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Interview mit Vorstandssprecher von SAP : „Wir wollen ein 20-Milliarden-Euro-Unternehmen werden“

  • Aktualisiert am

Jim Hagemann Snabe: „Wir glauben, dass es in der Speichertechnik grundlegende Änderungen geben wird.” Bild: dpa

SAP ist wieder auf dem Wachstumspfad. Neue Kunden, neue Technik und neue Produkte lassen nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Jim Hagemann Snabe den Erlös deutlich steigen. Das Potential für das Business Web sei enorm.

          Herr Snabe, haben Sie noch ein Buch auf dem Nachttisch liegen, oder ist es schon ein iPad?

          Ich habe beides. Mit dem iPad lese ich Fachinformationen. Als Buch lese ich gerade Antoine de Saint-Exupery Citadelle (Die Stadt in der Wüste). Bei der Lektüre von Belletristik habe ich lieber ein Buch in der Hand.

          Wo kaufen Sie ihren Lesestoff ein?

          Ich kaufe viel über das Internet.

          Hier sind es amerikanische Unternehmen wie Amazon oder Google, die den Ton angeben. Was macht SAP als größter Anbieter für Unternehmenssoftware, um diese Dominanz zu brechen?

          Man muss hier realistisch sein. Im Endkundengeschäft im Internet sind die Amerikaner vorn. Wir sind aber überzeugt, dass es eine zweite große Entwicklungswelle im Netz gibt, das Business-Web, und das wird auf Unternehmen zielen. Ganze Geschäftsprozesse zwischen Unternehmen werden sich dann im Netz abspielen. Dadurch können die Unternehmen einen Riesensprung in Sachen Effizienz und Produktivität machen und da ist SAP ganz vorne mit dabei.

          Welches Potential hat das?

          Das Potential für das Business Web ist enorm. Dies wird das Management von Unternehmen und Wertschöpfungsketten über intelligente und sehr leistungsfähig virtuelle Netzwerke nochmals revolutionieren.

          Wo sehen Sie SAP in fünf Jahren?

          Wir wollen aus eigener Kraft zweistellig wachsen und wären damit etwa Mitte des Jahrzehnts ein 20-Milliarden-Euro-Unternehmen. Aber wir haben immer gesagt, wenn es technologisch sinnvolle Ergänzungen mit klarem strategischen Mehrwert für unsere Kunden gibt – wie es mit BusinessObjects und Sybase der Fall war – kaufen wir auch zu. Momentan verbreitern wir stetig unsere Kundenbasis, sind bei wichtigen technischen Entwicklungen führend und sehen im „Businessweb“ große Möglichkeiten.

          Aber SAP hat sich bisher doch auf die Optimierung von Prozessen innerhalb eines Unternehmens konzentriert?

          Das eine schließt das andere nicht aus. Mit dem „Businessweb“ können Wertschöpfungsketten zwischen den Unternehmen optimiert werden. Da gibt es einen riesigen Bedarf. Der ist vielleicht sogar größer als bei der Optimierung in den Unternehmen. Da setzen wir an. Daher gehen wir mit unseren Angeboten auch in die Datenwolke, der Cloud. Mit den in der Cloud möglichen Verfahren der Virtualisierung werden Systeme viel flexibler. Sie sind voll skalierbar, und man kann auf ihnen quasi beliebig viele Anwendungen anbieten. Das schafft Mehrwert für unsere Kunden. Warten sie erst mal ab, was die nächste Generation des Cloudcomputing an Möglichkeiten bringen wird.

          Wie sieht diese nächste Generation aus?

          Die Datenwolke, wie wir sie heute kennen, wird durch die Kombination der Rechenleistung traditioneller Hardware erzeugt. Google etwa hat einfach Tausende von Netzwerkrechnern miteinander zu Serverfarmen verbunden. Das ist aber traditionelle Hardware mit Festplatte und hohen Betriebskosten. Die nächste Cloudgeneration wird aus sehr leistungsfähigen Computern bestehen, die enorme Arbeitsspeicher und hochleistungsfähige Mehrkernprozessoren haben.

          Mit der schon 2007 angekündigten Mittelstandssoftware Business-by-Design hat SAP doch schon versucht, eine cloudbasiertes Angebot vorzulegen. Nur hatten Sie einige Schwierigkeiten.

          Das ist richtig. Wir mussten nachlegen, und das haben wir getan und sind pünktlich im Juli 2010 an den Markt gegangen mit SAP Business ByDesign 2.5. Uns ging Qualität und Vereinfachung vor Geschwindigkeit. Denn so ein Softwareangebot über das Internet an zehntausende Kunden muss perfekt und einfach zu bedienen sein. Daher hatten wir uns entschieden, länger als geplant an dem Produkt zu arbeiten. So konnten wir es verbessern, um Applikationen rund um Smartphones und Tabletcomputer ergänzen, und mit unserer neuen In-Memory Technologie ausrüsten.

          Warum ist SAP so erpicht auf neue Speichertechniken?

          Wir glauben, dass es in der Speichertechnik grundlegende Änderungen geben wird. Die Technologie ermöglicht es, dass Daten nicht mehr zwangsläufig auf Festplatten abgelegt, sondern gleich im Arbeitsspeicher des Computers verarbeitet werden. Das nennen wir „In-Memory“. Sehr große Datenmengen können direkt im Arbeitsspeicher viel schneller verarbeitet werden als auf traditionellen Festplatten und damit erhöht wir die Geschwindigkeit für Analysen um ein vielfaches, – wir können in Echtzeit arbeiten.

          Was bringt das?

          Die Verarbeitung von riesigen Datenmengen in Sekunden. Nehmen Sie das Geschäft von Finanzdienstleistern. Hier ist das Management von Risiko absolut kritisch. Daher haben Banken gigantische Datenzentren. Dort lassen sie jede Nacht ihre Computer analysieren, wie groß die aktuellen Risiken sind. Was heute noch eine Nacht dauert, können Sie mit „In-Memory“-Technologie binnen eines Mausklicks machen.

          Wenn diese Speichertechnik so wichtig ist, warum hat SAP dann 5,8 Milliarden Dollar in den Kauf des amerikanischen Mobilspezialist Sybase investiert und nicht in „In-Memory“?

          Wir hatten mit dem Kauf von Sybase die Chance, im schnell wachsenden Geschäft mit Applikationen für mobile Geräte aller Art auf einen Schlag Marktführer zu werden. Und die haben wir genutzt. Darüber hinaus hat Sybase eine eigene sehr leistungsfähige Datenbank. Diese ist sehr erfolgreich in Branchen wie Telekommunikation oder Finanzdienstleistungen. Sybase hat damit zum Beispiel in China einen Marktanteil von 18 Prozent. Das ist natürlich auch sehr interessant für uns.

          Können Sie mit „In-Memory“ auch Datenbanken von Oracle überflüssig machen?

          Die „In-Memory“–Technologie hat das Potential, zu grundlegenden Veränderungen in diesem Bereich. Der Markt für Datenbanken, der eigentlich schon als konsolidiert galt, öffnet sich wieder und steht vor völlig neuen Entwicklungen. Es gibt gute Chancen, die Karten hier neu zu mischen.

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