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Neues Datennetz : Telekom öffnet Internet-Turbo VDSL für Konkurrenz

Unscheinbar und doch begehrt: VDSL-Kabelverzweiger der Telekom Bild:

Die vier Buchstaben VDSL stehen für das Internet der Zukunft: So heißt das neue Datennetz, das rund 25mal schneller ist als ein gewöhnlicher Internet-Anschluss. Drei Milliarden Euro hat die Deutsche Telekom in diesen Datenturbo investiert, den sie jetzt an die Konkurrenz vermietet. Ob dieser Schritt reicht, um einer Regulierung zu entgehen, ist fraglich.

          Nach jahrelangem Streit ist die Deutsche Telekom bereit, ihr Hochgeschwindigkeitsnetz an Wettbewerber zu vermieten. Neuland betritt der Konzern bei der Preisgestaltung: Die monatliche Miete für die schnellen VDSL-Glasfaserleitungen soll davon abhängen, wie stark das Netz ausgelastet ist. "In der Anfangsphase liegt der Preis bei rund 30 Euro und wird monatlich angepasst. Unser Ziel ist es, möglichst viele Kunden in das neue Netz zu bringen. Umso schneller können wir investieren und weiter ausbauen", sagte Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die geplante Preiskurve verläuft degressiv, fällt also zunächst mit steigenden Kundenzahlen rasch ab, um dann auf einem Basisniveau zu verharren. Wie hoch die Preisuntergrenze ist und bei welcher Kundenzahl sie erreicht wird, ließ Höttges offen. Großkundenrabatte, wie sie manche Konkurrenten verlangen, werde es nicht geben, betonte er: "Der Vorleistungspreis ist für alle Unternehmen derselbe - egal, ob kleiner Regionalanbieter oder überregionaler Wettbewerber."

          Ausbau in mittlerweile 50 Städten

          Das neue Angebot will der Finanzchef, der bis Ende vergangener Woche die Festnetzsparte geleitet hat, an diesem Montag auf der Cebit in Hannover vorstellen. Die Telekom hofft, damit einer Regulierung des VDSL-Netzes zu entgehen. Für den Ausbau in inzwischen 50 Städten - insgesamt könnten dort bis zu 10,9 Millionen Haushalte angeschlossen werden - hat sie in den vergangenen Jahren rund 3 Milliarden Euro investiert und will nun die "Pioniergewinne" einfahren. Mit einer Bandbreite von bis zu 50 Megabit je Sekunde ist das Turbonetz etwa 25mal schneller als ein herkömmlicher Internetanschluss und erlaubt sogar die Übertragung hochauflösender Fernsehbilder.

          Will weiterer Regulierung entkommen: Der neue Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges

          Seit dem Jahr 2005 tobt der Streit über die Öffnung für den Wettbewerb. Die Europäische Kommission hat gegen die Bundesregierung ein EU-Verfahren eingeleitet, weil sie auf einer behördlichen Kontrolle der Zugangsbedingungen und Nutzungspreise für Telekom-Konkurrenten besteht. "Unser Angebot ist freiwillig und kommt ohne regulatorischen Zwang. Wir brauchen keine behördlichen Eingriffe", sagte Höttges. Offen ist, ob sich die Bundesnetzagentur damit zufriedengeben wird. Eine Stellungnahme war am Wochenende nicht zu erhalten. Allerdings dürfte die Telekom kaum an die Öffentlichkeit gehen, ohne sich zuvor über die Haltung der Aufsichtsbehörde informiert zu haben. Behördenpräsident Matthias Kurth hatte wiederholt erklärt, dass er nur dann in die Preisgestaltung eingreifen werde, wenn keine Verhandlungslösung zustande komme.

          Verhandlungen mit Vodafone und United Internet

          Über das neue VDSL-Angebot wird mit Vodafone, United Internet und einer Reihe anderer Anbieter verhandelt. Auch technische Fragen müssen geklärt werden. Bis zum Start werden noch mehrere Wochen vergehen. Das Telekom-Angebot gilt sowohl für Wiederverkäufer, die Kombinationsprodukte der Telekom vermarkten wollen, als auch für Konkurrenten, die das Netz über ein als Bitstrom bezeichnetes Verfahren für eigene schnelle Internet- und Telefonangebote nutzen wollen. Der Vorleistungspreis ist in beiden Fällen identisch. Die Vermarktung ihres Internetfernsehens (IPTV) will die Telekom nicht aus der Hand geben. Konkurrenten könnten das VDSL-Netz aber nutzen, um ihre Kunden mit eigenen Lösungen zu bedienen.

          In ihren Dreifachangeboten aus Internetzugang, Telefon und IPTV ("Entertain") sieht die Deutsche Telekom hohes Wachstumspotential. "Bis Ende 2009 werden wir die Zahl unserer Entertain-Kunden auf mindestens eine Million verdoppeln", sagte Höttges. Mit Preissenkungen und zusätzlichen Inhalten werde man in die Offensive gehen. Der Angriff richtet sich nicht zuletzt gegen die Fernsehkabelbetreiber, die ihre Anteile am DSL-Markt kräftig erhöht haben. "Gerade Kabelnutzer sollten sich unser Angebot sehr genau anschauen", sagte Höttges.

          Er kündigte weitere Kooperationsvereinbarungen zwischen der Telekom und Wettbewerbern an, um gemeinsam den Glasfaserausbau in deutschen Städten voranzutreiben. "Aber vieles ist auf Halt gestellt, weil alle Unternehmen auf den neuen Preis für die letzte Meile warten", sagte er. Ende März entscheidet die Netzagentur über die Miete für die Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) der Telekom in die Kundenhaushalte. Zusammen mit anderen Unternehmen, die in den Netzausbau investieren, wehrt sich der Konzern gegen eine weitere Verbilligung der TAL. Denn dadurch würde der Preiskampf um die Endkunden zusätzlich angeheizt.

          300 Millionen Euro für den Breitbandausbau

          Wenn die Bundesregierung ihre ehrgeizigen Ziele für den Breibandausbau erreichen wolle, müssten die regulatorischen Bedingungen stimmen. "Das neue Netz entsteht nur dann, wenn Unternehmen die Chance haben, ihr Geld zurückzuverdienen", sagt Höttges. Es hänge vom ordnungspolitischen Umfeld ab, ob die Telekom in diesem Jahr mehr als die bisher geplanten 300 Millionen Euro in den Breitbandausbau stecken werde.

          Der Telekom-Vorstand betonte die wachsenden Gemeinsamkeiten mit anderen investitionswilligen Unternehmen. Die Zeit des "Lagerdenkens" sei vorbei: "Die Grenze verläuft jetzt zwischen Unternehmen, die in den Netzausbau investieren, und solchen, die das scheuen." Sogar eine verbandspolitische Zusammenarbeit der Telekom mit investitionswilligen Stadtnetzbetreibern sei denkbar: "Würde deren neuer Glasfaser-Verband bei uns anklopfen, würde ich damit sehr offen umgehen. Es liegt auf der Hand, dass die Interessen der Mitgliedsunternehmen und die der Deutschen Telekom nahe beieinander sind."

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