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Acer : „Apple kann Preise nicht ignorieren“

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Oliver Ahrens, Chef Acer Deutschland Bild: Acer

Oliver Ahrens von Acer sieht einen Trend zum Zweittablet und greift mit einem Billiggerät an. Das Betriebssystem Windows 8 hat nach seiner Auffassung Erklärungsbedarf.

          Herr Ahrens, Sie bringen einen Tabletcomputer zum Kampfpreis von 119 Euro auf den Markt. Kann man mit so etwas Geld verdienen?

          Ja, man kann, wenn auch nicht in den Dimensionen eines Geräts, das 999 Euro kostet. Unser Ziel ist es nicht, einfach nur eine Preisschlacht anzuzetteln. Wir hatten bisher einfach kein Angebot im untersten Preissegment, übrigens genauso wenig wie im obersten. Wir haben jetzt beide Lücken geschlossen und haben Produkte vom 119-Euro-Tablet bis zum 1499-Euro-Laptop. Der niedrige Preis für unseren Tabletcomputer Iconia B1 funktioniert natürlich nur, weil es mit der Gratis-Software Android läuft. Mit Windows ginge das nicht.

          Kann es so ein Gerät mit dem iPad von Apple aufnehmen?

          Wir erwarten nicht, dass es anstelle eines iPad gekauft wird. Es ist für Leute, die schon ein iPad haben und ein weiteres Tablet wollen. Wir sehen unser Produkt zum Beispiel als Alternative zum Kindle Fire von Amazon. Das ist nämlich auch für die meisten Besitzer nicht ihr einziges Tablet im Haushalt. Stellen Sie sich so ein Einstiegstablet als das dritte Gerät im Haus vor, neben einem Personalcomputer und einem höherpreisigen Tablet.

          Welche Stückzahlen nehmen Sie sich für Ihr Billigtablet vor?

          Es wird auf jeden Fall unser am meisten verkauftes Tablet werden. Ich hoffe, dass wir in Europa in diesem Jahr einen hohen sechsstelligen Absatz schaffen. Das wären halb so viele Tablets, wie wir insgesamt im vergangenen Jahr verkauft haben. Wir werden in diesem Jahr auch noch größere Android-Tablets folgen lassen, mit Acht- und Zehn-Zoll-Bildschirmen.

          Sie haben sich in der Vergangenheit noch skeptisch zu den Aussichten von Android-Tablets geäußert ...

          Ich habe mich vom Gegenteil überzeugen lassen. Die Verbraucher haben Android-Geräte wirklich angenommen, vor allem die Modelle mit kleineren Bildschirmen. Ich meine, Android könnte noch viel erfolgreicher sein, wenn die Produkte bedienungsfreundlicher wären. Wenn man ungeübt ist, braucht man bei den Geräten schon eine gewisse Einarbeitungszeit.

          Rechnen Sie damit, dass das Preisniveau für alle Tabletcomputer nach unten geht - inklusive iPad?

          Aus unserer Sicht wird sich der Tabletmarkt im Segment unter 300 Euro abspielen. Dem Preisdruck wird womöglich auch Apple folgen müssen. Es sei denn, man will dort weiter zuschauen, wie der Marktanteil Monat für Monat um einen Punkt schrumpft. Wenn Sie Android-Tablets mit der gleichen Bildschirmgröße wie das iPad für 200 Euro bekommen, sind dann die Preise für ein iPad noch zu rechtfertigen? Das iPad Mini ist ja schon ein Schritt in ein anderes Preissegment.

          Ein Acer-Tablet aus der Iconia-Reihe

          Welche Marktanteile nehmen Sie sich für Ihr Tabletgeschäft vor?

          Wir liegen heute in der Region Europa, Naher Osten und Afrika bei rund 5 Prozent des Marktes für Android-Tablets, die mittlerweile für rund die Hälfte des gesamten Marktes stehen. Ende dieses Jahres wollen wir bei 10 bis 15 Prozent liegen.

          Wie sieht das in Ihrem noch immer deutlich größeren Geschäft mit Personalcomputern aus?

          Wir haben bei Laptops rund 21 Prozent des Marktes und wollen auf 25 Prozent kommen. Im Markt für Desktop-Computer liegen wir bei 15 Prozent.

          Der PC-Markt schrumpft im Moment, vor allem wegen der Konkurrenz durch Tablets. Ist die PC-Ära vorbei?

          Ich würde es so formulieren: Die Zeiten, als die klassischen PC-Formate dominiert haben, sind vorbei. Heute verschwimmen die Grenzen viel mehr. Es ist überholt, zu sagen: entweder Tablet oder Laptop. Sehen Sie sich die vielen Kombinationsgeräte an. Das sind voll leistungsfähige Laptops, die aber in ein Tablet mit berührungsempfindlichem Touchscreen umgewandelt werden können. Wir sehen hier viel Potential.

          Werden bald alle Laptops Touchscreens haben?

          Ich würde sagen, in zwei Jahren hat mehr als die Hälfte aller verkauften Geräte einen berührungsempfindlichen Bildschirm, jedenfalls in den reifen Märkten der Welt. Ich war lange selbst skeptisch, ob die Leute das wollen. Aber wir haben zum Beispiel in Tests mit Fokusgruppen klar gesehen, dass sich Verbraucher sehr schnell damit anfreunden und das sogar erwarten.

          Viele Acer-Geräte haben Windows 8, die neue Version des Microsoft-Betriebssystems. Das Geschäft mit Windows-8-Rechnern scheint recht schleppend angelaufen zu sein. Wo sehen Sie die Gründe?

          Ich meine, man hätte die Verbraucher hier von Anfang an mehr abholen müssen. Windows 8 ist nicht nur eine 90-Grad-Wende, sondern eine massive Veränderung im Vergleich zu der vorherigen Version. Man muss den Leuten die Vorteile von Windows 8 besser erklären. Uns haben Verbraucher in Befragungen gesagt, ihnen sei nicht klar, was ihnen die Geräte bringen. Aber die gute Nachricht ist die: Als wir ihnen ein Gerät zum Benutzen gegeben haben, waren sie schnell davon angetan.

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