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BMW S 1000 RR HP4 : Mit DDC in neue Sphären

  • -Aktualisiert am

DDC steht für ein semiaktives Fahrwerkregelsystem, das sein Vorbild in den konzerneigenen Power-Autos M3 und M5 hat Bild: Hersteller

Die exklusive HP4-Version der supersportlichen S 1000 RR ist das erste Motorrad mit DDC. Dieses Fahrwerkregelsystem setzt dem Superbike die Krone auf.

          Das Kürzel DDC ist in Deutschland so gut wie unbekannt. Nur wer schon mal in Dodge City, Kansas, war, erinnert sich vielleicht an den Verkehrsflughafen der 25 000-Einwohner-Stadt, eben DDC. Unter Motorradfahrern wird diese Buchstabenkombination künftig ein Statussymbol darstellen, denn BMW nutzt DDC als Abkürzung für seine neuartige dynamische Dämpferkontrolle „Dynamic Damping Control“. DDC steht für ein semiaktives Fahrwerkregelsystem, das sein Vorbild in den konzerneigenen Power-Autos M3 und M5 hat. Die exklusive HP4-Version der supersportlichen S 1000 RR ist das erste Motorrad mit DDC, weitere Modelle werden wohl folgen.

          Eigentlich hätten die Bayern diesen Aufwand gar nicht nötig. 26 000 Einheiten der S 1000 RR haben sie in den drei Jahren seit der Präsentation verkauft. Superbike-Rennsiege führen inzwischen nur noch über dieses Modell, ob bei Profis oder Amateuren. Warum also entwickeln die Bayern trotz dieser Erfolge ihr Superbike munter weiter? „Wer einmal A gesagt hat, muss auch B sagen“, lautet die Erklärung von Markus Poschner, dem Baureihenleiter. „Und außerdem ist der Hersteller eines Sportbikes nur dann glaubwürdig, wenn er es permanent weiterentwickelt, selbst wenn die Technologieführerschaft offensichtlich ist.“

          26.000 Einheiten der S 1000 RR haben sie in den drei Jahren seit der Präsentation verkauft Bilderstrecke

          Beim Fahren beeindruckt die HP4 ungemein: durch die immense Kraft des 142 kW (193 PS) starken Vierzylindermotors, der wegen eines auf 199 Kilogramm reduzierten Leergewichts noch leichteres Spiel mit dem Motorrad hat als bisher, und durch die Leichtigkeit, mit der sich dieses Geschoss fahren und im Zaum halten lässt. Das liegt nicht zuletzt am neuen DDC, das die Fahrhilfen ABS und DTC (Traktionskontrolle) ergänzt. Lohn des Aufwands: Das Wohlbefinden des Fahrers erreicht ein neues Niveau.

          Kein Motorrad hat derzeit so viele Regelsysteme an Bord wie die HP4. Die vier verschiedenen Motor-Mappings (Rain, Sport, Race und Slick) sind verknüpft mit dem Race-ABS, der DTC und DDC. Rund sieben Kilogramm hat die Basisversion S 1000 RR abspecken müssen, bevor sie sich HP4 nennen durfte. Geschmiedete Räder und eine gefühlt federleichte Titan-Auspuffanlage tragen den Löwenanteil zur Gewichtsreduktion bei.

          Die Gretchenfrage freilich lautet: Was bringt einem der ganze Technikschub, wenn man kein Rennstreckenprofi ist? „Früher ans Gas, später bremsen“, lautet der Hinweis eines erfahrenen Instruktors bei der Fahrvorstellung auf der Rennstrecke. Wie bitte? Bei gefühlten 45 Grad Schräglage Vollgas geben? Und aus 210 km/h erst an der 150-Meter-Marke mit Bremsen anfangen und innerhalb dieser kurzen Distanz gut 150 km/h wegbremsen, um die folgende Haarnadel zu schaffen? Unvorstellbar für einen, der eigentlich auf Land- und Bergstraßen zu Hause ist. Und doch: Die Regelsysteme funktionieren grandios, vermitteln große Sicherheit und lassen dank des Wohlbefindens auf der HP4 das Selbstvertrauen wachsen und die Rundenzeiten besser werden. Selbst bei Extrembremsungen bleibt die HP4 stoisch ruhig, weil sich das Fahrwerk strafft und das ABS das ansonsten aufsteigende Hinterrad am Boden hält. Erst jetzt wird erfahrbar, welche Verzögerungsleistungen tatsächlich möglich sind - ohne Angst vor Instabilität oder einer Vorderradblockade. Weil die Beschleunigung auf der Geraden dermaßen brachial ist, will das Vorderrad selbst noch beim Wechsel vom dritten in den vierten Gang in die Luft steigen; die Wheelie-Kontrolle hält es am Boden und sorgt so für ruhig Blut beim Fahrer. Nie zuvor hat sich der Autor auf einem Rundkurs sicherer gefühlt als auf dieser Hightech-Rakete. Es ist kein Wunder, dass so viele Amateurrennfahrer den Weg zu BMW gefunden haben. Nicht wenige von ihnen werden vermutlich bald schon wieder wechseln, nämlich auf die HP4. Um die 21 000 Euro wird sie in Basisausführung - mit Schaltautomat, DDC, den erwähnten Schlankmachern, diversen Karbonteilen und manchem mehr - kosten. Wer dann noch etwa 3000 Euro drauflegt, bekommt ein „Competition-Paket“, das weitere Racing-Zutaten umfasst.

          Die BMW-Entwickler beteuern: Vor allem auf der Landstraße und nicht auf den meist glattgebügelten Rennpisten spiele DDC, das die Federelemente in Millisekunden an die Beschaffenheit der Straße und bestimmte Fahrmanöver anpasst, seine Stärken aus. Gleichwohl: Für den öffentlichen Straßenverkehr gibt es geeignetere Fahrzeuge als ein Superbike nach Art der BMW HP4. Auf Rennstrecken dagegen gelten andere Definitionen von Freude am Fahren. Da lassen wir mit uns reden: Lieber mit der HP4 im Kreis herumdüsen als nach DDC fliegen.

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