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Cebit 2009 : Computermesse wird zum Treff für Firmenkunden

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Die Stimmung ist besser als ihr Ruf: Mehr Zeit für Fachgespräche auf der Cebit 2009 Bild: Denzel, Jesco

An der Garderobe der Messe Hannover bleiben drei Viertel aller Kleiderhaken leer. Die Cebit verzeichnet weniger Aussteller und weniger Besucher. Dennoch gibt es gute Fachgespräche und die Erkenntnis, dass dies die wichtigste Cebit der vergangenen 20 Jahre ist.

          Vor einem Jahr war vieles sehr viel größer: die Zahl der Aussteller, die der Besucher und die Aufmerksamkeit. Heute fällt auf der Cebit alles zwei Nummern kleiner aus. Das hat Heinz-Paul Bonn neu verhandeln lassen - mit seinem Hotel in Hannover. „Wenn Sie wollen, dass wir auch im kommenden Jahr noch zu Ihnen kommen, lassen Sie sich etwas einfallen“, hat er dem Mann auf der anderen Seite der Rezeption gesagt. Der hat erst nachgedacht und dann gehandelt. Jetzt zahlen Herr Bonn und seine Mitarbeiter von der GUS Group AG aus Köln 50 Euro je Nacht weniger für jedes Zimmer. Hannover in Zeiten der Cebit. Es hat sich etwas verändert.

          Der Buchungsservice HRS bot am Eröffnungstag der Messe noch Zimmer für mehrere Tage in 10 Hotels ab 190 Euro die Nacht. Jetzt noch ein Zimmer bekommen? Kein Problem! Das war noch vor einem Jahr völlig undenkbar. Damals drängten sich fast eine halbe Million Besucher an die 5800 Stände. In diesem Jahr sind noch 4300 Aussteller in den Messehallen. Die Messegesellschaft mag keine Prognose für die Zahl der Besucher abgeben. An der Garderobe des Kongresszentrums bleiben allerdings drei Viertel aller Kleiderhaken leer. Finanz- und Wirtschaftskrise habe die weltgrößte Elektronikmesse in diesem Jahr auf Schrumpfkurs gebracht.

          Kein Interesse an Privatkunde

          Große Unternehmen wie Samsung und Toshiba blieben weg, NEC und Sony machen sich an einem Gemeinschaftsstand ganz klein. Auch Trend Micro hat in diesem Jahr keinen eigenen Stand mehr. „Wir sind an Geschäftskunden interessiert. Im vergangenen Jahr wollten wir unseren Stand daher am Samstag und Sonntag schließen. Das hat die Messe nicht erlaubt. In diesem Jahr haben wir keinen Stand mehr“, sagte Raimund Genes von Trend Micro.

          Die Zurückhaltung der Aussteller zieht auch Spuren durch den Dienstleistungssektor der niedersächsischen Landeshauptstadt. So zeigt sich Mehmet Ötzürk enttäuscht. Der Taxifahrer aus Hannover hatte vor zwei Jahren in einer Nacht während der Cebit mit seinem Mercedes noch 300 bis 400 Euro eingefahren, heute sind es im besten Fall noch 160 Euro. Damals saßen Chinesen, Japaner und Saudis auf seiner Rückbank, heute sind es vorwiegend Bayern, Franken und Westfalen. Damals liefen die Geschäfte gut, heute gehen sie schleppend. „Ich will nicht klagen, aber ich hätte allen Grund dazu“, sagt er.

          Kaum Rückgänge und dennoch der Tritt auf die Bremse

          Das hätte wohl auch Jan Geldmacher, der Geschäftskundenvorstand von Vodafone Deutschland. Doch er stemmt sich mit einer Portion Berufsoptimismus gegen den Strom. Und das mit Erfolg: „Wir haben während der Cebit in diesem Jahr 2000 fest vereinbarte Kundengespräche. Das würde ich nicht gerade Desinteresse nennen.“ Stefan Riedel, Manager des amerikanischen Technologieriesen IBM, erklärt: „Dass weniger Aussteller und Besucher auf der Messe sind, ist offensichtlich. Das hat aber auch einen Vorteil. Man tauscht nicht nur schnell Visitenkarten aus und vertagt sich auf unbestimmte Zeit auf Telefonate und E-Mail. Man kommt wieder mehr ins Gespräch, rückt näher an Interessenten heran.“ Auch Frank Schönefeld von T-Systems Multimedia Solutions sieht in dem Besucherrückgang keinen Nachteil: „Es ist weniger los; dadurch werden wir aber gut wahrgenommen. Auch die Verzahnung zwischen Kongress und dem Stand funktioniert gut“, sagt er, der mit seinem Stand auf der Webciety vertreten ist. Webciety ist der erstmals unternommene Versuch der Messe, Internetunternehmen mit einem Kongress zur Messe zu holen. Allzu groß ist das Projekt allerdings nicht ausgefallen.

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