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Cebit 2005 : Doppelherz für müde Rechner

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Weg vom Festnetz: Das gilt ebenfalls für das Modethema Internettelefonie ("Voice over IP"). Dabei wird die Sprache in kleinen Datenhäppchen über das Internet verschickt. Seit klar ist, daß sich SIP als Protokoll für die IP-Telefonie durchsetzt, mehrt sich rapide die Schar der DSL-Adapter, die nicht nur Zugang zum Web schaffen, sondern auch die Telefonie über die Datenleitung unterstützen. Als wahrer Meister der Kommunikation erweist sich die neue Fritzbox Fon Wlan, die neben drei Anschlüssen für analoge Telefone, Fax und Anrufbeantworter auch einen ISDN-Port bietet. So lassen sich vom Anrufbeantworter bis zur digitalen Telefonanlage alle Konversationsinstrumente internettauglich machen. Die Akustik der Telefonie in Datenpaketen ist beim Marktführer Skype sogar deutlich besser als die von herkömmlichen Telefonaten. Obwohl sich Voice over IP für Anrufe vom Computer zum Festnetz finanziell nicht lohnt, ist die Technik spannend. Denn alle großen Telefongesellschaften stellen in den kommenden Jahren ihre Netze auf das Internetprotokoll um, und schon gibt es die Idee, mit dem Handy übers Internet zu telefonieren.

Zunächst entwickelt sich aber das Mobiltelefon 2005 zur hochauflösenden Kamera mit drei bis fünf Millionen Pixel und zur Musikmaschine. Motorola will das iPod-Handy bringen, Sony Ericsson das Walkman-Telefon W800i mit Anschlußmöglichkeit an die Stereoanlage. Die Blackberry-Idee der permanenten E-Mail-Zustellung hat sich auf ganzer Linie durchgesetzt. Geräte mit Blackberry-Software sind bei Nokia, Siemens, Sony Ericsson und T-Mobile zu sehen. Überhaupt hat sich das Kräftegleichgewicht unter den großen Herstellern verschoben. Motorola ist stark geworden und setzt auf extravagantes Design. Der schwarze Razr, ein flaches Klappenhandy, ist ebenso ein Traum wie das nur 11 Millimeter dünne SLVR V8.

Microsoft macht Geschenke mit Verfallsdatum

Und die Platzhirsche der Computerei, wo röhren die in Hannover? Microsoft verteilt an seinen Cebit-Ständen 100000 CDs mit einer Testversion von Office 2003. Wie bitte? Die Büroanwendungen sind zwar so wenig neu, wie die Jahreszahl besagt, aber man darf mit ihnen die Funktionalität des Exchange Servers und der Sharepoint-Website testen. So will Microsoft auch privaten Nutzern Software mit serverbasierten Funktionen nahebringen, auf die Otto Normalanwender bislang verzichten mußte. Exchange Server und Sharepoint Services werden für die Dauer eines sechzigtägigen Tests online verfügbar sein. Wer sich in dieser Zeit nicht zum Kauf und zur Office-Aktivierung überzeugen läßt, kann anschließend seine Dokumente zwar noch sehen und drucken, aber nicht mehr ändern und speichern.

Alle Jahre wieder: In Prozessoren soll immer mehr Rechenleistung auf engen Raum gebracht werden. AMD und Intel setzen nicht nur auf 64 Bit, sondern auch auf "Dual-Core". Hierbei werden auf einem Chip zwei Prozessorkerne untergebracht. Diese Doppelherz-Strategie ist aber erst der Anfang. Denn wo heuer zwei Platz finden, soll im künftigen Multi-Core-Prozessor Platz für mehrere sein. Der Vorteil: Leistungssteigerung ohne Erhöhung der Taktfrequenz - mehr Rechenleistung für weniger Watt. Herkömmliche "Single-Core"-Systeme sollen einfach durch Prozessortausch umrüstbar sein. Man wird sehen...

Und auch das ist nichts grundsätzlich Neues: Speicher hat man nie genug. Sandisk präsentiert eine Mini-SD-Card, die daumennagelgroß beispielsweise Handys mit einem Gigabyte Wechselspeicher versorgt. Soviel Platz muß sein, um Fotos und MP3-Songs zu speichern und das Mobiltelefon zur Medienmaschine zu machen. Wer mehr braucht, wartet auf Hitachis Mickey. Zwischen 8 und 10 Gigabyte soll die Festplatte im Format eines Dominosteins fassen. Kleiner als bisherige Microdrives, soll auch sie in Mobiltelefonen und anderen Kleinst-Geräten für mehr Speicher sorgen - die bunte, klingende Multimedia-Welt braucht einfach Platz.

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