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Automobile Zukunft : Der Kampf ums Cockpit

Ein bisschen Show darf es auch beim traditionsreichen Autobauer geben: Der BMW i Vision Future Interaction hat keine Türen. Bild: AP

BMW stellt in Las Vegas seine Vision der Mobilität von morgen vor. Alles was ferngesteuert wird kommt dabei von BMW selbst und nicht etwa von Apple oder Google.

          Die große Show beherrschen die amerikanischen IT-Konzerne, jede Messeveranstaltung atmet etwas Hollywood. Sogar das vielgepriesene, kleine Start-up-Unternehmen Faraday Future, mit seinen 400 Mitarbeitern im Silicon Valley eigentlich angetreten, um Mobilitätslösungen von morgen vorzustellen, sorgte zum Auftakt der Elektronikmesse CES mit seinem selbstfahrenden Fahrzeug für ordentlich Wirbel – weil es martialisch wie ein Batmobil aussah, und nicht wie ein seriöses Auto, das Unfälle vermeiden und die Umwelt schonen kann. Verantwortlich für das FF Zero 1 genannte Konzeptauto ist Chefdesigner Richard Kim, den Faraday Future von BMW abgeworben hat. Aber sieht so die Zukunft aus?

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Szenenwechsel: Auf einem Parkplatz vor den CES-Messehallen hat der Münchner Autohersteller, der in wenigen Wochen sein hundertjähriges Bestehen feiert, ein provisorisches Zelt aufgebaut, darin eine schlichte Holzbühne errichtet, auf der ein Roadster auf Basis des elektrischen Karbonsportlers i8 steht. BMW hat eine Handvoll Journalisten zu diesem Event nach Las Vegas eingeladen, um zu zeigen, das die automobile Zukunft ganz nah ist. Denn das Besondere an diesem Konzeptfahrzeug mit dem etwas sperrigen Namen BMW i Vision Future Interaction ist nicht, dass es wie der FF Zero1 in der Theorie eines Tages autonom fahren kann, sondern es schon unter realen Straßenbedingungen bewiesen hat. Und Chefdesigner Adrian van Hooydonk ist noch ein anderer Umstand wichtig: „Wir wollen dem Kunden nicht den Schlüssel abnehmen“. Soll frei nach dem analogen BMW-Werbeversprechen heißen, dass der Mensch hinter dem Lenkrad in der digitalen Welt über die Freude am Fahren oder am Gefahrenwerden entscheidet.

          Das 21 Zoll große Farbdisplay erstreckt sich über die gesamte Armaturentafel und reagiert auf Handbewegungen. Bilderstrecke

          Keine Wahl hat der Fahrer dieses Konzeptautos bei der Wahl der Bedienoberfläche: Alles was ferngesteuert wird, ob mit Handgesten oder am Lenkrad, kommt von BMW und nicht von Apple oder Google. Darauf wiederum legt BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich wert. Die amerikanischen IT-Konzerne dringen auf diese Schnittstellen im Auto, auf die Softwaremodule für voll automatisches Fahren und auf die Bedienoberfläche. Denn dann machen sie das Geschäft mit all den Kundendaten im Fahrzeug, die während der Fahrt gesammelt werden; Daten, die preisgeben, mit wem telefoniert, vor welchem Einkaufsgeschäft geparkt wurde oder welche Seiten im Internet die Fahrzeuginsassen aufgerufen haben. „Wer die Head-Unit besitzt, also das `Betriebssystem` des Autos, der besitzt den Kunden“, sagt Fröhlich. „Ist die Datenpipeline erst einmal offen, dann fließen alle personenbezogenen Daten an die amerikanische Westküste.“

          Bei seinem Konzeptfahrzeug hat BMW die neuen Wettbewerber außen vor gelassen. Die hochauflösenden Straßenkarten stammen vom Gemeinschaftsunternehmen Here, das BMW gemeinsam mit Daimler und Audi voriges Jahr für gut 2,5 Milliarden Euro erworben hat, und das auch anderen Herstellern zur Verfügung steht. Das ist kein deutscher Altruismus, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass der Echtzeitroutenplaner um so exakter funktioniert, je mehr Autos die Verkehrsdaten sammeln.

          Das 21 Zoll große Farbdisplay wiederum, das sich fast über die gesamte Armaturentafel erstreckt, reagiert auf Handbewegungen und zeigt Inhalte, die aus der BMW-eigenen Cloud stammen. Stellt der Fahrer auf Automatikmodus um, kann er ein Video-Telefonat führen, eMails checken oder Zeitung lesen. Eines Tages, wenn solche Autos in großer Zahl auf der Straße fahren, wird BMW indes einen IT-Partner brauchen, sonst müsste der Konzern eigene Rechenzentren bauen. Für Fröhlich hat der Wettbewerb mit Google und Apple noch eine sicherheitsrelevante Frage, die er sich rhetorisch selbst stellt: „Wem traut der Kunde zu, das sicherere Betriebssystem anzubieten?“

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          Und dann sagt der BMW-Entwickler noch einen Satz, der so konkret den selbstbewussten Faraday-Managern nicht über die Lippen gekommen ist. Er sei sehr zuversichtlich, sagt Fröhlich, dass solch ein Auto schon recht bald gebaut werden könne. BMW-Designer Hooydonk hat bei dem zweisitzigen Showcar übrigens die Türen weggelassen. Ein bisschen Show darf es auch bei einem traditionsreichen Autobauer aus Bayern in Las Vegas schon mal sein.

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