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Ultra HD : Schärfer, als es HDTV erlaubt

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Produziert nicht nur HD, sondern Ultra HD: Die Kamera F 65, die in den Filmstudios derzeit Maßstäbe setzt Bild: Hersteller

Gerätehersteller und Filmstudios suchen immer bessere Qualität: Ultra HD steht für die nächste Generation der bewegten Bilder - und für die vierfache HDTV-Auflösung.

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          Die Technik-Evolution schien an der Endstation Sehnsucht angekommen: Mehr als ein Jahrzehnt lang hatten Gerätehersteller, Netzbetreiber und Sender teils mit vereinten, teils mit zentrifugalen Kräften für ein Fernsehen gestritten, das endlich scharfe Bilder auf unsere stetig wachsenden Flachbildschirme bringen sollte. HDTV, die Technikformel für mehr als zwei Millionen Pixel auf der Mattscheibe, hat sich heute etabliert. Und wenn die Sender anständig produziertes Material funken, sehen die bewegten Bilder so gut aus, dass sich der Eindruck aufdrängt: Mehr muss eigentlich nicht sein.

          Alles aus einer Hand: Sony zählt zu den wenigen Herstellern, die eine komplette Produktions- und Wiedergabekette für Ultra HD liefern können. Der neue Fernseher KD-55X9005A, ein 55-Zoll-Kaliber
          Alles aus einer Hand: Sony zählt zu den wenigen Herstellern, die eine komplette Produktions- und Wiedergabekette für Ultra HD liefern können. Der neue Fernseher KD-55X9005A, ein 55-Zoll-Kaliber : Bild: Hersteller

          Doch wer so denkt, hat die Rechnung ohne die Ingenieure gemacht - und deren berufsbedingtes Streben nach neuen Horizonten. Schon seit Anfang des Jahres übertreffen Hersteller wie LG, Panasonic Samsung, Sharp, Sony und Toshiba einander mit Ankündigungen von Großbildschirmen mit Ultra-HD-Auflösung, sprich: mit der Fähigkeit, die Bilder aus mehr als acht Millionen Bildpunkten zusammenzusetzen. Genauer: mit einem Raster aus 3840 × 2160 Pixel, also exakt der vierfachen Auflösung des heutigen HDTV. Vom Sommer an sollen sie nach und nach in die Läden kommen, mit mächtigen Diagonalmaßen zwischen 55 und 84 Zoll (140 bis 213 Zentimeter).

          Die Faszination großer Zahlen

          Eigentlich ist dieser Schritt nur logisch: Wer es technisch schafft, zwei Millionen Pixel auf einem Bildschirm im Küchenformat unterzubringen, kann wandfüllende Flachbild-Riesen mit dem Vierfachen füllen, ohne dazu die Herstellungsverfahren von Grund auf neu erfinden zu müssen. Und wie fein Pixelraster heute schon in Massenprodukten aussehen können, machen unsere Smartphones vor oder auch die Retina-Displays von Apples mobilen Computern. Diese Beispiele zeigen, worum es geht: Das Auge soll nicht mehr erkennen, dass ein Raster überhaupt existiert. Das Angebot an Bilddetails soll die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit voll ausreizen, selbst dann, wenn man näher an die Schirme heranrückt. Gerade Jumbos mit Riesendiagonalen erzwingen kürzere Betrachtungsdistanzen, bezogen auf ihre Bildschirmhöhe. Denn unsere Wohnzimmer werden nicht automatisch größer, nur weil wir uns immer größere Fernseher anschaffen.

          Sitzen wir aber zum Beispiel so nahe vor den Mattscheiben, dass der Betrachtungsabstand nur noch der doppelten oder gar der eineinhalbfachen Bildschirmhöhe entspricht, genießen wir zwar Perspektiven, die uns wie im Kino buchstäblich ins Geschehen hineinziehen, aber mit konventioneller HDTV-Auflösung werden die einzelnen Bildpunkte als solche sichtbar. Ebendies soll Ultra HD unterbinden. Mit Testvideos, die in der neuen Super-Auflösung produziert wurden, sieht die neue Bildschirm-Generation wirklich atemraubend aus; der Unterschied zu HDTV erinnert aus angemessenem Betrachtungsabstand an jenen Qualitätssprung, den HDTV gegenüber der Standardauflösung brachte.

          Flaggschiff im digitalen Kino: Sonys mächtiger 4k.Projektor SRX-T420
          Flaggschiff im digitalen Kino: Sonys mächtiger 4k.Projektor SRX-T420 : Bild: Hersteller

          Aber Demo-Videos allein machen das Publikum nicht glücklich. Und bisher ist das Angebot an Alternativen rar. Schon warnen Experten wie Paul Gray, Marktforscher des renommierten Instituts Display Search, vor riskantem „marketing by numbers“, also vor Verkaufsstrategien, die allein auf die Faszination großer Zahlen abheben. Doch es gibt durchaus schon Bildquellen, mit denen sich die neue Pixelflut nutzen lässt. Dazu zählen all unsere Digitalfotos: Selbst Pocket-Knipsen lichten die Welt heute mit 12 Megapixeln ab. Ultra-HD-Schirme können nun erstmals zeigen, wie viele Details wirklich in den Bildern stecken. Und wer gern eigene Videos in der neuen Schärfe produzieren will, um sie auf einem Ultra-HD-Schirm standesgemäß zu präsentieren, muss nicht darauf warten, dass den Prototypen der Ultra-HD-Camcorder von Sony, JVC oder Panasonic, samt und sonders auf semiprofessionellen Einsatz zugeschnitten, halbwegs handliche Großserienmodelle für den privaten Gebrauch folgen. Denn die leistungsstärksten unter den Spiegelreflexkameras, etwa die Canon EOS-1D C, können bewegte Bilder heute schon in Ultra-HD-Qualität aufnehmen.

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