorsitzender des Chipherstellers Nvidia Bild: Bloomberg

Google beherrscht längst nicht mehr nur die Welt der Online-Suche. Das Betriebssystem Android will der Internetkonzern jetzt auch ins Auto bringen - und kooperiert mit Audi, General Motors, Honda und Hyundai.

          Mit seinem Mobil-Betriebssystem Android hat Google eine Erfolgsgeschichte sondergleichen geschrieben. Zum Start 2007, im Jahr der iPhone-Premiere, hätte kaum jemand darauf gewettet, dass der Internetkonzern nicht nur die Online-Suche, sondern bald auch die Mehrheit der Smartphones beherrscht. Wenig später war es so weit, und im dritten Quartal 2013 lief Android auf fast 82 Prozent aller neu verkauften Internethandys - weit vor Apples iOS mit einem Marktanteil von rund 12 Prozent.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diesen Erfolg versucht Google nun zu wiederholen, und zwar im Automobil. Schließlich sei das Auto der „ultimative mobile Computer“, formuliert Jen-Hsun Huang, Vorstandsvorsitzender des Chipherstellers Nvidia. Das amerikanische Unternehmen gehört einer neuen Firmenallianz an, die Google am Montag zum Start der Elektronikmesse CES vorstellte. Zur sogenannten Open Automotive Alliance („offene Auto-Allianz“) haben sich demnach Google und Nvidia sowie General Motors, Audi, Honda und Hyundai zusammengeschlossen. Ziel dieser Koalition von Auto- und Technologieunternehmen sei es, die Android-Plattform ins Auto zu bringen. Die ersten Wagen mit Android-Integration könne man schon gegen Ende des laufenden Jahres erwarten, hieß es.

          Die Technik im Auto soll sicherer werden

          Weitergehende Details ließ die Ankündigung vermissen. Google-Manager Sundar Pichai sagte lediglich: „Die Ausweitung von Android in den Automobilbereich erlaubt es unseren Industriepartnern, mobile Technologien leichter in die Autos zu bringen. Den Fahrern bietet sie eine bekannte Erfahrung, so dass sie ihre Aufmerksamkeit auf die Straße richten können.“

          Die Technologie im Fahrzeug soll sicherer werden und intuitiver bedienbar. Autofahrer versuchten schon heute, mobile Services während der Fahrt zu nutzen. Dies sei aber nicht immer komfortabel und sicher. Damit dürfte beispielsweise der Abruf von E-Mails und das Surfen im Internet gemeint sein. Auf Android-Smartphones - wie auch auf allen anderen Mobilsystemen - gehören diese Funktionen zum Standard; sie müssten also nur noch angepasst werden. Android im Auto werde Fahrern die Apps und Dienste bringen, die sie kennen und mögen, versprach Google in einem Blog-Eintrag. Zusätzlich gehe es darum, neue Eigenschaften für das Mobil-Betriebssystem zu entwickeln: Damit soll das Auto selbst, quasi wie ein Smartphone, als vernetztes Android-Gerät auftreten können. Einzelheiten dazu würden bald bekanntgegeben.

          Auch Apple hat das Auto für sich entdeckt

          Google will neben den Gründungsmitgliedern weitere Unternehmen für seine Allianz gewinnen. Ähnlich war das Unternehmen schon mit den Handyherstellern vorgegangen. Zumindest ist der Technologiekonzern nicht der erste, der das Auto für sich entdeckt. Android konkurriert in Teilen mit „iOS in the Car“, das Apple im vergangenen Sommer vorgestellt hatte. In der Apple-Allianz sind Hersteller wie BMW, Daimler, Ferrari und auch der neue Google-Partner Audi mit an Bord. Ganz allgemein nimmt die Zusammenarbeit zwischen Autokonzernen und IT-Industrie immer mehr zu. Das ist ein Kulturwandel für die Autobranche, die über Jahrzehnte nach ihren eigenen Gesetzen funktionierte. Auch bei der Einbindung von Online-Diensten in Fahrzeuge versuchten es die Hersteller zunächst mit hauseigenen Lösungen, meist zu saftigen Aufpreisen. Jetzt kooperieren sie häufiger - und jeder Autokonzern, der etwas auf sich hält, arbeitet inzwischen am Roboterauto.

          Vor allem der neben Bosch größte Autozulieferer Continental hat sich dabei mit Kooperationen eng an Partner aus der IT-Branche gebunden. „Damit der Fahrer wirklich alles dem Auto überlassen kann, werden wir auch die Rechenleistung zentraler Großcomputer und das Cloudcomputing zum Einsatz bringen müssen“, sagt Conti-Manager Christian Senger. Nur so können auch die Informationen, die andere Autos sammeln, untereinander ausgetauscht und verwertet werden. In einer der Kooperationen hilft der Telekom-Konzern Cisco dem Partner Continental beim nahtlosen Springen von einer drahtlosen Verbindungstechnik zur nächsten. In einer anderen liefert IBM den Deutschen die Expertise zum geordneten Sammeln von Daten. Und bald schon soll nach Informationen dieser Zeitung die bisher offiziell noch unbestätigte Zusammenarbeit mit Google beginnen: Der Internetkonzern steht Continental beim Auswerten der riesigen Datenmengen zur Seite.

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