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CES in Las Vegas : Die Chinesen haben es in der Hand

Machtvolle Demonstration aus Fernost: Auch auf der Technikmesse CES in Las Vegas bestimmen asiatische Hersteller den Smartphone-Markt Bild: AFP

Größer, leichter, durchdachter: Die neuen Smartphones, die auf der Technikmesse CES in Las Vegas gezeigt werden, dürften den Markt nicht revolutionieren. Aber sie zeigen wieder einmal: Die Musik auf dem Smartphone-Markt spielt in Fernost.

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          Eigentlich erwartet man als Besucher der Technikmesse CES in Las Vegas keine großen Neuigkeiten auf dem Smartphone-Markt. Denn die Hersteller haben sich in den vergangenen Jahren auf den World Mobile Congress in Barcelona eingeschossen, wo es ausschließlich um die internetfähigen Mobiltelefone geht.

          Gleichwohl gab es einige Geräte zu sehen. Leider solche, die in Deutschland noch nicht auf den Markt kommen – und wahrscheinlich auch so schnell nicht kommen werden. Lenovo und LG wollen zunächst den osteuropäischen Markt bedienen und dort vor allen Dingen Russland. Und den Hersteller des spannendsten Smartphones interessiert Europa überhaupt nicht.

          MX3
          Das chinesische Unternehmen Meizu will den heimischen Markt eher zögerlich verlassen. Grund dafür ist der Erfolg. Denn zusammen mit dem gerade mal vier Jahre jungen Unternehmen Xiaomi teilt sich Meizu den chinesischen Markt größtenteils auf. Wer das MX3 hier auf der CES in der Hand halten durfte, wird begeistert sein. Das besondere an diesem Smartphone ist sein Betriebssystem: Flyme OS 3.0. Es ist ein von Meizu selbst weiterentwickeltes Android und ist – man kann es nicht anders sagen – sehr durchdacht.

          Smartphone mit besonderem Betriebssystem (Flyme OS 3.0) und sehr durchdacht: das Meizu X3

          Die Bedienung ist darauf ausgelegt, dass man es einzig und allein mit einer Hand bedienen kann. Das klingt trivial, weil man davon ausgeht, dass man dies mit dem eigenen Smartphone bereits tut. Doch dem ist nicht so. Gerade weil die Smartphones immer größer werden, reicht der Daumen nicht mehr bis zum oberen Rand. So hat auch das MX3 eine Bildschirmgröße von 5.1 Zoll.

          Bei der Vorführung am Stand von Meizu zeigt sich, wie einfach es sich bedienen lässt. Angeschaltet wird es lediglich durch das Tippen auf Display. Bildschirmansichten zieht man einfach nach unten, um an den oberen Bereich zu kommen. Mehrere Dateien wählt man auf einmal aus, indem man an der Liste entlang wischt. Im Browser gibt es eine Vollbildansicht. Die Kamera hat eine lichtstarke Blende von f2.2, sodass gerade Aufnahmen in Innenräumen gelingen. Der Clou ist der Preis. Das MX3 von Meizu kostet nur 300 Dollar.

          LG G Flex
          Im Vergleich dazu erscheint das G Flex von LG lediglich als Effekthascherei. Es wurde bereits im vergangen Jahr in Korea und für Korea vorgestellt. Nun darf man es auch auf der CES bewundern. Wer so ein Gerät aus der Hosentasche holt, zieht natürlich die Blicke auf sich. Schließlich ist der Form sehr ungewöhnlich.

          Das Meizu X3 von allen Seiten

          Nimmt man es in die Hand, hält es ans Ohr oder wischt übers Display, verliert es nach wenigen Minuten den sensationellen Wert. Dass man aufgrund der gebogenen Form besser telefonieren könne, weil sich das Mikro näher am Mund befinde, lässt sich nicht wirklich verifizieren. Es war sicherlich schwierig, diese Form zu entwickeln, weil auch der Akku entsprechend gebogen sein muss. Aber die Ingenieursleistung findet keine wirkliche Anwendung. Dann schon eher das besondere Material des Gehäuses. Es soll Kratzer bis zu einem Millimeter wieder verschwinden lassen. Das G Flex zählt mit seinen knapp 6 Zoll zu den Phablets. Es kommt in diesem Jahr auch nach Deutschland. 

