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Auto-Kommentar : Adieu BMW, Mercedes, VW?

  • -Aktualisiert am

Ab 2019 soll es auch in Stuttgart Fahrverbote für Dieselautos der Euro-Abgasnorm 4 und schlechter geben. Bild: dpa

Die Öffentlichkeit hat den deutschen Autobauern jegliche Zukunftsperspektive abgesprochen. Dabei orientiert sich die Autoindustrie doch nur an der Nachfrage ihrer Kunden.

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          Wir hatten schon Sorge, Svenja Schulze sei in Urlaub gefahren. Womöglich mit Flugzeug, Schiff, Auto, Kuh, irgendwas Schadstoffunwesentreibendem halt. Aber dann tauchte die Bundesumweltministerin im Rheinland auf, wo sie sich über die von ihr geliebte Hardware-Nachrüstung für alte Diesel informiert hat. Denn die Ministerin möchte Fahrverbote vermeiden. Ebensolche, die nun auch Stuttgart angekündigt hat. Dass vom Verbot nur neueste Schadstoffklassen ausgenommen sind und ältere Motoren nie und nimmer Euro 6 erreichen, dass der Umbau 3000 bis 5000 Euro kostet, egal, er muss her.

          Die Industrie ist auch zu blöd. Die orientiert sich noch immer an technischer Machbarkeit und fragt, ob sich was rechnet, anstatt dort zu investieren, wo es die veröffentlichte Meinung schick findet. Die alle Probleme lösende Elektromobilität, zum Beispiel. Die kommt zwar nicht in Gang, weil der renitente Kunde keine 50.000 Euro für 150 Kilometer Reichweite ausgeben will. Aber wenn die jeden Fortschritt verschlafende Autoindustrie nicht subito eine Zellenfertigung in Deutschland aufbaut, wird sie untergehen.

          Wobei das mit der Zellenfertigung nichts mit inhaftierten Audi-VW-Porsche-Managern zu tun hat. Die Batteriezellen also fertigen ganz wunderbar ein halbes Dutzend Firmen, allesamt aus Asien, deswegen aber nicht weniger kompetitiv. Die Kompetenz, wie daraus leistungsstarke Akkus für Autos, Bohrmaschinen und Fahrräder werden, liegt in der Verschaltung und Steuerung. Dieses Fachwissen muss sich die deutsche Industrie aneignen, und das tut sie auch, aber wer hört schon hin, wenn das andere zu fordern viel populärer ist?

          Schon komisch: Die schnarchnasigen BMW, Mercedes, VW und ihre sedierten Zulieferer von Bosch bis Continental pennen seit hundert Jahren, und trotzdem will die Kundschaft rund um die Welt nichts lieber als diese rückständigen deutschen Kisten. Aber das wird sich mit vereinten Kräften ja wohl ändern lassen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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