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Tonbandmaschine : Musikkonserven mit Retro-Charme

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Die letzte Bandmaschine B77 von 1980 Bild: Hersteller

Kommt nach der Vinylblüte jetzt der Tonbandkult wieder? Revox will dafür die Weichen stellen. Mit einem Onlineshop für Musikbänder in Studiomaster-Qualität.

          Sie laufen und laufen und laufen, die dekorativen Abspielgeräte für die schwarzen Vinylschallplatten. Weder Streaming-Dienste noch W-Lan-Lautsprecher konnten der HiFi-Gemeinde den Spaß an ihren analogen Schätzen komplett austreiben. Aber was Revox jetzt vorhat, überrascht dann doch. Das Traditionsunternehmen will nun auch der guten alten Tonbandmaschine zu Kultstatus verhelfen. Dazu hat sie kürzlich einen Onlineshop gestartet, der ein kleines, aber feines Musikrepertoire auf großen Magnetbandspulen anbietet. Unter www.musicstore.revox.com können Analog-Genießer fortan Musikpretiosen ordern, die Raritätswert haben. Denn sie sind nichts weniger als 1:1-Kopien der analogen Masterbänder.

          Für die Überspielung hat Revox eigens eine Flotte aus 15 Studio-Tonbandmaschinen des Typs Studer A80 generalüberholt. Als der Hersteller dieses Modell im Jahr 1970 erstmals auf Kiel legte, pries er es als „Meilenstein in der Geschichte der magnetischen Aufzeichnung“ an, und das war keineswegs übertrieben. Bis heute ist der unverwüstliche Klassiker mit seinem erdbebensicheren, acht Millimeter dicken Druckguss-Chassis in vielen Studios noch im Dienst, in etlichen Varianten von der Mono bis zur 16-Spur-Version. In den legendären Abbey-Road-Studios gehörten A80-Maschinen ebenso zur Grundausstattung wie in allen anderen Studiobetrieben von Rang, an berühmten Produktionen wie dem Pink-Floyd-Klassiker „Dark Side of the Moon“ waren sie maßgeblich beteiligt.

          Revox-Edition in Masterband-Qualität

          Die Jüngeren unter uns müssen allerdings wissen: Analogüberspielungen sind ein heikler Prozess. Etliche elektrische und mechanische Stellgrößen haben Einfluss auf die Qualität des Duplikats, jede Ablagerung feiner Magnetband-Partikel ist Gift für die Übertragung vor allem hoher Frequenzen. Vor jedem Kopiervorgang für den Onlineshop reinigen die Revox-Techniker deshalb die gesamte bandführende Mechanik und entmagnetisieren die Tonköpfe, nach jeder zehnten Überspielung checken sie die Maschinen mit Prüfbändern und greifen, falls nötig, korrigierend ein.

          Bisher umfasst das Angebot 25 Titel, überwiegend Jazz-Aufnahmen, etwa das Album „Sunshine Of Your Love“ von Ella Fitzgerald oder „Mellow Mood“ von Oscar Peterson. Darüber hinaus gibt es eine Handvoll Klassik-Einspielungen, darunter Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 1 in D-Dur. Doch das Repertoire soll jetzt stetig wachsen, sagt Revox. Die meisten Titel gibt es in zwei Versionen, mit den Bandgeschwindigkeiten 38 oder 19 Zentimeter je Sekunde. Ein Album für das höhere Abspiel-Tempo umfasst zwei Tonbandspulen, die 19er Version passt auf einen Tonträger. Revox liefert die individuell numerierten Bänder in Kartons mit den Cover-Motiven der entsprechenden Schallplattenveröffentlichungen, dazu gibt es jeweils ein mehrseitiges Booklet. Bis zu 360 Euro kosten diese Edeleditionen im Onlineshop. Das ist nicht gerade ein Schnäppchen.

          Der Gegenwert allerdings lässt sich nicht allein nach elektroakustischen Parametern bemessen. Hinzu kommt eine Erlebnisqualität, die auch die Besitzer sündhaft teurer Plattenspieler nicht missen möchten. Allein der Anblick gleichmäßig rotierender Präzisionsmechanik lässt die Herzen altgedienter HiFi-Fans höher schlagen, ebenso der Umgang mit dem physischen Tonträger: Schallplatten-Fans erleben Glücksmomente, wenn sich der Tonarm langsam über der Einlaufrille senkt, Tonbandliebhaber genießen es, das Vorspann-Band in die Leerspule einzufädeln. Und sie leben ihre Passion stets als aktives Hobby.

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