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Unterhaltungselektronik : Ohne Kopierschutz ist der Fortschritt nicht zu haben

  • Aktualisiert am

MP3-Spieler mit Zubehör von Creative Bild: Archiv

Die Digitalisierung unseres Lebens schreitet voran. Hochauflösendes Fernsehen, Kamkorder, Digitalkameras, MP3-Spieler: Unterhaltungselektronik machte einen Großteil der Cebit aus.

          3 Min.

          Nie war mehr Unterhaltungselektronik auf der Cebit. Die Digitalisierung des Wohnzimmers geht mit dem hochauflösenden Fernsehen (HDTV) ihren entscheidenden Schritt weiter. Die neue Technik bringt fünfmal mehr Bildpunkte, und sie kommt ohne analoge Elemente aus. So entstehen Bilder von höchster Qualität. Was Sony und andere Aussteller zeigen, ist atemraubend. Indes sind noch viele Fragen offen. Daß man ein neues Fernsehgerät braucht, ist nicht das größte Hindernis. Noch aber fehlen Vereinbarungen über die Art und Weise der digitalen Kodierung und die entsprechenden Settop-Boxen zur Umwandlung der Signale.

          Doch zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 soll die Fernsehrevolution bereits im Gange sein. Sicher ist schon jetzt, daß der Kunde bei HDTV nicht nur der Gewinner ist. Mit der neuen Übertragungstechnik geht eine beispiellose Knebelung des Konsumenten einher. Er soll nichts mehr digital aufzeichnen können, was nicht ausdrücklich dafür freigegeben ist. Alle neuen TV-Geräte mit dem Gütesiegel „HD ready“ haben einen rigiden Kopierschutz. Wenn Premiere zum Jahresende mit drei HDTV-Kanälen startet, wird man das laufende Programm nicht aufnehmen können. Ob, wie und was die neuen HDTV-DVD-Rekorder digital aufzeichnen können, ist ebenfalls unklar. So wird die Freude an besserer Technik und schöneren Bildern gleich wieder getrübt.

          Ausstattung und Zubehör im Vordergrund

          Dann lieber eine neue Digitalkamera kaufen? Hier ist das Rennen um die meisten Pixel vorerst beendet. Mehr als sechs oder acht Megapixel braucht der ambitionierte Amateur gewiß nicht. Darum stehen wieder die Ausstattung und das Zubehör im Vordergrund. Branchengrößen wie Canon oder Nikon sind auf der Messe nicht präsent. Olympus hingegen führt die neue, kleine Mju Mini Digital S vor, die besonders schick aussieht und nun 5 Megapixel hat.

          Universal-Fernbedienung „Harmony” von Logitech mit Internetanschluß
          Universal-Fernbedienung „Harmony” von Logitech mit Internetanschluß : Bild: Archiv

          Staunen kann man hier auch über die neuen m:robe-MP3-Spieler. Das Spitzengerät 500i hat eine 20-Gigabyte-Festplatte sowie eine Digitalkamera eingebaut. Die Fotos auf dem Massenspeicher lassen sich beim Abspielen mit künstlerischen Effekten versehen: Die Musik wird auf diese Weise mit kleinen optischen Kunstwerken unterlegt. An allen Ecken stößt man in Hannover auf neue MP3-Spieler, teils kaum größer als eine Praline, teils mit Farbdisplay auch zur Anzeige von Fotos geeignet. Je unbedeutender der Hersteller, desto mehr kann man mit den Minis anstellen. Bei den großen Unternehmen hingegen gibt es nichts ohne Kopierschutz-Knebelung.

          Alternative Gattung digitaler Filmgeräte

          Bei den Kamkordern entdeckt man bei Samsung ein Gerät mit gleich zwei Objektiven. Das separate Auge kann man fixieren, wo es gerade paßt - etwa am Fahrrad-Helm oder am Fallschirm-Gurt. Das Spaß-Maschinchen mit dem Namen VP-X110L, gerade einmal 150 Gramm schwer und kaum größer als ein Handy, steht nicht nur für neue, sportliche Anwendungs-Szenarien: Es repräsentiert auch eine alternative Gattung digitaler Filmgeräte. Hier rotiert kein Magnetband-Wickel mehr, auch mit optischen Scheiben oder mit Festplatten hat der Kamera-Zwerg nichts am Hut.

          Statt dessen arbeitet er mit einem 512 Megabyte großen eingebauten Festspeicher, der sich mit Karten vom Typ Memory Stick Pro auf ein Vielfaches erweitern läßt, und er filmt im besonders wirksamen Kompressionsformat MPEG-4. Über die exakte Größe der bewegten Bilder konnte Samsung noch keine klare Auskunft geben, sie dürfte aber bei 320x240 Pixel liegen. Das entspricht einem Viertel der Auflösung eines konventionellen Fernsehbildschirms.

          Nicht mehr bestmögliche Bildqualität

          Auf solche Details muß man beim Kamkorder-Kauf künftig achten, denn längst nicht mehr alles, was im fortgeschrittenen Multimedia-Zeitalter bewegte Bilder aufnimmt, ist exakt auf den Fernsehschirm zugeschnitten, und längst nicht mehr alle Datenformate zielen dabei, wie in der Ära der digitalen DV-Kassette üblich, auf die bestmögliche Bildqualität ab. Geräte wie das neue Samsung-Modell, man kennt sie in ähnlicher Form auch von Panasonic, wo sie D-Snap heißen, müssen die bewegten Bilder an den bisher noch begrenzten Datenumfang von Chipkarten anpassen, und deshalb beschränken sie sich, ebenso wie die meisten bewegtbild-tauglichen digitalen Fotoapparate, auf Filme im Kleinformat.

          Einen andern Weg geht JVC mit seiner Kamkorder-Familie Everio, deren jüngster Sproß, das Dreichip-Modell GZ-MC500, ebenfalls zu den Cebit-Attraktionen zählt: JVC setzt auf die winzige Wechsel-Festplatte Microdrive, die mit einer Kapazität von 4 Gigabyte vollformatige MPEG-2-Aufnahmen zuläßt - mit Datenraten, die denen der DVD nahekommen und folglich gute Qualität liefern.

          Kamkorder-DVDs ohne Zukunft?

          Einen anderen Kamkorder-Trend repräsentieren jene Modelle, die ihre Filme direkt auf eine acht Zentimeter große DVD brennen. Hersteller wie JVC und Panasonic geben ihnen keine langfristige Zukunft, ganz einfach, weil die unvermeidliche Mechanik für den Daten-Rundling sich nicht beliebig eindampfen läßt und folglich immer eine gewisse Gerätegröße vorgibt. Daß man aber auch DVD-Kamkorder sehr kompakt konstruieren und ansprechend gestalten kann, zeigt Sony am Cebit-Stand mit seinem neuen, stromlinienförmigen Video-Ufo DCR-DVD7.

          Das neue Flaggschiff des Herstellers, das Modell heißt DCR-DVD403, demonstriert außerdem exemplarisch, welche Technik-Rafinessen DVD-Maschinen mit ihrem Aufnahme-Medium erschließen: Dieser Kamkorder dreht veritable Heimkino-Filme im modernen Breitbild-Format 16:9 und - dank eines eingebauten Mehrkanal-Mikrofons - mit 5.1-Kanal-Surround-Ton in Dolby Digital. Solche Fähigkeiten trösten darüber hinweg, daß die bewährte DV-Kassette samt ihrer exzellenten Bildqualität in absehbarer Zeit aufs Altenteil muß. Denn das Magnetband ist, die Cebit ruft es gnadenlos in Erinnerung, ein Relikt des letzten Jahrhunderts.

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