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Neues Führungsduo : SAP setzt auf Mobilität und Mittelstand

In Siegerpose: Die Vorstandssprecher der SAP Bill McDermott (links) und Jim Hagemann Snabe Bild: dpa

Das neue SAP-Vorstandsduo strotzt vor Selbstbewusstsein. Eine rasche Rückkehr zu Wachstum im zweistelligen Prozentbereich und eine deutliche Erhöhung seiner Gewinnspannen - so lauten die Ziele. Eine neue Mittelstandsoftware soll dabei eine große Rolle spielen.

          SAP nimmt unter seinem neuen Duo an der Vorstandsspitze die rasche Rückkehr zu einem Wachstum im zweistelligen Prozentbereich und eine deutliche Erhöhung seiner Gewinnspannen ins Visier. Nach dem enttäuschenden Vorjahr soll der Umsatz von Europas größtem Softwarehaus 2010 zwischen 4 und 8 Prozent zulegen, erklärten die beiden seit Februar amtierenden Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe am Dienstag vor Journalisten auf der Cebit. Vom darauf folgenden Jahr an könnte die Steigerung der Erlöse mehr als 10 Prozent betragen.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Dafür werden wir Mitte dieses Jahres unsere neue Mittelstandsoftware Business by Design auf den Markt bringen, fortan auch verstärkt mobile Geräte mit unseren Softwareanwendungen vorsorgen und uns auf wachstumsträchtige Regionen konzentrieren, ohne unsere Stammregionen in Europa und Amerika zu vernachlässigen“, sagte McDermott. Weiterhin hat SAP mittelfristig eine Gewinnspanne von bis zu 35 Prozent des Umsatzes im Visier. Bislang beträgt die Marge 27 Prozent. Konkurrenten wie Oracle oder Microsoft arbeiten bereits mit Margen jenseits der 30-Prozent-Grenze. Dadurch erzeugen sie höhere Mittelzuflüsse (Cash-flows). Das lässt sie bei Akquisitionen und Innovationen entschlossener auftreten.

          Bisher nur eine Großakquisition

          SAP hat bisher nur eine Großakquisition gemacht: 2007 kaufte es Business-Objects für 4,8 Milliarden Dollar. Konkurrent Oracle erwarb dagegen in vier Jahren ein Dutzend Unternehmen für 40 Milliarden Dollar. Damit greifen die Amerikaner SAP als weltgrößten Anbieter für Software für Geschäftsprozesse in Unternehmen an. „Wir sind Marktführer, und wir werden es bleiben“, sagte Snabe. Beide Manager sollen das Unternehmen nach bewegten Monaten in ruhigeres Fahrwasser bringen, die Innovationspipeline wieder ordentlich auffüllen, die Motivation der Mitarbeiter heben und die Zufriedenheit der Kunden sicherstellen. „Wir werden keine Veränderungen in der strategischen Agenda von SAP vornehmen“, sagte Snabe weiter. „Aber wir werden das Tempo, unsere Ziele zu erreichen, erhöhen.“ Zuvor hatte der Aufsichtsrat den Vertrag des bisherigen Vorstandschefs Leo Apotheker nicht verlängert. Nach den Worten von Aufsichtsratschef Hasso Plattner hatte er das Vertrauen der Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre verloren. Der SAP-Erlös fiel um 8 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn ging um 7 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro, das Nettoergebnis um 4 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück.

          Darüber hinaus waren Mittelstands-Kunden nach den Ankündigungen der ersten Preiserhöhungen seit zehn Jahren auf die Barrikaden gegangen. Auch begannen Konkurrenten wie Oracle, Microsoft oder IBM ihre Geschäftsmodelle zu drehen. Sie rückten Hard- und Softwarebereiche enger zusammen und gingen aggressiv auf Kundenwerbung. SAP schien dem wenig entgegenzusetzen. Während Oracle im Sommer für 7,4 Milliarden Dollar den Computerhersteller Sun Microsystems kaufte, um sich als integrierter IT-Konzern aufzustellen, erwarb SAP eine Handvoll kleiner europäischer Spezial-Software-Häuser.

          Im Januar hatte Leo Apotheker die enttäuschenden Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorgelegt, nach einem ordentlichen vierten Quartal aber Hoffnungen geschürt, dass es bei SAP wieder aufwärts gehe. Seine Umsatz-, Gewinn- und Wachstumsziele sollen nun von zwei anderen Managern an der Spitze von Europas größtem Softwarehaus in die Tat umgesetzt werden. Dafür zeigte sich das neue Führungsduo Snabe und McDermott auf der Cebit in Hannover demonstrativ einig. „Wir reden auch Samstags und Sonntags miteinander“, sagte Snabe.

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