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Business-Jets : Die Überflieger

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Stars und Unternehmer schätzen ihre Business-Jets, denn sie verwöhnen mit Luxus. Damit aus dem Millioneninvest keine Luftnummer wird, gilt es, ein paar Dinge zu bedenken. Jet ist nicht gleich Jet.

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          Manchmal landen sie, wenn der Mallorca-Urlauber gerade in seinem A320 an der Startbahn auf dem großen Verkehrsflughafen wartet. Öfter werden sie an kleineren Plätzen gesichtet, in der Nähe von Frankfurt etwa in Egelsbach. Sie spielen im Wirtschaftskrimi, wenn die Führung eines Autokonzerns zur geheimen Krisensitzung einschwebt, oder im James-Bond-Film für Aufträge fernab der Augen des Gesetzes. Und immer schwingt die Sehnsucht mit: Einmal im Business-Jet fliegen. Losgelöst von festen Flugplänen, frei in der Zeiteinteilung und im Ort des Abflugs, den Luxus großzügiger Sessel an Bord genießend ohne die immer wiederkehrende Frage „Chicken or Beef?“.

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          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Doch wer es als Direktor, Star oder Unternehmer in die Liga der Überflieger geschafft statt, muss nicht nur eine stattliche Summe anlegen, sondern sich auch klarwerden, welchem Zweck der Privatjet dienen soll. Man muss sich die einzelnen Segmente innerhalb der Geschäftsluftfahrt ähnlich wie in der Autoindustrie vorstellen. So gibt es Flugzeuge, die einem Kompaktwagen entsprechen würden, dazu kommen die etablierte Mittelklasse, eine Oberklasse und eine Super-Luxusklasse sowie Helikopter.

          Allerdings werden in der Geschäftsluftfahrt andere Preise aufgerufen als im Automobilbereich. Während dort bei etwa zwei Millionen Euro für den Bugatti Veyron oder ein Ferrari-Sondermodell die Obergrenze erreicht ist, geht es mit dieser Summe in der Businessluftfahrt erst los. Und nach oben gibt es keinerlei Limit. Die Rolls-Royce-Bentley-Bugatti-Liga, die in der Aviatik Gulfstream, Global, Falcon, Boeing und Airbus heißt, hört bei zweistelligen Millionensummen nicht auf, denn Sonderwünsche und Einzelanfertigungen können den Preis weiter nach oben treiben.

          Tendenz geht zur größeren Kategorie

          Die etablierten Hersteller kommen aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich und Brasilien. Der größte Absatzmarkt ist traditionell Nordamerika. Rund 70 Prozent dieser Art Jets werden von Unternehmen erworben, 20 Prozent von Privatpersonen und 10 Prozent von Staaten für Regierungsaufgaben oder die Küstenwache. In Europa fliegen derzeit etwa 4400 Business-Jets. Die Tendenz geht zu größeren der Kategorie Midsize und Heavy. Wobei es nicht unbedingt ein Jet sein muss, um den Kunden mit seinem fliegenden Werkzeug, und als solches gelten Geschäftsflugzeuge für Unternehmen, glücklich zu machen. Auch ein- oder zweimotorige Propellerflugzeuge mit Kolbenmotoren können sinnvoll sein, etwa dann, wenn auf kurzen Plätzen gestartet und gelandet werden muss.

          Rund 70 Prozent dieser Jets werden von Unternehmen erworben, 20 Prozent von Privatpersonen und 10 von Staaten für Regierungsaufgaben oder Küstenwache. Bilderstrecke

          Denn was nützt es dem Geschäftsmann, wenn er zwar mit fast 1000 km/h an sein Ziel katapultiert werden könnte, dort aber kein Flugplatz mit ausreichend langer Landebahn vorhanden ist. Deshalb sind selbst klassische Zweimotorige wie Piper Seneca oder Textron-Beechcraft Baron seit Jahrzehnten in Produktion. Diese Sechssitzer sind mit Reisegeschwindigkeiten um 320 km/h zwar nicht allzu schnell, dafür geben sie sich mit Bahnlängen von weniger als 500 Metern zufrieden.

          Eine weitere Nische besetzen die Hersteller Cessna und Pilatus mit einmotorigen Flugzeugen vom Typ Caravan und PC-12. Beide werden von jeweils einer Propellerturbine angetrieben, sie haben viel Platz für bis zu zehn Passagiere oder Fracht und einen großen Vorteil: Sie können nicht nur auf asphaltierten Bahnen, sondern auch auf Sand-, Gras- oder Schotterpisten starten und landen und sind deshalb universell verwendbar. Mit der Pilatus PC-12 haben die Eidgenossen zudem vorgemacht, dass ähnlich wie bei einem Schweizer Taschenmesser möglichst große Einsatzvariabilität Verkaufserfolge beschert. Durch die serienmäßige Druckkabine, ein Enteisungssystem für Tragflächen und Propeller, Autopilot, Antikollisionssystem und Wetterradar sowie eine große Frachttür ist die Turboprop-Einmot so allwettertauglich und flexibel wie ein Verkehrsflugzeug.

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