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Beyerdynamic T1 : Zum ganz genauen Lauschen

  • -Aktualisiert am

Agiert genau, diszipliniert und dennoch temperamentvoll: der T1 von Beyerdynamic Bild: Hersteller

Beyerdynamic will mit seinem neuen Modell T1 in die Spitzenklasse der Kopfhörer vorstoßen. Mit 890 Euro stimmt schon mal der Preis. Die Verarbeitung des T1 ist ebenfalls der höchsten Klasse angemessen. Aber wie sieht es mit dem Klang aus?

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          Seit einem Jahr gilt ein Kopfhörer norddeutscher Provenienz als das Maß aller Dinge, wenn es um den gepflegten Genuss im bequemen Sessel und im Angesicht einer würdigen HiFi-Anlage geht: Der Kopfschmuck heißt HD800, stammt von Sennheiser und erfreute uns derart, dass wir uns fortan in der Preisklasse bis 1000 Euro kaum etwas Besseres vorstellen konnten. Jetzt aber will Beyerdynamic, ein anderer traditionsreicher Spezialist für feine Hörutensilien, mit seinem neuen Modell T1 in dieselbe Klasse vorstoßen. Preislich unterbietet der Neue den HD800 sogar: Mit 890 Euro ist der HiFi-Händler zufrieden.

          Das Kürzel T1 soll an den Elektroingenieur Nikola Tesla erinnern, den Namensgeber für die Maßeinheit der magnetischen Flussdichte. Diese Größe spielt für Schallwandlerkonstrukteure eine Schlüsselrolle: Sie hat wesentlichen Einfluss auf den Wirkungsgrad eines Kopfhörers, also auf die Lautstärke, die sich unter Zufuhr einer bestimmten Verstärkerleistung erzielen lässt. Indirekt hat der Wirkungsgrad auch mit der Dynamik zu tun, also dem weiten Spielraum zwischen ganz leise und sehr laut. Diese Aspekte im Hinterkopf, konstruierten die Entwickler einen besonders effizienten Membranantrieb mit einem ringförmig angeordneten Neodym-Magneten.

          Die kompletten Wandlersysteme sitzen leicht angewinkelt in den Hörkapseln, um die Ohren schräg von vorn zu beschallen. Dieser Kunstgriff, den auch Sennheiser beim HD800 anwendet, soll die „In-Kopf-Lokalisation“ relativieren, jenes für alle Kopfhörer typische Phänomen, das die Schallereignisse scheinbar eher zwischen den Ohren als vor dem Hörenden stattfinden lässt.

          Silberner Aluminium-Transportkasten

          Die Verarbeitung des T1 ist der Preisklasse angemessen. Das lässt schon der silberne Aluminium-Transportkasten erahnen. Der gute Eindruck setzt sich mit den Metallverkleidungen der halboffenen Hörkapseln, dem weichen Lederpolster des Kopfbügels und den kuscheligen Velours-Bespannungen der Hörpolster fort. Mit jeder Hörkapsel ist ein separater Zweig des Anschlusskabels verbunden; beide Wandler erhalten die Musiksignale also unter exakt identischen elektrischen Bedingungen. Für stabilen Kontakt sorgt ein vergoldeter, 6,3 Millimeter großer Klinkenstecker.

          Als Spielpartner für unsere Hörvergleiche setzten wir den A1 ein, einen speziellen Kopfhörerverstärker, mit dem sich Beyerdynamic schon vor Jahr und Tag Respekt verschaffte. Tatsächlich kann der T1 von dieser soliden Basis aus in die höchste Höhe der Klanghierarchie aufsteigen: Außergewöhnlich harmonisch abgestimmt, beweist er eine makellose Klangfarbentreue, die vom zarten Ton einer Violine bis zum schmetternden Blech jede musikalische Lebensäußerung exakt nachzeichnet. Dabei geht der T1 mit ansteckendem Temperament zur Sache. Fetzige Dynamiksprünge, wie sie symphonische Großensembles ebenso zelebrieren, wie elektrifizierte Rockformationen, reproduziert der neue Hörer so locker, kraftvoll und mühelos wie nur wenige Modelle seiner Gattung. Dabei wirkt das gesamte musikalische Geschehen von den knackigen Bässen bis zu den flirrenden Höhen eher straff, exakt und diszipliniert.

          Schön auch: Tiefgestaffelte Chöre oder Orchester geben ihre reale räumliche Anordnung überzeugend zu erkennen, auch wenn die „In-Kopf-Lokalisation“ erwartungsgemäß nicht vollständig verschwindet. Doch der HD800 hat seinen Meister nicht ganz gefunden: Das Sennheiser-Modell bleibt ein Ausnahmehörer, der all der wünschenswerten Exaktheit immer noch ein winziges Quentchen mehr Luftigkeit und Charme hinzufügt, aber, im Vergleich zum ebenfalls exzellenten T1, nur in wirklich zarter Dosis: Beide Hörer spielen in einer gemeinsamen Liga, und im Preis-Leistungs-Verhältnis sind sie, falls man überhaupt so rechnen will, einander durchaus ebenbürtig.

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