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Autofahren : Zu wenig

Autofahren ist nicht schwer und vor allem eine Routinesache. Gelegenheitsfahrer sind keine schlechten Menschen, aber schlechte Autofahrer.

          Autofahren ist nicht schwer und vor allem eine Routinesache. Wer für die einfachsten Vorgänge immer wieder Überlegungen anstellen, Situationen mit der Schwerfälligkeit des Überängstlichen analysieren muss und zu früh oder zu spät die Lenkung einschlägt und härter oder nachlässiger bremst als nötig, der fährt unroutiniert, wird nie entspannt und mit einem genießerischen Lächeln die automobile Fortbewegung schätzen. Gelegenheitsfahrer sind keine schlechten Menschen, aber schlechte Autofahrer. Ihnen fehlt die Übung, das tägliche Training im Umgang mit dieser Maschine, und es mangelt an der richtigen Einschätzung der Verhaltensmuster anderer Verkehrsteilnehmer.

          Fatalerweise treiben Industrie und Politik mit großem Engagement just jene Technik voran, die auf längere Sicht aus guten, weil routinierten Autofahrern schlechte Teilzeitlenker machen könnte. Wenn die Technik der autonomen Autos die Fahrgeschäfte übernimmt, dann soll es keine Unfälle mehr geben, lautet das bestechende Argument. Und wenn die Autonom-Technik keine GPS-Verbindung mehr hat oder sich Verkehrslagen ergeben, auf die sie nicht vorbereitet ist, dann, so die angeblich beruhigende Antwort, dann gibt es ein Signal für den sich ohnehin bereithaltenden Fahrer, flugs wieder das Kommando selbst zu übernehmen. So einfach stellen sich die Robot-Protagonisten das vor. Und was ist, wenn der Fahrer verdöst ist, das Bremsen oder Lenken verpennt oder einfach mit der nackten Plötzlichkeit zum Eingreifen überfordert ist, sich an seine routinierte Reaktion nicht mehr erinnert und sich lieber die Haare rauft als auszuweichen?

          So wird es alsbald neue Vorschriften geben zu Schulungen und Trainingsfahrten, und die autonomen Fahrer müssen wöchentliche Checks über sich ergehen lassen. Das autonome Auto kommt, aber kommen die Menschen damit klar, wenn es darauf ankommt, routiniert mit dem Auto zu fahren?

          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

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