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CES 2013 : 4k-Spaß im Zockerparadies

  • -Aktualisiert am

Was hat digitaler Fortschritt mit alten Autos zu tun? Panasonics Präsident erklärt es am Anfang der CES Bild: AFP

OLED, IGZO und 4k: Die amerikanische Fachmesse CES brachte uns neue Fachkürzel bei - und lässt uns weit in die Fernsehzukunft blicken.

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          Panasonics Präsident Kazuhiro Tsuga hat Spaß an schnellen Schlitten, zum Beispiel solchen vom Kaliber eines Mustang Convertible, Baujahr 1965. Schade nur: Das historische Geschoss war schon nach damaligen Maßstäben ein Spritsäufer vor dem Herrn. Aber Panasonic will helfen, mit seinem geballten elektronischen Know-how die Gegensätze zu versöhnen: Freude an der Mobilität und die höhere Einsicht in die Endlichkeit irdischer Ressourcen. Wo sind wir hier - auf einer Motor-Messe?

          Nein, wir sind auf der Consumer Electronics Show (CES), einer der Leitmessen für Unterhaltungselektronik und Artverwandtes, die stets im Januar von Las Vegas aus den Kurs der Branche markiert. Dass ein Mann wie Tsuga diesen Anlass nutzt, um in seiner Eröffnungsrede das Hohelied der grünen Technologien und der umfassenden Vernetzung auch außerhalb der engeren Branchengrenzen zu intonieren, stimmt nachdenklich. Jedermann im Auditorium weiß: Mit dem harten Kern der „braunen Ware“, Fernsehgeräten aller Kaliber und Ausstattungsvarianten, verdient derzeit kein einziger Hersteller Geld. Riesige Überkapazitäten in der Produktion und gnadenloser Verdrängungswettbewerb haben die Preise gründlich verdorben, in den Bilanzen großer japanischer Marken gähnen Milliardenverluste, tiefer als der Grand Canyon. Senden Unternehmen wie Panasonic also schon subtile Signale für den allmählichen Ausstieg aus der Bildschirmherstellung? Das bestreitet Tsuga später im Interview ganz entschieden. Er räumt aber auch offen ein: Die Branche muss sich etwas einfallen lassen. Zum Beispiel verstärkte Kooperation in Forschung und Entwicklung.

          OLED vom Feinsten: Prototyp von Panasonic Bilderstrecke

          Dafür liefert die Messe gleich ein spektakuläres Beispiel: Sony und Panasonic haben ihre Ingenieurstäbe gemeinsam in Bewegung gesetzt, um große Bildschirme in OLED-Technik zu entwickeln. Vor diesem Thema konnten sie sich nicht drücken: Schon vor 12 Monaten präsentierten die Koreaner Samsung und LG jeweils ein 55 Zoll großes Modell und führten dem Rest der Welt vor Augen, wie viel beeindruckende Bildqualität, sprich Leuchtkraft, Kontrast und Bewegungsschärfe, in der noch jungen Displaytechnik steckt.

          Ironie der Geschichte: Erst vor ein paar Tagen hat LG begonnen, seine OLED-Schirme auszuliefern. Samsung ist immer noch nicht fertig, was die Japaner mit feiner Ironie konstatieren. Und genüsslich weisen sie darauf hin, dass ihre OLED-Neuheiten sogar um einen Zoll größer sind als die koreanischen Varianten. Wann man Sony- und Panasonic-Fernseher in OLED-Technik kaufen kann, steht allerdings noch in den Sternen. Fest steht nur, dass die beiden traumhaften TV-Schönheiten die Bilder mit vierfacher HDTV-Auflösung rastern. 4k heißt das passende Kürzel, das schon im vergangenen Jahr die Branchen-Auguren elektrisierte.

          Die CES 2013 macht das 4k-Thema nun zum Hype: Ob Sharp, LG, Samsung, Sony, Panasonic oder Toshiba, sie alle haben marktreife 4k-Fernsehgeräte im Messegepäck, die auch auf den Gattungsnamen Ultra HD TV hören. LG kredenzt gleich drei Kaliber: ein Modell mit dem Diagonalmaß 84 Zoll (213 Zentimeter), eines mit 65-Zoll-Diagonale (165 Zentimeter) und einen 55-Zöller (140 Zentimeter). Auch Sony zeigt diese 4k-Formattrilogie in Las Vegas, Samsung präsentiert stolz einen neuen 84-Zöller. Panasonic transportiert das 4k-Thema sogar in die Sphäre der Mobilgeräte - mit einem 20 Zoll (50 Zentimeter) großen Maxi-Tablet. Damit erfahren Apples Retina-Displays, die dem Auge keine Chance lassen, eine Rasterstruktur zu erkennen, eine interessante Erweiterung, die sich zunächst in professionellen Umgebungen, etwa in der Medizintechnik, bewähren dürfte.

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