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Business-Jets : Die Überflieger

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Wichtige Fragen vorher klären

Wenn es aber doch ein Business-Jet sein soll, spielen zwar auch Vorlieben des Geschmacks oder Markenimages eine Rolle. Viel wichtiger sind aber ganz andere Fragen. Wie viele Personen werden durchschnittlich transportiert? Wie lang ist die Startbahn des Heimatflugplatzes, die womöglich für manche Typen zu kurz ist? Sind ein oder zwei Piloten zum Fliegen der Maschine vorgeschrieben? Welche Flugplätze will man anfliegen? Wie groß muss die Reichweite sein? Das Resultat verdichtet sich meist auf nur noch wenige Typen. Viele Unternehmen kaufen ohnehin nur einen zeitlich definierten Anteil der Nutzung, beispielsweise 200 Flugstunden im Jahr. Das schont das Budget und sorgt dennoch für Flexibilität, denn die auf Fractional-Ownership spezialisierten Luftfahrtunternehmen mit ihren zahlreichen Jets sind auf diese Kundschaft spezialisiert. Sie stellen nicht nur die geeignete Maschine, sondern auch die Piloten, eventuell notwendige Flugbegleiter oder besondere Verpflegung.

Bei den Triebwerken ist die Vielfalt geringer als bei den Flugzeugtypen. Rolls-Royce, Honeywell, Williams, Snecma, Pratt&Whitney und General Electric sind die gängigen Hersteller. Wenig Verbrauch, geringer Schadstoffausstoß und möglichst niedrige Lärmwerte stehen im Lastenheft. Anders als etwa bei Verkehrsflugzeugen sind alle leichten bis mittelgroßen Business-Jets nur mit jeweils einer einzigen Triebwerksvariante lieferbar.

In diesem Jahr stehen unter den leichten Jets besonders die Hersteller Pilatus, Honda und Cirrus Design im Fokus potentieller Kunden. So ist etwa der Vision SF 50 Jet von Cirrus Design einstrahlig und soll vor allem den selbstfliegenden Geschäftsmann begeistern, der viel Wert auf Sicherheit legt. Er wird weltweit der einzige Business-Jet sein, der mit einem Gesamtrettungssystem ausgerüstet ist. Bei technischen Defekten, Kollisionen oder Ausfall des einzigen Triebwerks über unwegsamem Gebiet können der Pilot oder seine bis zu vier Passagiere manuell ein Rettungssystem auslösen. Der gesamte Jet sinkt am Fallschirm zur Erde, ohne dass die Insassen beim Aufprall auf dem Boden verletzt werden sollen. Der Vision SF 50-Jet soll ab etwa 2 Millionen Dollar zu haben sein.

Schweizer setzen auf Alleinstellungsmerkmal

Die Schweizer Flugzeugbauer von Pilatus setzen ebenfalls auf ein Alleinstellungsmerkmal ihres neuen zweistrahligen Business-Jets. So darf die PC-24 sogar auf Schotter-, Sand- oder Graspisten landen. Damit können nach Angaben von Pilatus mehr als 21 000 Flugplätze auf der Welt angeflogen werden, fast doppelt so viele wie bei einem normalen Jet, der nur auf asphaltierten Bahnen landen darf. Vor wenigen Wochen fand der Erstflug der rund 9 Millionen Dollar teuren PC-24 für sechs bis zehn Passagiere oder drei Patientenliegen in Ambulanzversion statt. Die Maschine trifft wohl den Geschmack ihrer Kunden, denn sie ist schon bis ins Jahr 2020 ausverkauft. Firmenchef Oskar Schwenk nennt das Jahr 2017 als Ziel, um Flugerprobung und Zulassung abzuschließen, dann könnten die ersten Serienmaschinen ausgeliefert werden.

Der leichte Honda-Jet für vier bis sechs Passagiere ist ebenfalls ein Neuankömmling in diesem hart umkämpften Markt, auch wenn sein Erstflug schon zwölf Jahre zurückliegt. Der durch seine Autos und Motorräder bekannte Konzern aus Japan musste einige Rückschläge in der Entwicklung seines Zweistrahlers verkraften, der sich von allen anderen Jets dadurch unterscheidet, dass seine Triebwerke auf statt unter der Tragfläche oder wie sonst üblich am Heck des Rumpfs sitzen. Die ungewöhnliche Position der Turbinen auf dem Flügel soll das Geräusch für die Passagiere reduzieren sowie eine geräumigere Kabine und niedrigeren Verbrauch ermöglichen. Die exotische Triebwerksanordnung hat sich in der Luftfahrt bis auf einen früheren Kleinserienbau der Passagiermaschine VfW 614 allerdings noch nie durchgesetzt. Sobald die langerwartete Zulassung vorliegt, soll mit der Serienproduktion des rund 4,5 Millionen Dollar teuren Honda Jets begonnen werden.

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