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Automatisierte Autos : Sicherer ohne Helm

  • -Aktualisiert am

Sollten Autos künftig von Robotern gesteuert werden, wen sollen sie lieber umfahren – Menschen mit oder Menschen ohne Helm? Vielleicht ist das aber auch gar nicht das Problem.

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          Nun macht sich die Welt also auf in eine, in der Autos von Computern gesteuert werden. Die vom Bundesverkehrsministerium eingesetzte Ethikkommission hat ihren Bericht vorgelegt, und daraus schließt die Befürworterschar, hochautomatisiertes Fahren müsse her, und zwar möglichst schnell.

          „Wenn wir einen Sicherheitsgewinn haben, muss der Gesetzgeber die Technik fördern“, hat der Kommissionsvorsitzende Udo Di Fabio gesagt. Der Mann ist bekannt für seine präzise Wortwahl und seine klaren Gedanken. Das „Wenn“ sollte deshalb nicht überhört werden, und es lohnt sich, auf Di Fabios weitere Sätze zu achten: „Wir kommen nicht vom Berg Sinai mit feststehenden Geboten.“ Oder: „Jedes Menschenleben ist gleich.“

          Es wird nämlich zu entscheiden sein, was der Programmierer von Daimler, Audi oder BMW dem Rechner vorgibt. Soll das Auto im Zweifel den Radfahrer mit Helm oder den ohne umfahren? Es dürfte sich lohnen, fortan ohne Helm zu fahren, denn der Computer wird sich zum Überfahren des Radfahrers mit Helm entscheiden, weil dessen Verletzungsgefahr statistisch niedriger ist. Industrie, Gesellschaft und Politik drücken sich um eine Antwort auf derartige Dilemmata mit dem Hinweis, es werde gar keine Unfälle mehr geben. Computer aber stürzen ab, technische Geräte versagen, wieso sollte das im Auto anders sein?

          Es gibt auch Menschen, die glauben, hinter dem mit Volldampf betriebenen Streben nach dem vollautomatischen Fahren stünden profane betriebswirtschaftliche Überlegungen, weil Daten der Bewegung und der persönlichen Vorlieben wertvollere Rohstoffe werden als das heilige Blechle. Die glauben, der Kollateralschaden immer eingeengterer Freiheit und ausufernderer Überwachungsmöglichkeit durch den Staat oder Google &Co. sollte nicht bejubelt werden. Die glauben, ein gewöhnliches Radarsystem mit automatischer Notbremsfunktion im Auto könne Fußgänger und Radfahrer erkennen und Unfälle gleichermaßen sicher verhindern.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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