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Cebit 2011 : Cloud Computing soll der IT Flügel geben

Wolken, Wolken, überall nur Wolken auf der Cebit Bild: dpa

Die IT-Branche verspricht sich vom Cloud Computing rasch steigende Umsätze. Nicht nur für sich, sondern auch für die Anwender. Cloud Computing könnte sogar die Spielregeln in der IT-Welt ändern.

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          Software auf dem eigenen Computer war gestern, Software in der Datenwolke ist morgen. Dieses sogenannte Cloud Computing wird der Wirtschaft weit über die Informationstechnologie (IT) hinaus kräftige Impulse geben und der Branche in aller Welt Umsätze in Höhe Hunderter Milliarden Euro bringen, sagte August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, am Eröffnungstag der IT-Messe Cebit in Hannover.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die zunehmende Zentralisierung der Speicherung, Analyse und Verarbeitung elektronischer Daten aller Art werde nicht nur die Auslastung großer Rechenzentren deutlich erhöhen und die IT-Branche in den kommenden Jahren kräftig wachsen lassen. Sie mache auch ganze Industrien wie den Maschinen- und Autobau oder die Stromversorgung effizienter und produktiver als bisher. Darüber hinaus biete sie Privatkunden ein Vielfaches von den technischen Möglichkeiten, die sie heute schon haben, sagte Scheer weiter.

          Vor diesem Hintergrund sei die Computermesse Cebit in Hannover in diesem Jahr ganz ins Zeichen dieser Geschäfte rund um die Datenwolke gestellt. „Wie heute aus der Steckdose Strom kommt, werden morgen aus ihr auch Dienstleistungen rund um den Datenverkehr kommen“, sagte Rolf Schwirz, Chef des Deutschlandgeschäfts von Fujitsu. Eine zentralisierte Datenverarbeitung schaffe Größenvorteilen und senke Kosten. Sie könne von verschiedenen Kunden gemeinsam genutzt werden und sei im Einsatz ihrer Kapazitäten lexibel.

          Europas größtes Softwarehaus SAP steht dem nicht nach

          IT-Dienstleister wie IBM oder Softwareriesen wie Microsoft und SAP haben sich darauf eingestellt. Sie bieten ihre IT-Dienstleistungen und Computerprogramme nicht mehr nur im fein verschnürten Paket im Geschäft, sondern auch über das Internet zur Nutzung an. Hardwarehersteller wie Dell, Fujitsu oder Hewlett-Packard haben Personalcomputer (PC) bereits auf ein Taschenformat schrumpfen lassen und verbinden diese über schnelle Datenleitungen mit riesigen Rechenzentren. Über diese können Kunden dann von der Speicherung einer E-Mail bis hin zu einer Analysesoftware oder eines Videospiels alles abrufen.

          „Mit Cloud ändern sich die Spielregeln“ sagt Ralph Haupter, Deutschlandchef von Microsoft. Der Softwareriese macht nahezu seine gesamte Anwendungssoftware auch über die Datenwolke verfügbar. Dafür hat sich Microsoft mit Unternehmen wie der Deutschen Post, Daimler oder T-Systems verbündet, um rund um die Cloud neue Produkte und Dienstleistungen für Privat- und Firmenkunden anzubieten. Europas größtes Softwarehaus SAP steht dem nicht nach. Es vertreibt nach den Worten des Vorstandssprechers Jim Hagemann Snabe seine neue Geschäftssoftware für den Mittelstand ausschließlich vom hauseigenen Datenzentrum über das Internet. „Mit Cloud Computing ist es nicht mehr nötig, dass jedes Unternehmen sein eigenes Rechenzentrum betreibt“, sagte Hagemann Snabe dieser Zeitung. Unternehmen könnten ihre Daten in riesigen Rechenfarmen von Drittanbietern sicher und zuverlässig speichern und sie im Bedarfsfall durch die technisch neusten Versionen von Mietsoftware für ihre jeweiligen Geschäftsprozesse analysieren lassen. „Dieses Modell hilft Firmenkunden, Kosten zu senken“, erklärte Bitkomchef Scheer. Denn die Tausende von dezentral betriebenen Rechenzentren in der Welt gelten als ein Hort der Ineffizienz.

          Technikbranche verspricht sich vom Cloud Computing eine kräftige Nachfrage

          Nach Einschätzung der Marktbeobachter von IDC sind nur 10 bis 15 Prozent der Kapazitäten der großen Netzwerkrechner (Server) in den Rechenzentren der Unternehmen auch benutzt. So waren Internetdienstleister wie der Versandhändler Amazon oder das Internetunternehmen Google dem seit vier Jahrzehnten bewährten Geschäftsmodell der als IT-Genossenschaft geführten deutschen Datev gefolgt und begannen vor sechs Jahren damit, freie Rechen- und Speicherkapazitäten ihrer Großrechner Kunden gegen die Zahlung eines Miet- und Bearbeitungspreises anzubieten. So lasteten sie ihre Rechenzentren besser aus und stellten der Kundschaft preisgünstig neueste Rechentechnik zur Verfügung.

          Das erwies sich als Erfolg und findet nun viele Nachahmer. Nach einer Umfrage des Analystenhauses Gartner sehen 2000 Technikvorstände in Großunternehmen aller Brachen und in aller Welt in der Datenwolke die wichtigste Neuerung in der IT-Technologie der kommenden Jahre. So verspricht sich die Technikbranche vom Cloud Computing eine kräftige Nachfrage und einen deutlichen Wachstumsschub. Für dieses Jahr prognostiziert der Bitkom, dass der Umsatz mit cloudbasierten Geschäften allein in Deutschland um mehr als die Hälfte auf 3,5 Milliarden Euro zulegt.

          Mehr als die Hälfte der Softwareanbieter in Deutschland wird in diesem Jahr etwa 10 Prozent ihres Umsatzes mit cloudbasierten Produkten verbuchen. Im Geschäft mit Unternehmenskunden werden die Jahreserlöse von derzeit 1,9 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2015 steigen. Nach Angaben des Analystenhauses Gartner sind im vergangenen Jahr auf der Welt mit Cloud Computing 53 Milliarden Euro erlöst worden. Im Jahr 2014 sollen es schon 115 Milliarden Euro sein.

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