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Internetturbo VDSL : Telekom setzt auf Kooperationen

  • -Aktualisiert am

Timotheus Höttges, Chef der Festnetz-Sparte der Telekom auf der Pressekonferenz zur Cebit Bild: dpa

Die Telekom will ihre schnellen Datennetze durch Preissenkungen attraktiver machen - und bietet der Konkurrenz die Zusammenarbeit beim Ausbau von VDSL an: „Die Zeiten, in denen wir gegen den Rest der Welt gekämpft haben, sind vorbei.“

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          Mit einem ganzen Bündel von Angeboten will die Deutsche Telekom ihr VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz attraktiver machen - und damit vor allem der wachsenden Konkurrenz durch die Kabelnetzbetreiber begegnen. Im Vorfeld der Computermesse Cebit kündigte der Konzern am Montag daher eine deutliche Preissenkung für seine Entertain-Produkte an, die vor allem Internetfernsehen über das VDSL-Netz der Telekom bieten.

          Der Preisnachlass beträgt pauschal 5 Euro für die jeweiligen Pakete, die bisher in einer Spanne von knapp 50 bis fast 70 Euro zu haben sind. Er gilt allerdings nur für Neukunden. Ab dem 9. März liegt der niedrigste Preispunkt entsprechend bei 44,95 Euro. Die Telekom hat nach Angaben ihres scheidenden Festnetzvorstands Timotheus Höttges bisher mehr als eine halbe Million Kunden für ihre Entertain-Pakete gewonnen. „Bis zum Jahresende soll diese Zahl auf 1 Million Kunden steigen“, sagte er in Hannover.

          Altkunden bei der Stange halten

          Zusätzlich soll VDSL erstmals vom Frühsommer an auch ohne die Fernsehkomponente angeboten werden. Höttges, der jetzt auf den Posten des Finanzvorstands des Unternehmens wechselt, bezeichnete dieses Produkt vor allem für kleinere Unternehmen als attraktiv. Nach Angaben von Christian Illek, der im Vorstand von T-Home für das Marketing zuständig ist, rechnet die Telekom mit „einer größeren sechsstelligen Kundenzahl“ in diesem Jahr für das Produkt. Einen genauen Preis für diese VDSL-Variante nannte Höttges allerdings nicht. Er deutete aber an, dass das Produkt etwas mehr als 40 Euro kosten werde. „Damit bleibt es für viele Kunden, deren Telekom-Vertrag in den nächsten Monaten ausläuft, bei dem Betrag, den sie auch jetzt schon zahlen - nur dass sie VDSL für den gleichen Preis bekommen“, erklärt Höttges und macht damit den strategischen Hintergrund des neuen Produktes deutlich.

          Viele Kunden, die vor zwei Jahren einen Laufzeitvertrag bei der Telekom abgeschlossen haben, können in den kommenden Wochen ihren Anbieter wechseln. Das neue Produkt dient dazu, diesen Kreis bei der Stange zu halten. Aber auch bei den Wettbewerbern laufen in der nächsten Zeit viele Verträge aus. Auch diese Kunden hat Höttges mit der Preissenkung und dem neuen Angebot im Visier. „Wir haben im vergangenen Jahr 500.000 DSL-Kunden von den Wettbewerbern zurückgewonnen“, freut sich Höttges und lässt keinen Zweifel daran, dass er diese Tendenz gerne fortschreiben würde.

          Besser als der Ruf nach dem Regulierer

          Darüber hinaus wird die Telekom ihr VDSL-Netz für die Wettbewerber öffnen (Telekom öffnet VDSL-Netz für die Konkurrenz) und in vier Varianten die Kooperation mit der Konkurrenz suchen. „Die Zeiten, in denen wir gegen den Rest der Welt gekämpft haben, sind vorbei“, sagte Höttges in Hannover. Ein Kandidat für diese Zusammenarbeit ist Vodafone, dessen Marke Arcor der größte Wettbewerber der Telekom ist. Vodafone-Chef Fritz Joussen sagte in Hannover, man sei bereit, auch selber zu investieren, und werde das Telekom-Angebot sehr genau prüfen. Vodafone kooperiert mit der Telekom schon in Heilbronn und Würzburg, wo beide Unternehmen jeweils das VDSL-Netz aufbauen und sich danach gegenseitigen Zugang gewähren.

          Joussen betonte, diese Kooperation sei ein Versuch, um herauszubekommen, ob und wie solche Projekte funktionieren könnten. Ergebnisse erhofft er sich in zwei bis drei Monaten. Insgesamt beurteilt er die Kooperationsvorschläge der Telekom aber positiv. „Es ist besser, wenn man zusammensitzt und redet, als sich in die Ecke zurückzuziehen und nach dem Regulierer zu rufen“, sagte der Vodafone-Chef. Keine Zweifel lässt Joussen auch daran, dass Vodafone weiter in die eigene Infrastruktur investieren werde. Dazu gehöre auch, in den großen Städten bis in den Kabelverzweiger nahe an den Haushalten eigene Glasfaser zu verlegen und diese Strecke nicht von der Telekom zu mieten. Damit sich dies rechne, benötige ein Unternehmen einen Marktanteil von mindestens 20 bis 25 Prozent am DSL-Gesamtmarkt. Dies sieht Joussen derzeit für Vodafone erreicht. Er kündigte zudem an, dass die Marke Arcor bis Ende des Jahres aus dem Neukundengeschäft und damit aus dem Marketing verschwinden werde.

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