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Tech-Talk : Blind vor Grün

  • -Aktualisiert am

Die Grünen werden nicht müde, eine Hardware-Nachrüstung für ältere Dieselmotoren zu fordern. Dabei war die von Anfang an eine Totgeburt.

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          Die Grünen werden nicht müde, eine Hardware-Nachrüstung für ältere Dieselmotoren zu fordern. Dabei war die von Anfang an eine Totgeburt. Viele Techniker wussten das, viele Politiker wollten es nicht glauben. Also hat das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg dem ADAC den Auftrag zu einem Alltagstest erteilt. Winfried Hermann, der zuständige Minister von den Grünen, jubelt nun: „Die Ergebnisse belegen die Wirksamkeit von Prototypen im Dauertest. Jetzt muss der Bund dafür sorgen, dass die Systeme zugelassen und (auf Kosten der Hersteller) nachgerüstet werden.“

          Muss er besser nicht, denn wer in die Ergebnisse hineinschaut, erkennt das Desaster in ganzer Nüchternheit. Die Nachrüstsysteme verringern die Abgase, jedoch nicht in allen Temperaturbereichen in überzeugendem Maße. Systemausfälle und Defekte an den Komponenten traten im Test ebenso auf wie eine überlastete Spannungsversorgung. Mechanik, Sensorik und Energieversorgung mussten nachgebessert werden. „Eine durchgehend zuverlässige Funktion konnte nicht gewährleistet werden“, heißt es in dem ADAC-Bericht, der freilich darauf hinweist, dass noch keine Seriensysteme getestet wurden. Kein Wunder, es gibt bislang keine. Die gemessenen NOx-Reduktionsraten sind zwar beachtlich, der absolute Ausstoß an Stickoxid allerdings liegt nur bei Außentemperaturen von mehr als 23 Grad unter dem vom Bundesverkehrsminister festgesetzten Grenzwert von 270 mg/km. Ansonsten überschreitet er ihn deutlich.

          Als Grund werden die bei Kälte steigenden Rohemissionen und die serienmäßig vorliegende Reinigungsintensität angeführt. Stichhaltig oder nicht, die Nachrüstsätze bekommen das Abgas jedenfalls nicht ausreichend in den Griff. Außerdem sind die Prototypen durch höheren Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß aufgefallen. Laut Richtlinie sind maximal sechs Prozent mehr erlaubt, der Wert wurde deutlich überschritten. Wer nicht blind vor Grün ist, kann also nur raten: Hände weg von Nachrüstsätzen für Euro-5-Diesel.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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