          Lenovo Vibe Z
          Das Vibe Z zählt mit seinem 5,5 Zoll großen Bildschirm ebenso als Phablet. Lenovo hat gegenüber dem Vorgänger nochmal an Performance drauf gelegt. Der Prozessor ist ein Snapdragon 800 mit 2,2 Gigahertz, das LTE-Netz lässt sich nutzen, die Kamera hat 13 Megapixel mit einer lichtstarken Blende von f1.8 und weitwinkeliger Linse.

          Eher Effekthascherei als Innovation: Die gebogene Form des LG G Flex behindert eher.

          Das Vibe Z ist eines jener Handys, das versucht sich von der Masse durch so kleine Merkmale wie die erwähnten abzuheben. Das will aber nicht so richtig gelingen. Es wirkt irgendwie nicht anziehend, man hat das Gefühl, es schon zu kennen. Das Problem haben auch andere Hersteller. Eines ist bei den neuen Smartphones zu erkennen: Der Trend geht weiter Richtung Phablet. Davon gibt es nun bereits einige auf dem Markt.

          Acer Liquid Z5
          Acer macht mit der umgekehrten Strategie auf sich aufmerksam. Das Unternehmen fängt sozusagen auf der anderen Seite an. Das Liquid Z5 ist ein Einsteigergerät mit Android-Betriebssystem (Version 4.2.2). Es kostet nur 169 Euro. Das Display hat 5 Zoll. Mit seinem Prozessor, Arbeitsspeicher (512 Megabyte) und internem Speicher (4 Gigabyte) gehört es eher zu den Low-Performern. Doch es kostet eben nur knapp 170 Euro.

          Das LG Flex

          Interessant dürfte es für all jene sein, die gerne ein Smartphone hätten, aber nicht viel ausgeben wollen, weil sie keine Poweruser sind. Acer hat wohl auch Menschen im Blick, denen Android als Betriebssystem eigentlich zu kompliziert ist. Für diese gibt es vier verschiedene Quick Modes. Das Betriebssystem wird dann auf wesentliche Funktionen reduziert, die Symbole sind entsprechend groß und erscheinen in Kacheloptik auf dem Bildschirm. Auf der Rückseite befindet sich ein Knopf, dem man zu definierende Funktionen zuweisen kann. Es lassen sich also einige Apps starten, ohne dass der Bildschirm berührt werden muss. Ebenfalls sinnvoll ist der Dual-Sim-Slot.

          Huawei Ascend Mate 2
          Mit dem Ascend Mate 2 von Huawei begibt man sich nun wiederum auf die andere Seite der Smartphone-Bandbreite. Hier ist alles auf Superlativen ausgerichtet. Der Bildschirm mit 6,1 Zoll bewirbt sich schon für die Tablet-Kategorie. Der Akku mit 4050 Milli-Ampere soll mit einer Ladung für 100 Stunden Musik hören oder sechs Stunden Filme schauen reichen. Die Kamera entspricht etwa dem Lenovo-Modell: 13 Megapixel Auflösung und eine Blende von f2.0. Der Bildschirm hat allerdings nur 1280 x 720 Pixel.

          Mit einem 5,5 Zoll großen Bildschirm schon so groß, dass es als „Phablet“ zählt: das Lenovo Vibe Z. Trotzdem wirkt es nicht wirklich anziehend.

          Vor der CES hieß es, dass sich Huawei ausschließlich auf den asiatischen Markt konzentrieren will. Nun wird es nicht mehr so definitiv formuliert. Es könnte also sein, dass das Ascend Mate 2 auch irgendwann nach Deutschland kommt.

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