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Tech-Talk : Augenöffner

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Bosch vermarktet eine Erfindung als bahnbrechende Neuerung. Sie kann auch als Eingeständnis eines drohenden Flops gelesen werden.

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          Bosch vermarktet eine Erfindung als bahnbrechende Neuerung. Sie kann auch als Eingeständnis eines drohenden Flops gelesen werden. Der Autozulieferer will mit Daten aus der Cloud das Leben von Batterien in Elektroautos verlängern. Im Kern geht es darum, dass „eine smarte Software eine individuelle Ladekurve für jeden einzelnen Ladevorgang berechnet. Damit tankt die Batterie die jeweils optimale Leistung, gleichzeitig werden die Zellen geschont“, lässt Bosch wissen.

          Heißt also: Niemand sollte seine Batterie der ganzen Kraft der Schnellladesäulen unbedacht aussetzen. Die angegebenen Ladezeiten werden mithin noch fraglicher. Es dünkt langsam allen, was Techniker längst wissen: Akkus sind Mimosen. Denn was Bosch auflistet, ist ein Beispiel an Aha-Erlebnissen, welche die bedingungslosen Befürworter der Elektromobilität beiseiteschieben. Die Lebensdauer heutiger Batterien mit Lithium-Ionen veranschlagen Fachleute mit acht bis zehn Jahren oder, man beachte die Spanne, 500 bis 1000 Ladezyklen. Doch Schnellladen, viele Zyklen, eine sportliche Fahrweise sowie sehr hohe und sehr niedrige Temperaturen sind Stress für den Akku und lassen ihn vorzeitig altern.

          Vollaufgeladene Akkus sind besonders anfällig. Deswegen schlägt Bosch vor, den Ladezustand des Stromspeichers um einige wenige Prozentpunkte zu reduzieren, das schütze vor ungewolltem Verschleiß. Wie weit reduziert werden soll, möge aus den von allen teilnehmenden Autos in die Cloud gesendeten Daten errechnet werden. So steuernd, sei das Bosch-System gewöhnlichen App-Lösungen überlegen. Und es sammelten sich endlich halbwegs verlässliche Daten, wie schnell sich Batterien in Elektroautos abnutzten, was bislang noch nicht akkurat vorherzusagen sei. Ob die potentiellen Kunden jetzt wohl zuversichtlicher sind und zugreifen? Immerhin wissen sie wieder ein bisschen besser Bescheid.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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