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Consumer Electronics Show : Die Automesse vor der Automesse

Die Vorbereitungen für die CES laufen auf Hochtouren: Ab dem 6. Januar strömen die Besucher in die Hallen. Bild: AP

Die Consumer Electronics Show in Las Vegas galt lange als Ort für klassische Unterhaltungselektronik wie Fernseher. Inzwischen ist die Messe auch für Fahrzeughersteller ein Pflichttermin.

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          Für Autohersteller beginnt das Jahr traditionell mit einem Großereignis. In Detroit versammelt sich die Branche in der ersten Januarhälfte zur wichtigsten Automesse auf amerikanischem Boden. Aber seit einigen Jahren läuten die Autohersteller das Jahr anderswo ein: Die Elektronikmesse CES in Las Vegas wird für die Autoindustrie mehr und mehr zur Pflichtveranstaltung. Im vergangenen Jahr ließ der deutsche Daimler-Konzern hier mit einem futuristisch aussehenden selbstfahrenden Auto aufhorchen, das nachher auch auf anderen Messen gezeigt wurde. Und auf der diesjährigen CES, die vom 6. bis zum 9. Januar angesetzt ist, sind die Vertreter der Autobranche in Las Vegas so hochkarätig wie wohl noch nie zuvor. Mary Barra, die Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Herstellers General Motors, hält eine der Hauptreden („Keynotes“), der Rivale Ford hat zu einer Pressekonferenz mit Vorstandschef Mark Fields eingeladen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Womöglich noch mehr Beachtung als die beiden wichtigsten amerikanischen Automanager wird der deutsche Volkswagen-Konzern finden. Dessen Markenvorstand Herbert Diess steht ebenfalls mit einer Keynote auf dem Programm und dürfte dort versuchen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf andere Dinge zu lenken als die Affäre um Abgasmanipulationen.

          CES immer breiter aufgestellt

          Die massive Präsenz der Autoproduzenten ist ein Zeichen dafür, wie sehr sich die CES verändert hat. Lange galt sie als der Ort für klassische Unterhaltungselektronik. Viele Produkte aus dieser Kategorie hatten hier einst ihre Premiere, vom Videorekorder über den Camcorder und den CD-Spieler bis hin zur Spielekonsole Xbox. Noch heute haben Fernseher und andere Geräte fürs Wohnzimmer einen prominenten Platz auf der Messe, aber sie dominieren das Geschehen nicht mehr wie früher. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich die CES immer breiter aufgestellt.

          Heute sind hier nicht nur Autos zu sehen, sondern auch Drohnen und Roboter. Für Brian Blau vom Marktforschungsinstitut Gartner ist diese Ausweitung das Ergebnis der rasant voranschreitenden Digitalisierung im „Internet der Dinge“, die kaum noch einen Lebensbereich unberührt lässt. Immer mehr Produkte werden mit dem Internet verbunden. Der Verband Consumer Electronics Association, der die Messe veranstaltet, hat sich kürzlich in Consumer Technology Association umbenannt, um diesen vergrößerten Aktionsradius zu betonen.

          Microsoft und Apple verzichten auf Teilnahme

          Für die CES ist das Erschließen neuer Kategorien ein Versuch, ihre Relevanz zu erhalten. Als sich vor wenigen Jahren der Softwarekonzern Microsoft als Aussteller zurückzog, wurde diskutiert, ob die Messe überhaupt noch eine Zukunft hat. Zumal auch andere Branchengiganten wie Apple hier weitgehend auf eine Präsenz verzichten und ihre Neuheiten lieber auf eigenen Veranstaltungen zeigen. Die neuen Schwerpunkte helfen der CES, andere zugkräftige Namen etwa aus der Autoindustrie zu gewinnen. Und im Gegensatz zu Microsoft haben viele angestammte Aussteller wie Samsung oder Sony der Messe die Treue gehalten.

          Die Neuausrichtung geht mittlerweile so weit, dass sich die Messe nicht mehr auf Konsumprodukte beschränkt. Einen weiteren Hauptvortrag hält Virginia „Ginni“ Rometty, die Vorstandsvorsitzende des Technikkonzerns IBM, der das Konsumentengeschäft schon vor einiger Zeit aufgegeben hat und sich heute auf Unternehmenskunden konzentriert. Außerdem gibt es erstmals eine Sonderfläche für Aussteller, deren Produkte sich an andere Unternehmen richten.

          Traditionell stehen bei der CES Geräte im Vordergrund, also Hardware. Aber wie Gartner-Analyst Blau beobachtet, spielen auch Softwareanbieter von Jahr zu Jahr eine immer größere Rolle. Das sei insofern konsequent, als der Wert elektronischer Geräte wie Smartphones zunehmend von der Software komme, also den „Apps“. „Die Hardware selbst verliert an Gewicht“, sagt Blau. In diesem Jahr stehen zwei besonders prominente Anbieter von Softwareplattformen im Rampenlicht. Reed Hastings, der Vorstandsvorsitzende der Online-Videothek Netflix, hält eine Keynote, ebenso Robert Kyncl, Strategiechef des zum Internetkonzern Alphabet und dessen wichtigster Sparte Google gehörenden Videodienstes Youtube.

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