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Faszination Campingurlaub : Früher war Fliegen, heute ist Caravaning

  • -Aktualisiert am

Traumyacht mit Beiboot: Dieses zwölf Meter lange Volkner Mobil auf einem Bus-Chassis von Mercedes-Benz kostet 1,23 Millionen Euro, ohne den SLK. Bild: Edgar Schoepal

Urlaub mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil wird immer beliebter. In Düsseldorf zeigt eine Branche im Wohlfühl-Modus noch bis zum nächsten Sonntag, was alles möglich ist.

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          Hoteliers mögen Messen. Meistens. Während des Caravan-Salons in Düsseldorf aber gucken sie möglicherweise etwas betrübt. Das Thema der Messe ist schließlich das mobile Wohnen, und das wird auf den riesigen Besucherparkplätzen P1 und P2 zelebriert wie sonst wohl nirgends auf der Welt. 3500 Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen sind geboten, mehr als 60.000 Übernachtungen werden gezählt. Abends geht man ins Festzelt, wo Musik aufspielt, morgens gibt’s frische Brötchen, und tagsüber hat man ja die Messe, für die man eigentlich angereist ist. Für viele ist der Salon Mittel zum Zweck, ja man will die Neuigkeiten sehen. Aber auch fast genauso wichtig ist es, Freunde zu treffen.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Auf der Messe selbst herrscht dieses Jahr eitel Sonnenschein, am Eröffnungswochenende im wahrsten Sinne des Wortes, in der (Fahrzeug-)Branche ob der guten Zahlen. Mit rund zehn Prozent liegt sie im Plus, und auch für 2016 wird mit einem weiter wachsenden Interesse am Urlaub auf Rädern gerechnet. Den Besucher erwartet noch bis zum kommenden Sonntag ein kaum überschaubares Angebot, rund 130 Hersteller haben gut 2000 Freizeitfahrzeuge mitgebracht. Vom einfachen Anhänger mit Zelt darauf für rund 5000 Euro bis zum Wohnmobil im Bus-Format für mehr als eine Million Euro ist alles aufgefahren.

          Kastenwagen als Zweitwagen der Familie

          Die rührige Düsseldorfer Messegesellschaft, die den Salon zum 22. Mal ausrichtet (davor fand die Ausstellung mehr als 20 Jahre in Essen statt), weiß offenbar um die Nöte der Neulinge und bietet in Halle 12 eine „Starterwelt“ an, wo neutrale Branchenprofis Tipps rund ums Caravaning geben. In der Regel erfolgt der Einstieg mit einem gebrauchten Fahrzeug, oder man probiert das Ganze erstmal mit einem gemieteten Wohnmobil aus.

          Caravan Salon : Auf dem Caravan Salon in Düsseldorf

          Seit gut acht Jahren werden mehr Wohnmobile gekauft als Wohnwagen – zum Ende des ersten Halbjahres stand es in Europa 54.273 zu 43.496 –, und zwei Drittel der Neuzulassungen entfallen auf kompakte Fahrzeuge, meist in Form eines Kastenwagens, die innen zum Wohnmobil umgebaut sind. Hier beginnen die Preise für Neufahrzeuge bei knapp 40.000 Euro zum Beispiel für den Hobby Vantana. Kastenwagen werden gern auch als Zweitwagen der Familie, manchmal sogar als Erstwagen genutzt. Aber auch klassische Wohnmobile, die auf einem vorhandenen Chassis (meistens Fiat Ducato) von Grund auf „neu“ gebaut werden und in Deutschland mehr als zwei Drittel Marktanteil haben, werden kompakter. Hymer zeigt seinen neuen Van mit einer Außenlänge von nur 5,45 Meter.

          Noch kürzer fällt die Studie Triaca Concept 230 der Trigano-Gruppe aus. Hier sind es nur fünf Meter, und dennoch ist alles dabei, was man gemeinhin zum mobilen Leben braucht. Leichtbau wird großgeschrieben, Gasflaschen gibt es im Triaca nicht, stattdessen soll eine Lithium-Ionen-Batterie im Boden des Fahrzeugs die Energie spenden. Der Innenraum steckt voller pfiffiger Ideen, das Spülbecken ist riesig, auf Dusche und Toilette muss nicht verzichtet werden. Das Bett hängt unter der Decke und wird bei Bedarf heruntergefahren. Ein Hubdach sorgt für Platz nach oben. Bei der Studie handelt es sich gewiss um eines der interessanten Fahrzeuge in Düsseldorf, der mangelnde Stauraum könnte ein Problem sein, würde man das Ganze 1:1 umsetzen. Ob das je geschieht, ist offen.

          Größe war gestern: Wohnmobile müssen nicht riesig sein. Der neue Hymer Van hat mit 5,45 Meter fast Pkw-Format. Bilderstrecke
          Größe war gestern: Wohnmobile müssen nicht riesig sein. Der neue Hymer Van hat mit 5,45 Meter fast Pkw-Format. :

          Gerne groß und viel Luxus drin

          Während auf der einen Seite das kompakte, preiswerte Wohnmobil im Fokus steht und natürlich die Urform des mobilen Verreisens, das gute alte Zelten, noch längst nicht tot ist (auch in dieser Hinsicht gibt es auf dem Caravan-Salon viel zu sehen), öffnet sich das Spektrum auf der anderen Seite immer weiter nach oben. Vielen Caravanern kann ihr Fahrzeug oder Gespann gar nicht groß und luxuriös genug sein. Man braucht im Sommer nur mal auf den deutschen Autobahnen darauf zu achten, wer und was da so alles Richtung Süden und Norden strebt. Auf vielen Campingplätzen stehen nicht nur große, teure Wohnmobile. Auch die Zugfahrzeuge der Wohnwagen können sich sehen lassen. Eine Mercedes-Benz E-Klasse oder ein Audi A6 Avant ist beinahe das Mindeste, es darf aber mal ein A8 sein, ganz abgesehen von den vielen großen SUV deutscher Hersteller.

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