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Unterwegs auf Fotobörsen : Hier gibt es nichts Neues

  • -Aktualisiert am

In Reih und Glied: bunt gemischte Foto-Historie Bild: Hans-Heinrich Pardey

Sie heißen Börsen, aber eigentlich sind es wahre Flohmärkte. Manche der zahlreich quer durchs Land veranstalteten Umschlagplätze für alles Fotografische haben seit Jahrzehnten Tradition.

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          Der erste Eindruck: Was für ein Durcheinander! Auf mehreren Ebenen herrscht in der Mensa der Technischen Universität auf dem Campus Lichtwiese im Osten Darmstadts ein Gedränge sondergleichen. Ganz langsam schieben sich überwiegend Männer mittleren oder höheren Alters an den Tischen der 69. Internationalen Fotobörse vorbei. Es ist der erste Advent, ein fester Termin für Fotofreunde weit über die Region hinaus. Bei der längeren Suche nach einem Parkplatz war an den Autokennzeichen zu erkennen: Die seit 1974 bestehende und mittlerweile zweimal im Jahr stattfindende Veranstaltung des Foto-Clubs Darmstadt führt die Bezeichnung international mit vollem Recht.

          Wie Pilzsucher gehen die Männer zumeist gesenkten Hauptes, der prüfende Blick gleitet über die Tische voller Kameras, Objektive und Zubehörteile, deren Sinn und Zweck sich manchmal trotz einiger Kenntnis der analogen Fotografie nicht sofort erschließt. Vereinzelt mitwandernde Gattinnen langweilen sich so offensichtlich, dass es geradezu mitleiderregend ist. Gnädig werden sie zum Bewachen frisch erworbenen Sammelgutes in die Cafeteria entlassen.

          Da trinken sie dann einen Kaffee oder essen ein Schnitzel, und ihr Blick spricht Bände: Der gut erhaltene Motor für eine Nikon F2 auf dem Tisch neben der Kaffeetasse ist der Wächterin schnurzpiepegal. An den antiquarischen Photographica persönlich interessierte Frauen vor den Tischen sind tatsächlich eine verschwindende Minderheit. Hinter den Tischen sitzen dagegen in größerer Zahl Händlerinnen, die mit Argusaugen jede Hand verfolgen, die nach ihren Schätzen und Schätzchen greift.

          Ersatzteillager: Wild zusammengewürfelte Grabbelkisten gehören dazu
          Ersatzteillager: Wild zusammengewürfelte Grabbelkisten gehören dazu : Bild: Hans-Heinrich Pardey

          Manche der Tische sind geradezu wie verbarrikadiert: Drahtkäfige schließen Schraub-Leicas ein, als ob die beißen würden. Schaukästen und Vitrinen hindern am Anfassen, manche Kleinigkeiten werden wie beim Juwelier unter Glas auf Samt präsentiert. Und wahre Antiquitäten wie hölzerne Laufbodenkameras mit Lederbalg bleiben zunächst einmal hinten im Regal, vor dem die Händlerfamilie nebeneinander Posten bezogen hat. Dem Besucher wird zwar alles oder fast alles zur näheren Begutachtung über den Tisch gereicht. Aber die vorbeugenden Abwehrmaßnahmen reden in deutlicher Sprache von schlechten Erfahrungen.

          „Großes Senioren-Treffen in Solms?“

          Einen Tag zuvor in Solms, wo an der Lahn nahe bei Wetzlar die Leica Camera AG bis zu diesem Jahr residierte, prägten die Gitterstäbe noch deutlicher das Bild. Zwar ist die seit 20 Jahren bestehende, ebenfalls zweimal im Jahr stattfindende Solmser Fotobörse kein ausschließlicher Leica-Markt. Aber zu etwa zwei Drittel dominieren Kameras und Zubehör des Herstellers Leitz - und in seiner Nachfolge Leica - das Angebot dieser gleichfalls Besucher und Aussteller aus dem In- und Ausland anziehenden Fotobörse.

          Leicas waren und sind Sammelobjekte in einem Maße, wie das wohl kaum bei den Produkten irgendeines anderen Herstellers der Fall ist - auch wenn die, ob Minox, Rollei, Nikon, Zeiss, Mamiya oder Olympus, selbstverständlich auch ihre Fans haben. Nicht jede historische Leica ist ein Vermögen wert, manche raren Stücke sind es aber schon.

          Und von diesen, meist auf Spezialauktionen erzielten Spitzenpreisen strahlt etwas ab auf die Fotobörsen, speziell auf die in Solms. Das Bild, das sich Ende November dort in etwas kleinerem Rahmen als auf den 1500 Quadratmeter in Darmstadt bietet, beschreibt ein Posting im Internet: „Großes Senioren-Treffen in Solms? Ist wirklich überwiegend die angejahrte Generation auf den Foto-Börsen unterwegs. Antikmarkt?“

          Reduziert auf das Minimum: Antiquitäten haben einen ganz besonderen Charme
          Reduziert auf das Minimum: Antiquitäten haben einen ganz besonderen Charme : Bild: Hans-Heinrich Pardey

          Wenn die Selbstauskunft der Fotobörse Solms davon spricht, es würden „hochwertige Fotogeräte aller Marken gehandelt“, dann kann man dazu nicken. Aber es bedarf hier wie auch in Darmstadt einer Anmerkung: Manches ist auch einfach Ramsch wie eben typisch für einen Flohmarkt. Wenn die edleren, teureren Stücke auch sorgsam gehütet werden, dann kommt man sich bei anderen Angeboten wie auf dem Schrottplatz vor.

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