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Provider : Die Herren der Terabyte

  • -Aktualisiert am

Platz für 25.000 Server: im Karlsruher Rechenzentrum Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Wann immer es um die Kontrolle der Internetströme geht, ob im Kampf gegen Kinderpornographie oder bei der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung, stehen die Provider im Mittelpunkt. Aber wer oder was sind überhaupt diese Provider?

          Es gibt Wörter, die klingen unglaublich unbarmherzig. „Personenvereinzelungsanlage“ ist so ein Wort. Solch eine Anlage schützt das Karlsruher Rechenzentrum der 1&1 Internet AG, einer der größten Internetprovider Deutschlands, vor unbefugtem Zutritt. Wer hier hinein will, muss eine Personenschleuse mit einer Waage durchqueren, muss sich mittig auf den grünen Punkt im Boden stellen, muss, wenn die erste Tür geschlossen ist, einen sechsstelligen Code eingeben und seine Zugangskarte ans Lesegerät halten. Nun wird ein Foto erstellt, und nur wenn Foto und Gewicht mit den zuvor gespeicherten Daten übereinstimmen, öffnet sich die zweite Tür.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Fast 200 Kameras sind auf dem Gelände in der Brauerstraße installiert, die Aufnahmen werden sieben Tage lang gespeichert. Vom Hauptkorridor des Rechenzentrums gehen elf separate Rechnerräume ab, von denen jeder mit einem eigenen Kartenleser gesichert ist. Steht eine Tür länger als 30 Sekunden offen, wird Alarm ausgelöst. Auf den Servern lagern mehr als zehn Millionen Internetdomains, das sind etwa ein Drittel aller deutschen Websites und etwa die Hälfte aller deutschen E-Mail-Postfächer. Die Marken, die zum Unternehmen gehören, GMX und web.de, haben 28 Millionen Kunden. Mehr als fünf Milliarden Mails werden jeden Monat transportiert, und mehr als 10.000 Terabyte Daten bewegt. Das entspricht der Speicherkapazität von mehr als sechzehn Millionen Standard-CDs.

          Als das Rechenzentrum Karlsruhe im Februar 2003 in Betrieb ging, war es eines der modernsten seiner Art und das größte Webhosting-Rechenzentrum in Europa. Webhosting nennt man das Bereitstellen von Internetangeboten wie einfachen Homepages oder komplexen Online-Shops. Die Kunden können sich mit Tausenden anderen einen Server teilen oder einen eigenen Server reservieren. Den bekommen sie nie selbst zu Gesicht. Besuche im Rechenzentrum sind ausgeschlossen. 25.000 Server gibt es allein im Rechenzentrum Karlsruhe, mehr als 70.000 Server verwaltet 1&1 insgesamt.

          Fast schon enttäuschend klein sehen die „Internetknoten“ aus. Zwei nur etwa daumendicke gelbe Glasfaserkabel ragen aus der Wand und verbinden das Rechenzentrum mit dem sogenannten Deutschland- und dem Europaring. 200 Gigabit Daten pro Sekunde können hier ins Internet fließen. Die größte Lastspitze lag bislang bei 50 Gigabit. Die Verbindung stellen sogenannte Backbone-Router verschiedener Anbieter her. „Redundanz“ heißt das Gebot. Wird in der Software eines Herstellers eine Sicherheitslücke bekannt, lässt sich sofort auf ein anderes System umschalten, bis die Lücke geschlossen ist - „gepatched“ sagen die Techniker.

          In einem der Serverräume fällt ein etwa ein Meter breiter und mannshoher schwarzer Schrank auf. Er sieht aus wie ein Kaffeeautomat. In dem Schrank steckt ein Festplattenroboter mit einer Speicherkapazität von 30 Terabyte - das Spezialsystem für die Vorratsdatenspeicherung. Es kostete 1,2 Millionen Euro. Wer wem E-Mails schickt, wer wen anruft und welcher DSL-Kunde sich wann beim Provider anmeldet - all das hält diese schwarze Maschine sechs Monate lang fest. Der Provider ist dazu verpflichtet. In einem anderen Raum steht ein grauer, abgeschlossener Metallschrank mit einer Milchglastür. Er dient der Telekommunikationsüberwachung. Mit einer richterlichen Genehmigung kann die Polizei einen Provider anweisen, E-Mails oder Telefongespräche von Verdächtigen aufzuzeichnen. „Horchposten“ oder „Stille Post“ nennen die 1&1-Techniker diese Anlage. Bedient werden darf sie nur von vier Mitarbeitern. Sie und ihre Familien wurden vom Verfassungsschutz überprüft. Alle Daten werden verschlüsselt „ausgeleitet“ und an die Polizei übermittelt.

          Webhosting als zweites Standbein

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