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Carsharing : Oha, mein Auto sammelt

  • -Aktualisiert am

Dieser Tage machte ein Urteil des Landgerichts Köln Schlagzeilen. Ein Autofahrer wurde zu knapp drei Jahren Haft verurteilt. Am Lenkrad eines BMW hatte er sich ein Rennen geliefert.

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          Carsharing wird immer beliebter. Vor allem in Großstädten boomt das Geschäft. Warum ein Auto besitzen, wenn ich mir jederzeit eines leihen kann? Aber je mehr Carsharing-Autos unterwegs sind, desto mehr Unfälle gibt es mit ihnen. Dieser Tage machte ein Urteil des Landgerichts Köln Schlagzeilen, ein Autofahrer wurde zu knapp drei Jahren Haft verurteilt. Am Lenkrad eines BMW hatte er sich vor einem Jahr in Köln ein Rennen mit einem Mini Clubman geliefert, die Kontrolle verloren, ein unbeteiligter Radfahrer verlor sein Leben. Der BMW war ein Auto von „Drive Now“, der Carsharing-Tochtergesellschaft von BMW.

          Mit zum Urteil beigetragen haben von Drive Now übermittelte Daten über den Nutzer. Wegstrecken und Geschwindigkeiten konnten genau rekonstruiert werden, auch im Kombination mit den Daten aus dem Mobiltelefon des Unfallverursachers. Dass in diesem Fall die Überwachung nachträglich ein Vorteil ist, mag niemand bestreiten. Nehmen wir also mal an, jede Autofahrt wäre nachträglich zu dokumentieren. Im Sinne der Verkehrssicherheit wäre das wohl zu befürworten. Denn jeder, der weiß, dass er überwacht wird, hütet sich in der Regel davor, Schlimmes zu tun. Und auch bei einem unbeabsichtigten, aber selbstverschuldeten Unfall wäre sofort klar, was Sache ist. Ausreden zwecklos. Dennoch schreien Datenschützer auf, wenn es darum geht, was die Autounternehmen heutzutage dank der smarten Möglichkeiten alles über ihre Kunden wissen.

          Viel zu viel, sagen viele, der Autofahrer wird gläsern, das muss man sich nicht gefallen lassen. Denn niemand kann heute abschätzen, was künftig noch alles mit den Daten für ein Schindluder getrieben wird. Ein ungutes Gefühl, vom schlauen Auto kontrolliert zu werden, bleibt also. Schon sehen wir heraufziehen, dass ohne Unfalldatenspeicher gar keine Zulassung mehr möglich ist. Am Ende werden dann auch ältere Fahrzeuge nachrüsten müssen. Kann man das wollen?

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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